Bundeswehr schickt Leopard-Panzer an die russische Grenze

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verteidigte den Aufmarsch der NATO in Osteuropa.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verteidigte den Aufmarsch der NATO in Osteuropa.  © DPA

Brüssel/Berlin - Die Bundeswehr wird neben mehreren Hundert Soldaten auch Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 nach Litauen verlegen. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwochabend bestätigte, sollen die schweren Waffensysteme Teil der Ausrüstung sein, die die deutschen Truppen im kommenden Jahr mit in das an Russland grenzende Nato-Partnerland bringen.

Die Entscheidung, nicht nur bis zu 600 Soldaten, sondern auch Kampfpanzer nach Litauen zu schicken, gilt als deutliches Signal, dass Deutschland die Sorgen der östlichen Verbündeten ernst nimmt. 

Vor allem die baltischen Staaten und Polen fühlen sich bedroht, seit sich der große Nachbar Russland 2014 die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibte.

Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift. So wird das Abschreckungspotential des Panzers beschrieben.
Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift. So wird das Abschreckungspotential des Panzers beschrieben.  © DPA

Für die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau könnten die Ankündigungen hingegen eine weitere Belastungsprobe darstellen. Russland hatte die Grundsatzbeschlüsse der Nato zur Aufrüstung im Osten bereits im Sommer scharf kritisiert.

"Die Allianz konzentriert ihre Kräfte darauf, eine nicht existierende Gefahr aus dem Osten einzudämmen", erklärte das Außenministerium damals und warf der Nato eine "Dämonisierung" Russlands vor.

Die deutschen Pläne, die am Rande eines zweitägigen Verteidigungsministertreffens in Brüssel bekannt wurden, sind Teil des größten Nato-Aufrüstungsprogrammes seit dem Kalten Krieg.

Dieses sieht unter anderem vor, vom kommenden Jahr an multinationale Kampftruppen in den Mitgliedstaaten Polen, Litauen, Lettland und Estland zu stationieren.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte am Donnerstag, es gehe vor allem darum, mit kampfbereiten Truppen die Abwehrbereitschaft des Bündnisses zu demonstrieren. Dazu gehörten schwere Waffen wie Panzer oder Artillerie - auch wenn derzeit "keine unmittelbare Bedrohung" eines Nato-Landes ersichtlich sei.

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht kritisierte die geplante Stationierung scharf. "Deutsche Panzer an die russische Grenze zu schicken, ist geschichtsvergessen und ein weiterer Schritt in Richtung Eskalation in den Beziehungen zu Russland", sagte sie.

Die Kampfpanzer werden erstmals in Richtung russischer Grenze verlegt. 
Die Kampfpanzer werden erstmals in Richtung russischer Grenze verlegt.   © DPA