Schön, behindertengerecht, mitten im Unfallschwerpunkt: Neue Bushaltestellen sorgen für Ärger

Von Anke Brod

Leipzig - "Da kommt man um die Ecke und steht vorm Bus!" So kreuzgefährlich sind für den stellvertretenden Holzhausener Ortsvorsteher, Achim Haas (CDU), die beiden brandneuen Bushaltestellen an der Mölkauer Straße in Richtung Zuckelhausener Ring.

Ortschaftsrat Achim Haas (CDU) gibt den Schülerlotsen an der neuen Bushaltestelle in Holzhausen. Aufgrund der Lage im Unfallschwerpunkt sorgen diese sowie eine zweite Haltestelle gegenüber derzeit für Unmut.
Ortschaftsrat Achim Haas (CDU) gibt den Schülerlotsen an der neuen Bushaltestelle in Holzhausen. Aufgrund der Lage im Unfallschwerpunkt sorgen diese sowie eine zweite Haltestelle gegenüber derzeit für Unmut.  © Anke Brod

Biegt man am Ortseingang Holzhausens von der Stötteritzer Landstraße an der versetzten Kreuzung rechts in besagte Mölkauer Straße ab, ragen direkt hinter der Kurve zwei erhöhte, gegenüberliegende Haltestellen-Kaps für die Buslinie 74 jeweils bis an die Fahrspur. Haas spricht von einem "Schildbürgerstreich": "Zwei schöne, behindertengerechte Haltestellen, doch mit Verkehrsrückstau mitten im Unfallschwerpunkt."

Ein paar Meter weiter in die Mölkauer Straße hinein, und die Sache wäre seiner Meinung nach entschärft. Aktuell hätten darüber hinaus auch Fahrgäste durch die schlechte Sicht auf den fließenden Verkehr Probleme, unversehrt auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Gefahren sieht indes nicht nur Haas. Der Holzhausener Bürger Uwe Grusenick (49) meidet die versetzte Kreuzung regelrecht . "Gerade im Berufsverkehr überquere ich die Stötteritzer Landstraße lieber nicht“, beteuert er und mahnt: "Bis zum nächsten Unfall wird es wohl nicht mehr lange dauern. Meine Frau konnte heute gerade einen verhindern. Man hat ihr wieder einmal die Vorfahrt genommen."

"Schildbürgerstreich" in Holzhausen: "Wann endlich wird diese Kreuzung entschärft?"

Die Bushaltestellen wurden direkt hinter einer Kurve an einer vielbefahrenen Kreuzung errichtet. Eine Gefahr sieht darin nicht nur Achim Haas.
Die Bushaltestellen wurden direkt hinter einer Kurve an einer vielbefahrenen Kreuzung errichtet. Eine Gefahr sieht darin nicht nur Achim Haas.  © Anke Brod

Grusenick beobachtete unlängst, dass es bei seinem eigenen, zehnmaligen Passieren dieser Kreuzung fünfmal zu Beinahe-Unfällen gekommen sei, die allerdings nicht durch ihn verursacht worden wären.

"Wann endlich wird diese Kreuzung entschärft?", fordert er. "Eine Behelfsampel von 6 bis 21 Uhr reicht doch aus," sagt der 49-Jährige und führt ein Beispiel an: "An der Kreuzung Leinestrasse zur Einfahrt ins Gewerbegebiet Globus funktioniert dies seit Jahrzehnten."

So einfach scheint es in Holzhausen aber wohl nicht zu sein. "Die Kreuzung taucht laut Auskunft der Stadt weder bei der Polizei noch bei der Feuerwehr als Unfallschwerpunkt auf. Darum wird hier leider bislang kein Handlungsbedarf gesehen", umriss Holzhausens Ortsvorsteher Hans-Jürgen Raqué (CDU) die prekäre Lage während der jüngsten Ortschaftsrats-Sitzung.

TAG24 hakte beim Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) der Stadt Leipzig nach. "Die Lage der Bushaltestelle in landwärtige Richtung wurde nicht verändert", lautete die Antwort.

Die Haltestelle in der Mölkauer Straße direkt an der Kreuzung Mölkauer Straße /Stötteritzer Landstraße habe man mit einer geringen Verbreiterung des vorhandenen Gehwegs bis zum Fahrbahnrand behindertengerecht ausgebaut.

"Der aus der Stötteritzer Landstraße einbiegende Verkehr hat schon immer die Haltestelle beachten müssen", so das VTA weiter. Darüber hinaus sei die Haltestelle in Richtung Stadt direkt an die Kreuzung verlegt und als Kap ausgebaut worden. Als Kap deshalb, so die Verantwortlichen, weil in der Mölkauer Straße erhöhter Parkdruck herrsche.

Bei dieser Konstruktion fallen angeblich weniger Stellplätze als in einer Haltebucht weg. Der Bus könne zudem besser an die Haltestelle fahren und dort auch nicht überholt werden. Die Planung habe man mit der Straßenverkehrsbehörde und der Polizeidirektion abgestimmt.

Nichtsdestotrotz: De facto wollen die Mitglieder des Ortschaftsrates nun zeitnah Vertreter des Verkehrs- und Tiefbauamtes zum Ortstermin einladen.

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