Wohnen auf der Müllkippe? Das steckt hinter dem Plan der CDU

Hamburg - Wohnen auf der Müllhalde? Was eklig klingt, könnte in Hamburg wahr werden. Die CDU-Fraktion will bei der Suche nach Flächen für den Wohnungsbau verstärkt Altdeponien und Spülfelder prüfen.

Vor vielen Jahren gab es noch zahlreiche Müllkippen in Hamburg, die inzwischen stillgelegt wurden (Symbolbild).
Vor vielen Jahren gab es noch zahlreiche Müllkippen in Hamburg, die inzwischen stillgelegt wurden (Symbolbild).  © dpa/Boris Rössler

"In Hamburg gibt es 164 Altdeponien und 140 Spülfelder - das birgt viele Entwicklungspotenziale für unsere Stadt", erklärte der umweltpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Stephan Gamm.

Der Senat sollte schnellstmöglich untersuchen, bei welchen Flächen sich eine Sanierung wirtschaftlich lohne.

Allerdings gibt es bereits Sanierungspläne für mehrere ehemalige Deponieflächen und Spülfelder. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten listet der Senat 13 Flächen auf, die saniert werden sollen.

Darunter sind Grundstücke in Billwerder, Bergedorf und der Hafencity. "Durch das Wachstum der Stadt und den Bauboom nehmen wir vermehrt Flächen in den Blick, die komplett oder teilweise von Altlasten befreit werden müssen", erklärte der Sprecher der Umweltbehörde, Jan Dube. Das sogenannte Flächenrecycling sei allerdings oft eine umfangreiche und kostspielige Maßnahme.

Als Beispiel nannte Dube das Projekt Neusurenland im Stadtteil Farmsen. Dort wurden in einer ehemaligen Tongrube einer Ziegelei bis 1966 rund 350.000 Kubikmeter Haus- und Industriemüll abgelagert.

Seit dem Frühjahr wird erkundet, ob sich das Gebiet für den Wohnungsbau herrichten lässt.

Wie eine ehemalige Deponie genutzt werden kann, demonstriert seit ein paar Jahren der Energieberg Georgswerder.
Wie eine ehemalige Deponie genutzt werden kann, demonstriert seit ein paar Jahren der Energieberg Georgswerder.  © dpa/Marcus Brandt

Die Nutzung von Deponieflächen und Spülfeldern für den Wohnungsbau setzt nach Ansicht des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) voraus, dass die Grundstücke frei von Giftstoffen sind.

"Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass dazu oftmals der Austausch des gesamten Bodens notwendig ist", sagte VNW-Direktor Andreas Breitner. Mit diesen Kosten dürften die Unternehmen nicht belastet werden, die auf diesen Flächen Wohnungen für Haushalte mit mittleren und niedrigeren Einkommen errichten sollen. Eine Niedrigmietgarantie vertrage keine hohen Erschließungskosten.

Drei belastete Flächen wurden in den vergangenen zehn Jahren in Hamburg vollständig saniert, teilweise mit Millionenaufwand, und zwar in Georgswerder, Harburg und Moorburg. Allerdings sei nicht immer eine Komplettsanierung nötig, um ein Grundstück mit einer Altlast wieder nutzbar zu machen, sagte Dube.

Je nach Nutzungsart und Gefährdungseinschätzung genüge manchmal auch eine teilweise Dekontamination oder eine Sicherung der Altlast. Letzteres geschah in Georgswerder, wo eine ehemalige Haus- und Industriemülldeponie zu einem begrünten "Energieberg" umgestaltet wurde. Auf dem Hügel wurden Wind- und Solaranlagen installiert, Besucher können die Aussicht von einem Rundweg genießen.

Altlasten unterschiedlichster Art finden sich verteilt im gesamten Stadtgebiet. Ehemalige Spülfelder liegen vor allem an der Elbe und ihren Seitenarmen.

Auf diese Flächen wurden die Sedimente gespült, die beim Ausbaggern der Fahrrinnen anfallen. Sie können Schadstoffe wie Schwermetalle enthalten.

Die CDU fordert, ehemalige Deponien im Stadtgebiet auf mögliche Nutzung für Wohnungsbau zu untersuchen (Symbolbild).
Die CDU fordert, ehemalige Deponien im Stadtgebiet auf mögliche Nutzung für Wohnungsbau zu untersuchen (Symbolbild).  © dpa/Daniel Bockwoldt