Hass-Schmierer von Twitter-Zentrale enttarnt sich selbst

Shahak Shapira wollte mit seiner Aktion die Twitter-Mitarbeiter mit den schlimmsten Tweets konfrontieren.
Shahak Shapira wollte mit seiner Aktion die Twitter-Mitarbeiter mit den schlimmsten Tweets konfrontieren.  © DPA

Berlin/Hamburg – Rechtsradikal, frauenfeindlich, menschenverachtend. 30 Sprüche mit derartigem Inhalt wurden im der Nacht zum Freitag vor die deutsche Twitter-Zentrale in Hamburg gesprüht. Die Mitarbeiter reagierten irritiert auf die Inhalte für der Tür ihres Arbeitgebers.

Da standen Botschaften, die zum Töten von oder zur Gewalt gegen Ausländer, Andersgläubige oder Homosexuelle aufriefen. Daneben die Botschaft: "Hey Twitter, lösch diesen Scheiß endlich." und "Bussi SS".

Am Montag outete sich der Urheber dieser Schmierereien: Hinter SS verbirgt sich der Berliner Komiker Shahak Shapira (29). In einem fünfminütigen Video erklärt er seine Gründe für die provokante Aktion.

Demnach wollte er damit ein Zeichen gegen die Umgang von Twitter mit Hass-Tweets setzen. Er habe in den vergangenen Monaten mehr als 300 derartiger Äußerungen bei Twitter angezeigt.

Derartige Aussagen fand Shapira bei Twitter und sprühte sie am Freitag vor die Unternehmenszentrale in Hamburg.
Derartige Aussagen fand Shapira bei Twitter und sprühte sie am Freitag vor die Unternehmenszentrale in Hamburg.  © DPA

"Die Aussagen, die ich gemeldet habe, waren keine Beleidigungen oder satirische Aussagen, sondern absolut ernstgemeinte Gewaltandrohungen, Homophonie, Ausländerfeindlichkeit oder Holocaustleugnung. Also Dinge, die niemand sagen sollte und niemand lesen sollte", erklärt Shapira.

Doch passiert ist (fast) nichts. Er habe in sechs Monaten gerade mal neun Antworten von Twitter bekommen. In allen stand, dass die Inhalte nicht gegen die Unternehmensrichtlinien verstoßen würden. Einige andere Tweets verschwanden zwar, doch Twitter erklärte sich dazu nicht gegenüber dem Melder, obwohl dies zugesichert werde.

Aus all den von ihm gemeldeten und nicht gelöschten Hass-Tweets, wählte der 29-jährige Komiker nun 30 aus und fertigte daraus Schablonen. Mit ihnen fuhr er nach Hamburg vor die Twitter-Zentrale Deutschlands und sprühte die Botschaften auf die Straße und den Gehweg.

"Wenn Twitter mich zwingt, diesen Hass zu sehen, müssen sie es auch zu sehen bekommen", erklärte er in der Videobotschaft.

Die Mitarbeiter sollten bei ihrem morgendlichen Arbeitsweg mit den Hasskommentaren konfrontiert werden, die sie bislang ignorierten.

Auf Anfrage der Hamburger Morgenpost teilte Twitter mit, dass derzeit etwa zehnmal so viele Benutzerkonten wegen Hasskommentaren gesperrt werden, als noch vor einem Jahr.

Bis zum Montagmittag bestand die einzige Reaktion Twitters auf die Aktion von Shapira darin, die Hass-Tweets auf dem Gehweg, direkt vor der Eingangstür zu entfernen. Alle übrigen blieben stehen...

Titelfoto: DPA


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