"Butenland": Einst ein "erbärmliches Leben" für Tiere, heute ein Gnadenhof

Deutschland - Wichtiger Dokumentarfilm! "Butenland" von Regisseur Marc Pierschel ("The End of Meat") startet am 6. Februar in den deutschen Kinos und behandelt eines der großen Themen unserer Zeit: Tierschutz.

So sah es in den 1980er Jahren im Kuhstall des Hofes aus: Die Kühe wurden im wahrsten Sinne des Wortes eingepfercht.
So sah es in den 1980er Jahren im Kuhstall des Hofes aus: Die Kühe wurden im wahrsten Sinne des Wortes eingepfercht.  © PR/Copyright mindjazz pictures

Der war in den 1980er Jahren auf dem Hof der Familie Gerdes in Butjadingen nicht gegeben. Damals wurden Kühe als Produktionsmittel und Maschinen angesehen, die möglichst viel Milch geben sollen.

Es war "ein erbärmliches Leben für die Tiere", wie Jan Gerdes rückblickend sagt. Denn den Kühen wurden die Kälber gleich nach der Geburt weggenommen, damit die Milchleistung weiter hoch bleibt.

Sie riefen nachts verzweifelt nach ihren Kindern, konnten sich im engen Stall mit winzigen Fenstern aber nicht bewegen, weil sie an Ketten und nahezu bewegungsunfähig angebunden waren, mussten also im wahrsten Sinne des Wortes hilflos in ihrem eigenen Kot stehen und sogar liegen.

Das lag auch daran, dass es die Generation, der die Eltern von Jan Gerdes angehörten, nicht besser wusste. Sie hatten einen normalen Bauernhof mit 50 Hektar Land, 30 Milchkühen, einigen Schweinen und Pferden.

Jan wuchs behütet auf, wusste aber nach seinem Abitur noch nicht so recht, wohin sein Lebensweg führen sollte und studierte eher lustlos auf Lehramt. Als seine Eltern immer älter wurden, unterstützte er sie, machte dann eine Ausbildung zum Landwirt, übernahm den Hof und krempelte ihn von Grund auf um.

"Butenland": Ein schöneres Leben für die Tiere

Karin Mück krault einer Kuh den Hals, was diese liebt und ähnlich wie eine Katze "schnurrt".
Karin Mück krault einer Kuh den Hals, was diese liebt und ähnlich wie eine Katze "schnurrt".  © PR/Copyright mindjazz pictures

Er lernte während seiner Studienzeit Initiativen und Bio-Bauern kennen und sah darin seine eigene Zukunft. So baute er in den Stall größere Fenster ein, was mehr Licht und eine bessere Luftqualität zur Folge hatte, gewährte seinen Tieren darüber hinaus auch im Winter mehr Freigang und streute den Boden mit Stroh ein.

Kleine Maßnahmen, große Wirkung! Doch der Druck stieg, er wollte und musste immer stärker wachsen, bis er 2002 nicht mehr konnte, sich Hilfe suchte und die Tiere unter Tränen an einen Schlachter verkaufte.

Aber nicht alle. Er und seine Partnerin Karin Mück entschieden sich, die letzten zwölf Kühe zu behalten und versprachen ihnen, dass sie ihren Lebensabend bei ihnen verbringen dürfen.

Das war der Beginn des Gnadenhofs Butenland, auf dem gerade ältere Tiere heutzutage vor ihrem Tod nochmal eine schöne Zeit genießen können.

All diese spannenden Aspekte zeigt der hochinteressante Dokumentarfilm auf beeindruckende Weise, was auch damit zusammenhängt, dass Regisseur Pierschel ganz offensichtlich das Vertrauen seiner Interviewpartner gewinnen- und sie deshalb zu offenen Aussagen bewegen konnte.

Karin Mück war vor vielen Jahren eine radikale Tierschützerin, die im Gefängnis landete

Karin Mück gehörte zu einer Gruppe radikaler Tierschützer, die in Versuchslabore einbrach und die gequälten Lebewesen aus ihrer misslichen Lage befreite.
Karin Mück gehörte zu einer Gruppe radikaler Tierschützer, die in Versuchslabore einbrach und die gequälten Lebewesen aus ihrer misslichen Lage befreite.  © PR/Copyright mindjazz pictures

Gerdes reflektiert seine eigenen Entscheidungen dabei ganz nüchtern, man könnte sagen: typisch norddeutsch! Doch Mück ist eine mindestens genauso faszinierende Persönlichkeit.

Sie wuchs immer mit Respekt vor Tieren auf, rettete gerade Katzen aus dem Tierheim, fing an, sich zu radikalisieren und Lebewesen aus Tierversuchslaboren zu befreien.

Als sie dann das noch im Bau befindliche Forschungszentrum in Borstel am 30. Juni 1985 in Brand stecken wollten, wurden sie kurz vor der Zündung mit ihren Mitstreitern von einem Sondereinsatzkommando festgenommen und wegen der Gründung einer terroristischen Vereinigung eingebuchtet, was erst einmal fünf Wochen Isolationshaft in der JVA Lübeck zur Folge hatte.

Aufgrund von edlen Motiven und einer breiten öffentlichen Welle der Solidarisierung wurde die Anklage in Bildung einer kriminellen Vereinigung herabgestuft, weshalb die Richter am Ende ein mildes Urteil fällten und ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung aussprachen.

Sie und die anderen Beteiligten haben daraus gelernt und führen mittlerweile ein normales Leben. Mücks Gutherzigkeit und Tierliebe schimmert den ganzen Film über durch. Etwa, wenn sie eine Kuh am Hals krault, was diese genießt. Bewegend sind auch Szenen, in denen sie ihren Tieren im Sterben nicht von der Seite weicht, beruhigend auf diese einspricht und anschließend um sie trauert.

"Butenland" ist ein wichtiger Dokumentarfilm, der den eigenen Horizont erweitert

Karin Mück weicht Stier Paul in seinen letzten Minuten nicht von der Seite. Ein Trümmerbruch konnte nicht geheilt werden, weshalb er erlöst werden musste.
Karin Mück weicht Stier Paul in seinen letzten Minuten nicht von der Seite. Ein Trümmerbruch konnte nicht geheilt werden, weshalb er erlöst werden musste.  © PR/Copyright mindjazz pictures

Da gerade gezüchtete Kühe keine lange Lebenserwartung haben, müssen sich Gerdes und Mück regelmäßig von geliebten Lebewesen verabschieden.

Das ist der Aspekt, der beiden am schwersten fällt. Doch der Antrieb, etwas Gutes zu tun, ist bei ihnen stärker, weshalb sie immer weitermachen. Auch ist es hart für sie, Tiere abzulehnen, weil sie "nur" Platz für 45 Kühe haben.

All das und noch viele wissenswerte Details mehr baut Pierschel in seinem eindrucksvollen Porträt einiger Menschen ein, die früh lernten, selbstständig zu denken und eigene Schlüsse für ihr Leben zu ziehen. Wohl auch deshalb hat man Respekt vor der großen Lebensleistung von Gerdes und Mück, die das Leben vieler Tiere verbesserten.

Ihr Hof und Denkansatz steht in krassem Kontrast zur Massentierhaltung, die auch heutzutage noch immer (wie der Name schon vermuten lässt) dominiert.

Deshalb ist es schön zu hören, dass sie und ihre Stiftung viel Unterstützung erfahren und sich der Hof hauptsächlich über Spenden und Patenschaften finanzieren kann. Denn im Jahr haben sie rund 150.000 Euro an Kosten. Nach dieser Doku dürften die finanziellen Zuwendungen in die Höhe schnellen. Denn Gerdes und Mück kommen sympathisch daher, dazu wurde "Butenland" bei den 53. Hofer Filmtagen als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet - verdientermaßen!

Auf dem Hof Butenland genießen Tiere einen schönen Lebensabend.
Auf dem Hof Butenland genießen Tiere einen schönen Lebensabend.  © PR/Copyright mindjazz pictures

Titelfoto: PR/Copyright mindjazz pictures

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