Sex, Gewalt, Müll! Bundeswehrarzt schlägt Asyl-Alarm

In der Erfurter Messehalle sind derzeit ca. 1000 Flüchtlinge untergebracht.
In der Erfurter Messehalle sind derzeit ca. 1000 Flüchtlinge untergebracht.

Von Matthias Kernstock

und Uwe Schneider

Erfurt - Ähnlich wie in Leipzig dient in Erfurt eine Messehalle als provisorische Unterkunft für Flüchtlinge. 100 Helfer kümmern sich hier um die Menschen, bis das Land entsprechende Gebäude zur Verfügung stellen kann.

Nun sorgt ein internes Schreiben der Bundeswehr über die Zustände in der Messehalle für Entsetzen. Verfasst von einem Arzt der Bundeswehr.

Nachdem DRK, Feuerwehr und THW Anfang September mit den Vorbereitungen für den Einzug der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung begonnen hatten, gab es nach und nach auch Kritik an den dortigen Zuständen.

Erst vergangene Woche wurden drei Tuberkulose-Verdachtsfälle gemeldet. Das Gesundheitsministerium gab am Mittwoch aber Entwarnung.

Doch wie schlimm sind die Zustände dort wirklich? Am Freitag wurde ein internes Schreiben eines Oberfeldarzt der Bundeswehr unter anderem auf der Facebookseite von PEGIDA veröffentlicht.

Am Freitag ist ein internes Schreiben eines Oberfeldarzt der Bundeswehr im Netz aufgetaucht. Darin werden die schlimmen Zustände in Erfurt beschrieben.
Am Freitag ist ein internes Schreiben eines Oberfeldarzt der Bundeswehr im Netz aufgetaucht. Darin werden die schlimmen Zustände in Erfurt beschrieben.

Darin findet ein Gesundheitsaufseher der Bundeswehr klare Worte zu den Zuständen in der Erfurter Halle:

"Die Hallen werden 2-mal am Tag gereinigt. Trotzdem ist der Reinigungszustand der Böden aus meiner Sicht nicht in Ordnung, da immer wieder Müll auf den Fußboden geworfen wird", schreibt der Soldat, der in der Messehalle im Einsatz ist.

"Das Urinieren in irgendwelche Ecken ist Routine. In den Unterkunftsbereichen werden allein stehende Frauen von anderen männlichen Personen aus anderen Ländern anuriniert (...), auch wenn die Frauen schlafen. Sexuelle Belästigungen sind an der Tagesordnung."

Leitender Sanitätsoffizier, Dr. Dirk Meiners, der das Schreiben an die entsprechenden Stellen der Bundeswehr weitergeleitet hat, wollte sich auf MOPO24-Nachfrage nicht zu den Zuständen in Erfurt äußern.

Er schrieb selbst von fehlender Organisation in der Messehalle, sieht die Zustände als "nicht hinnehmbar, vor allem, solange Soldaten dabei sind!"

Die Flüchtlinge müssen über Wochen auf engstem Raum zusammenleben: Da kommt es auch zu Spannungen.
Die Flüchtlinge müssen über Wochen auf engstem Raum zusammenleben: Da kommt es auch zu Spannungen.

Die Bundeswehr bestätigte auf Nachfrage von MOPO24 die Existenz des Schreibens: "Wir kennen das Dokument, es ist echt", sagte Daniela Eichler vom Landeskommando.

Nun werde geprüft, ob die beschriebenen Zustände tatsächlich existieren. Solche Verhältnisse seien nicht hinnehmbar. Wenn es sich bestätigen sollte, werde alles dafür getan, dass sich solche Übergriffe nicht wiederholen.

Außerdem werde geprüft, wer das für den internen Dienstgebrauch verfasste Schreiben an die Öffenlichkeit weitergegeben hat.

Dem Landesverwaltungsamt Thüringen sind keine der in dem Brief angeführten Vorwürfe bekannt. "Bislang gab es in keiner Lagebesprechung Andeutungen auf sexuelle Übergriffe oder ähnliche Vorfälle", erklärte ein Sprecher.

Dennoch werde der Fall jetzt mit Hochdruck geprüft: "Wenn sich die beschriebenen Vorwürfe bestätigen, werden wir Konsequenzen ziehen und jeden einzelnen Fall zur Anzeige bringen."

In der Messehalle in Erfurt leben etwa 1000 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Sierra Leone, Bangladesh und Eritrea auf engem Raum zusammen.

Frauen und Kinder sind von den Männern räumlich getrennt. Der Sicherheitsdienst würde regelmäßige Streifen durchführen.

Noch bis Anfang Oktober soll die Messe als Notquartier dienen, so Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke).

Update 18 Uhr: Wie ein Sprecher der Streikräfte MOPO24.de mitteilte, werde der Sachverhalt geprüft. Über die Veröffentlichung der Dokumente ist die Bundeswehr sehr verärgert.

"Wir verurteilen die Interpretation unserer Dokumente durch PEGIDA aufs Schärfste", erklärte der Sprecher.

Fotos: dpa


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