Jetzt sprechen die Retter: "Im Bus habe ich verbrannte Leichen gesehen!"

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Münchberg Martin Schödel (51) neben 
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (68, CSU) am Unglücksort.
Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Münchberg Martin Schödel (51) neben Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (68, CSU) am Unglücksort.  © Freiwillige Feuerwehr Münchberg

Münchberg - Um 7.14 Uhr schlug der mobile Funkmelder Alarm! „Reisebus in Brand“ lautete die Durchsage. Da saß der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Münchberg (72 Kameraden, 150 Einsätze im Jahr) Martin Schödel (51) aber noch am Schreibtisch. Denn regulär arbeitet er als Disponent.

Der ehrenamtliche Lebensretter setzte sich sofort in seinen Wagen: „Nichts aufregendes, dachte ich da noch“. Bis der Feuerwehrmann schon von weitem die riesige Rauchsäule sah.

Als er ankam, waren nur Ersthelfer vor Ort, sie hatten Verbandskästen aus Autos. Die Opfer lagen, standen, saßen am Seitenstreifen, rund 50 Meter vom Bus entfernt. Der brannte lichterloh.

„Mir war schnell klar, dass da keine Rettung mehr möglich war. Trotz Schutzkleidung kam ich nur bis auf etwa 20 Meter an den Bus heran. Es war so heiß. Es ging einfach nicht näher. Im Bus habe ich verbrannte Leichen gesehen“, sagt Schödel. „Als Einsatzleiter habe ich dann die ankommenden Löschzüge eingewiesen. Ich habe einfach funktioniert, gelernte Schemas abgerufen.“

Sein Neffe Thorsten Ullrich (44) versorgte da als Rettungsassistent des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) gerade Opfer. „Nachdem ich ankam, versorgte ich als erstes eine Frau. Sie war schwer verletzt und voller Ruß. Hatte Brandwunden mit Blasen an Armen, Rücken und Nacken. Ihr Mann war bei ihr. Er hatte eine gebrochene Nase, keine Verbrennungen.“ Im Rettungswagen legte Ullrich der Frau Tropf und Sauerstoffmaske an, legte Verbände auf. Anschließend fuhr er weitere Opfer zu den Rettungs-Hubschraubern, die 200 Meter entfernt auf der Autobahn landeten, Opfer in Kliniken einflogen.

„Dass im Bus so viele Tote waren, wussten wir zunächst selbst nicht. Aber auch wenn wir noch eher da gewesen wären, es gab wegen des Feuers und der extremen Hitze keine Chance mehr auf Rettung.“

Über 200 Rettungskräfte waren im Einsatz. Die Ermittlungen konzentrieren sich 
nun auf die Unfallursache.
Über 200 Rettungskräfte waren im Einsatz. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Unfallursache.  © dpa/Nicolas Armer
 Lebensretter Ullrich arbeitet beim Bayerischen Roten Kreuz in der Rettungswache Münchberg.
Lebensretter Ullrich arbeitet beim Bayerischen Roten Kreuz in der Rettungswache Münchberg.  © NEWS5/Fricke
Rettungsassistent Thorsten Ullrich (44, links laufend) versorgte Opfer am Unglücksort.
Rettungsassistent Thorsten Ullrich (44, links laufend) versorgte Opfer am Unglücksort.  © Bayerisches Rotes Kreuz/Rettungswache Münchberg

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