Zoff! Schriftsteller will Kostüme von Leipziger Buchmesse verbannen

SWR-Redakteur Carsten Otte will auf der Buchmesse nur Diskussionen über Literatur und Politik sehen, wie hier auf dem "Blauen Sofa".
SWR-Redakteur Carsten Otte will auf der Buchmesse nur Diskussionen über Literatur und Politik sehen, wie hier auf dem "Blauen Sofa".  © David Hagenbäumer

Leipzig - Nur noch Literaturkritik statt Comic-Fans? Der SWR-Redakteur Carsten Otte kritisiert das Nebeneinander von Literatur und Kostümen auf der Leipziger Buchmesse und fordert ein Ende des bunten Treibens.

Carsten Otte sieht die Ernsthaftigkeit der literarischen und politischen Diskussionen auf der Buchmesse durch die kostümierten Manga- und Comic-Fans gefährdet. Die parallel stattfindende Manga-Convention nennt er Klamauk und kulturindustriellen Hokuspokus.

Für ihn zeichnet sich die Leipziger Buchmesse stattdessen durch andere Dinge aus: emphatische Appelle für die Meinungsfreiheit, berührende Wortmeldungen von Schriftstellern, die unter Zensur und den Zumutungen diktatorischer Regimes zu leiden haben, aber auch der Kampf der Buchbranche gegen Marktkonzentration und leichtfertige Reformen im Urheberrecht.

"Wenn sich Kinder in farbenfrohe Kostüme werfen, kann man sich freuen, wenn Teenies vor den Fotoapparaten zumeist mittelalter Herren viel Bein und viel Brust zeigen, mag man sich wundern, aber wenn minderjährige Cosplayer Gefallen an pornographischen Posen finden, sollten Erwachsene nicht nur verschämt zur Seite schauen, sondern einschreiten", findet der Literatur-Redakteur.

Es gebe kaum noch Berührungspunkte zwischen Buchmesse und Messefasching, außer, dass die verkleideten Massen die Zugänge zu den Hallen verstopften, um sich dann aber trotzdem nicht für die Literatur zu interessieren.

Kostümierte Buchmesse-Besucher, wie hier die drei Star-Wars-Fans, sind Carsten Otte ein Graus.
Kostümierte Buchmesse-Besucher, wie hier die drei Star-Wars-Fans, sind Carsten Otte ein Graus.  © David Hagenbäumer

Diese Ignoranz habe die Buchmesse nicht nötig, so Otte. "Die nackten Hasen und grimmigen Ritter finden bestimmt einen anderen Termin, um sich in Leipzig zu vereinigen."

Ob Carsten Ottes flammender Appell für einen Rauswurf der Manga- und Comic-Fans Gehör findet, ist fraglich. Die Leipziger Buchmesse selbst reagierte mit einem Statement auf Facebook eher gelassen auf die Forderung. Die Themen Manga, Comic, Anime, Games und Cosplay seien über Jahre hinweg gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse gewachsen, so die Veranstalter.

"Die Manga-Comic-Con (MCC) als eigene Veranstaltung im Verbund mit der Leipziger Buchmesse zu etablieren, war eine bewusste Entscheidung, um dem lesefreudigen Publikum dieses florierenden Segments mehr Raum zu geben", erklärt die Leipziger Buchmesse weiter.

Gleichzeitig erlebe man das stetig zunehmende Interesse der vielbesagten "klassischen" Buchmesse- und MCC-Besucher an der jeweils anderen Veranstaltung. "Wir sind stolz auf unser heterogenes Publikum mit vielseitigem, literarischem, kulturellem und politischem Interesse auf beiden Veranstaltungen", betonen die Buchmesse-Veranstalter.

Auf Anfrage von TAG24 erklärte eine Sprecherin der Messe, dass Rauswurf-Forderungen wie die des Literatur-Redakteurs Carsten Otte eher selten und daher Einzelmeinungen seien. Daher dürften die "nackten Hasen und grimmigen Ritter" auch im nächsten Jahr wieder auf der Leipziger Buchmesse zu sehen sein.


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