BVB mit irrem Comeback gegen Inter: Spielt Dortmund wie ein Meister?

Dortmund - An diesem Fußball-Abend im Dortmunder Signal Iduna Park gab es fünf Tore, zwei BVB-Gesichter und einen großen Matchwinner. Nach dem schwachen Auftritt vor zwei Wochen bei Inter Mailand gab es eine Reaktion der Borussen - und die hatte es in sich.

Quo vadis BVB? Wegweisende Wochen für Lucien Favre und seine Borussia.
Quo vadis BVB? Wegweisende Wochen für Lucien Favre und seine Borussia.  © David Inderlied/dpa

Der BVB ist back! Schwarz-Gelb zeigt dieser Tage, warum mit ihnen in dieser Saison absolut zu rechnen ist. Nicht unbedingt, weil man aktuell den spektakulärsten oder konstantesten Fußball spielt, sondern weil man sich aktuell einem Leitmotiv zu eigen macht, das man sonst nur aus dem Süden der Republik kennt: "Weiter, immer Weiter"!

So auch am Dienstagabend. Die Favre-Elf hatte in der Champions League ein Spiel vor der Brust, in dem man zwar noch nicht gänzlich mit dem Rücken zur Wand stand, welches aber zumindest deutlich richtungsweisend war für die laufende internationale Saison des BVB. Und damit verbunden auch eine Art Wegweiser für den Burgfrieden in der Festung Signal Iduna Park.

Seit Wochen plagt man sich in Dortmund mit Nebengeräuschen herum. Mentalitätsfrage, Ergebnis- oder zumindest spielerische Krise, ein Trainer, der nicht frei von Kritik ist und der Diskussion um eine "echte Neun", die bei einem verletzungsbedingten Fehlen von Paco Alcacer im Dortmunder System schmerzlich vermisst wird.

So hatte man den FC Barcelona Mitte September mehr als am Rande einer Niederlage, war mit dem torlosen Remis fast schon unzufrieden. Darauf folgten jedoch drei 2:2-Unentschieden in der Liga gegen Frankfurt, Bremen und Freiburg. Zwischendrin mit einem glanzlosen 2:0 Erfolg bei Slavia Prag. Der BVB performte nicht gut und schenkte vor allem in der Liga reihenweise "Dreier" her.

Der Gipfel dann das Hinspiel im Giuseppe-Meazza-Stadion. 2:0 für Inter, verdient gegen ein blutleeres Dortmund.

Inter Mailand kauft dem BVB im ersten Durchgang den Schneid ab

Inter-Büffel Romelu Lukaku zeigte seine ganze Klasse im ersten Durchgang. Der BVB hatte in der Hintermannschaft mächtig zu tun mit dem Belgier.
Inter-Büffel Romelu Lukaku zeigte seine ganze Klasse im ersten Durchgang. Der BVB hatte in der Hintermannschaft mächtig zu tun mit dem Belgier.  © Bernd Thissen/dpa

Doch was den BVB jedoch dieser Tage auszeichnet: Wenn es Spitz auf Knopf steht und drauf ankommt, ist man da. Nicht immer schön, bei weitem nicht immer souverän und hier und da auch mal glücklich. Aber: Man ist da.

Im DFB-Pokal gegen die derzeitigen Bundesliga-Überflieger Mönchengladach mit einem 1:0-Sieg weitergekommen. Zwei Wochen später im Liga-Topspiel gegen den ebengleichen Gegner wieder gewonnen (2:1). Es mag Stimmen geben, die meinen, dieser Sieg sei glücklich gewesen. Doch wen interessiert das in der Endabrechnung? Mit dem Sieg war man zurück im Rennen um die Tabellenspitze.

Und am Dienstag? Vor dem Spiel punktgleich mit der Nerazzurri, den ersten, direkten Vergleich verloren. Ein Punkt wäre fast schon zu wenig gewesen. Doch wenn man die ersten 45 Minuten so gesehen hat, dann war man gelinde gesagt ernüchtert von der Darbietung der Favre-Elf.

Deutlich überrascht zeigte man sich beim BVB von den hoch pressenden Gästen, robust im Sturmzentrum um die Naturgewalt Romelu Lukaku (26) und dessen jungen und technisch versierten sowie spritzigen Nebenmann Lautaro Martinez (22) wurde man früh unter Druck gesetzt.

Viele einfache Ballverluste, gerade auch im Zentrum und im Spielaufbau ließen dem BVB kaum Luft zum Atmen. Das Publikum wirkte genauso unruhig, wie Mats Hummels' Innenverteidiger-Kollege Manuel Akanji unsicher.

Schwache erste Halbzeit mit eindrucksvoller zweiten egalisiert

Dortmunds Matchwinner Achraf Hakimi und der Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich Julian Brandt.
Dortmunds Matchwinner Achraf Hakimi und der Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich Julian Brandt.  © Bernd Thissen/dpa

Und die Dortmunder Offensiv-Reihe fand im ersten Durchgang so gut wie nicht statt. Gegen den Inter-Block um die kompromisslosen Skriniar, de Vrij und Godin war im ersten Durchgang kein Kraut gewachsen. Der Kroate Brozovic graste oftmals sogar schon vor seinen Innenverteidigern alles ab.

Die 2:0-Pausenführung für Inter durch die Tore von Martinez (5.) und Vecino (40.) war die Konsequenz. Verdient, auch wenn es die ein oder andere Möglichkeit gab für den Bundesliga-Zweiten. Doch der vielzitierte "Chancenwucher" hat es sich einmal mehr gemütlich gemacht im Signal Iduna Park.

So sehr man Lucien Favre auch ein menschliches Defizit attestieren kann, so sehr ist er ein Mann, der aufgrund seines hohen taktischen Verständnisses sein Team zur Pause neu einstellen kann - und das tat er. Zwar unverändert schickte er sein Team raus, doch das Auftreten der Borussen war in der Folge ein ganz anderes. Fast schon wie entfesselt kam man aus den Katakomben.

Und so erzielte Achraf Hakimi in der 49. Minute den Anschlusstreffer. Der BVB wurde immer stärker, drängte Inter in die Defensive. Die Einwechslung Alcacers in der 64. Minute (für Mario Götze) machte sich wenige Augenblicke später bezahlt - er spitzelte einen Einwurf zu Brandt, dieser glich für den BVB aus (64.).

BVB dreht die Partie fulminant, Mats Hummels richtet Blick auf das Spiel gegen den FC Bayern München

Bayerns Interimstrainer Hansi Flick erwartet den BVB am kommenden Samstag in der Allianz Arena.
Bayerns Interimstrainer Hansi Flick erwartet den BVB am kommenden Samstag in der Allianz Arena.  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images/Bayern

Dortmund nun wie im Rausch, ein aktuell in bestechender Form agierender Achraf Hakimi machte das BVB-Comeback schließlich mit dem 3:2-Siegtreffer perfekt (77.). Julian Brandt brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Die Reaktion nach der ersten Halbzeit war Wahnsinn".

Der Leiter Lizenzspieler beim BVB, Sebastian Kehl, hob den Matchwinner Hakimi nochmal gesondert hervor: "Er ist in einer überragenden Verfassung. Man kann ihn eigentlich hinstellen, wo man will, er bringt uns diese Gier, diese Verrücktheit, die läuferische Intensität. Das tut unserem Spiel gut", so der 39-Jährige.

Neben den dennoch vielen Baustellen im Spiel der Borussia zeigte der BVB jedoch, dass in der Mannschaft viel Qualität und vor allem auch Moral steckt. Mit Drucksituationen und wegweisenden Spielen geht man scheinbar deutlich reifer um als in der Vergangenheit. Das könnte in dieser Saison ein Schlüssel zum Erfolg sein.

Die direkten Duelle gegen die sogenannten "Großen" gehen scheinbar in der Mehrzahl an Schwarz-Gelb. Ein Stoff, aus dem in der Regel Titel gebastelt werden können.

Mit dem FC Bayern wartet am kommenden Samstag der nächste Brocken auf den BVB. Im ersten Spiel unter Interimstrainer Hansi Flick möchte man auch beim Rekordmeister langsam aber sicher in die Spur finden.

Für den gestrigen BVB-Kapitän Mats Hummels ist indes klar, dass der Trainerwechsel "die Analyse etwas schwieriger" macht. Man darf gespannt sein, wie der Gipfel am Samstag ausgeht.

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