So hat Berlin den BVG-Streik überstanden

Berlin - Vier Tage Vorbereitungszeit und frühlingshaftes Wetter haben das Unglaubliche geschafft : Der Warnstreik bei der BVG ging ohne größeres Chaos über die Bühne. Es tut gut das zu hören, denn weitere könnten folgen.

Humor bei den Streikenden vor der BVG-Zentrale.
Humor bei den Streikenden vor der BVG-Zentrale.  © Morris Pudwell

Leere Ubahnhöfen und Busspuren, ungenutzte Tram-Gleise: auf den ersten Blick glich der Streik einer Zombie-Apokalypse.

Hunderttausende Fahrgäste mussten auf die S-Bahn, Autos oder Fahrräder umsteigen – oder sie gingen einfach zu Fuß. Staus und volle Züge sind da natürlich unvermeidlich, immerhin bewegt die BVG jeden Tag etwa 2,9 Millionen Fahrgäste.

Probleme hatten Reisende besonders am Flughafen Tegel, der ist nämlich nur via Bus erreichbar. Ergatterten Reisende kein Taxi, war die nächste Anlaufstelle die Ringbahnstation Jungefernheide. Solide 40 Minuten Fußmarsch entfernt.

Dennoch blieb ein größeres Chaos aus. Der Berliner weiß sich zu helfen. Von Fahrgemeinschaftsaufrufen in den sozialen Medien, über vergünstigte Miet-Räder: die Stadt blieb in Bewegung und viele konnten die ausgedehnten Zwangsspaziergänge am ersten warmen Tag des Jahres sogar genießen.

Zusätzlich wurden die Berliner aber auch noch von anderer Seite unterstützt: Die S-Bahn hatte 12 Züge mehr als üblich im Einsatz. Vor allem auf dem östlichen Ring und der Stadtbahn-Strecke wurde es dann aber doch eng, hier drängten sich im Berufsverkehr die Fahrgäste dicht aneinander.

Mehr Lohn, weniger Arbeitszeit und Solidarität für die Angestellten von BVG-Subunternehmen, das fordern die Streikenden.
Mehr Lohn, weniger Arbeitszeit und Solidarität für die Angestellten von BVG-Subunternehmen, das fordern die Streikenden.  © Morris Pudwell

Doch am Himmel zeichnet sich ein weiteres Gewitter ab: Verdi droht bereits mit dem nächsten Streik!

Am 5. März sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden und da müsse dann aber ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber kommen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt gestern bei einer Kundgebung vor tausenden Beschäftigten vor der BVG-Zentrale. «Sonst müssen wir die nächsten Schritte machen.» Tarifkommissionsmitglied und BVG-Aufsichtsratsvize Lothar Stephan ergänzte: «Dann wiederholen wir diese Maßnahme.» Die Gegenseite und Kritiker des Streiks nannte er «Dilettanten».

«Wird sind die BVG», hatten die Streikenden auf ihre Transparente geschrieben und: «Berlin, hör zu! Wir sind es wert.»

Die BVG ist das größte kommunale Verkehrsunternehmen Deutschlands. Über 2,9 Millionen Kundenfahrten täglich zeigen, dass die die Linien der Berliner Verkehrsgesellschaft das Nervensystem Berlins sind. Zum Vergleich: Die S-Bahn zählt täglich 1,4 Millionen Fahrgäste, also weniger als die Hälfte. Sie ist von dem Tarifkonflikt nicht betroffen.

Es war der erste größere Warnstreik bei dem Landesunternehmen seit sieben Jahren. Vorab hatte es Kritik gegeben, dass er schon nach der zweiten Verhandlungsrunde kam und so lange dauerte. «Wir streiken nicht gegen die Fahrgäste, sondern für die Fahrgäste», betonte Verdi-Landeschefin Susanne Stumpenhusen. Nur mit höheren Löhnen könne die BVG gutes Personal finden, um das Angebot in der wachsenden Stadt zu erhalten.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta lehnte allerdings eine Arbeitszeitverkürzung ab. Dann würden 500 zusätzliche Fahrer gebraucht, sagte sie der RBB-«Abendshow» am Donnerstag. «Das wäre jetzt für den Moment nicht die richtige Lösung, wenn wir ohnehin in diesem Jahr schon 1100 einstellen wollen.»

BVG-Chefin Sigrid Nikutta sieht keine Chance die Forderungen zu erfüllen. Dieses Bild zeigt sie bei einer Tunneltaufe Mitte 2018.
BVG-Chefin Sigrid Nikutta sieht keine Chance die Forderungen zu erfüllen. Dieses Bild zeigt sie bei einer Tunneltaufe Mitte 2018.  © Annette Riedl/dpa

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