Mit Blumen gegen Kohlebagger: So kämpft ein sächsischer Ort ums Überleben

Die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" auf einem Protestmarsch. Am Sonntag will ein breites Umweltbündnis ein symbolisches Blumenkreuz vor der Kirche des Ortes pflanzen.
Die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" auf einem Protestmarsch. Am Sonntag will ein breites Umweltbündnis ein symbolisches Blumenkreuz vor der Kirche des Ortes pflanzen.  © Pro Pödelwitz

Groitzsch - Mit 1000 Blumen wollen Bürger aus Pödelwitz gemeinsam mit Umweltaktivisten gegen die heranrückenden Kohlebagger und das drohende Ende ihres Ortes protestieren.

Am Sonntagvormittag um 11.00 Uhr will das Bündnis vor der Kirche im Groitzscher Ortsteil Pödelwitz 1000 Osterglocken in Form eines Kreuzes pflanzen.

Mit dieser Aktion wollen die Dorfbewohner ihren Widerstand gegen die Abbaupläne der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag) deutlich machen. 33 der einst 133 Bewohner von Pödelwitz haben sich entschlossen zu bleiben.

Die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" vertritt die Menschen im Ort, die ihr Zuhause nicht aufgeben wollen. Sie fühlen sich im Recht, denn bis heute gebe es für das Abbaggern ihres Dorfes keine bergrechtliche Bewilligung. Dies erklärte der Sprecher der Bürgerinitiative, Jens Hausner, auf Anfrage von TAG24. Die Politik lasse das Unternehmen aber einfach machen.

Laut Hausner sei es fraglich, ob die Mibrag jemals die Bewilligung bekomme, um auf dem Boden von Pödelwitz nach Braunkohle zu baggern.

Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain in der Nähe des Groitzscher Ortsteils Pödelwitz.
Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain in der Nähe des Groitzscher Ortsteils Pödelwitz.  © Ralf Seegers

Im Braunkohleplan "Tagebau Vereinigtes Schleenhain" sei Pödelwitz gar nicht vorgesehen. Und laut Plan dürfe die Braunkohle aus Schleenhain nur für die Versorgung des Kraftwerks Lippendorf genutzt werden, das bis 2040 laufen soll.

Dennoch verletze die Mibrag die Grundrechte der verbliebenen Pödelwitzer, so Hausner. Menschen würden aus ihren Häusern "rausgekauft". Außerdem habe das Unternehmen unter anderem Gas- und Stromleitungen gekappt und denkmalgeschützte Gebäude bei Arbeiten und Untersuchungen beschädigt.

Viele Umweltverbände wie Greenpeace, der BUND, Robin Wood oder der NABU stehen "Pro Pödelwitz" zur Seite. Anfang der Woche schrieb das breite Umwelt-Bündnis einen offenen Brief an Mibrag-Geschäftsführer Armin Eichholz und den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich. Darin fordern sie ein Moratorium für die Zerstörung der Gebäude in Pödelwitz und den sofortigen Stopp von Umsiedlungsvorbereitungen.

Wie die "Leipziger Volkszeitung" berichtet, ist der Brief anscheinend noch nicht angekommen. Die gegen das Unternehmen erhobenen Vorwürfe wies Geschäftsführer Bernd-Uwe Haase zurück. Man greife nicht in die Infrastruktur des Ortes ein, erklärte er der LVZ. Stattdessen sorge man bei den von der Mibrag gekauften Häusern für eine Bausicherung. Dazu gehöre auch, die Leitungen zu den eigenen Gebäuden zu kappen. Zudem gebe es denkmalschutzrechtliche Prüfungen an den Häusern, um diese detailliert zu dokumentieren. Das geforderte Moratorium sei nicht haltbar, so Haase.

Die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" und die sie unterstützenden Umweltverbände werden am Sonntag vor der Kirche des 700 Jahre alten Dorfes ihr symbolisches Blumenkreuz pflanzen. Ein Vertreter der Mibrag wird nicht dabei sein, denn das Unternehmen wurde nicht eingeladen - was Geschäftsführer Haase bedauert.

Titelfoto: Ralf Seegers, DPA


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