Witzig oder peinlich? Böhmermann ätzt gegen diesen CDU-Mann

Köln / Dresden - Billiger Humor bei Jan Böhmermann: Der Kölner Satiriker und Moderator von "Neo Magazin Royale" postet ein Foto des Dresdner Politikwissenschaftlers und CDU-Mitglieds Professor Werner J. Patzelt. Natürlich verbunden mit einer frechen Spitze...

Satiriker Jan Böhmermann.
Satiriker Jan Böhmermann.  © DPA

Der Twitter-Post von Jan Böhmermann ist kurz, plump und schlicht: "Sachsens Zukunft hat ein Gesicht." Dazu hat Böhmermann ein veraltetes Foto des Dresdner Politikwissenschaftlers gestellt.

Die Aussage des Satirikers lässt sich in mindestens zwei Richtungen deuten. Die plumpe Variante wäre: Jan Böhmermann versucht sich über das Aussehen des Mannes lustig zu machen.

Zweite Variante: Der Dresdner Politikwissenschaftler wurde zuletzt vom sächsischen CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (MdL) als Co-Vorsitzender der Programmkommission der sächsischen Union vorgestellt.

Heißt also: Der Professor der TU Dresden erarbeitet das Wahl- und Regierungsprogramm der CDU im Freistaat Sachsen mit.

Somit gibt der Politologe im übertragenen Sinne sein Gesicht für die CDU her. In knapp drei Monaten endet Patzelts Wissenschaftskarriere offiziell (TAG24 berichtete). Da hat der Wissenschaftler also schnell eine neue Aufgabe bei der CDU gefunden.

Patzelt erarbeitete Gutachten für die AfD

Brisant sind allerdings Recherchen der "Zeit": Der Mann, der nach eigenen Angaben seit über 25 Jahren einfaches CDU-Mitglied ist, hat im Jahr 2015 für die AfD mindestens ein Gutachten erstellt.

Der Arbeitstitel lautete offenbar: "Der sächsische Koalitionsvertrag von 2014 im Licht des AfD-Wahlprogramms, Ansatzpunkte parlamentarischer Oppositionsarbeit". Die wissenschaftliche Arbeit Patzelts sollte also helfen, die CDU inhaltlich zu schlagen. Vier Jahre später heuert Patzelt jetzt also bei genau jener CDU an.

Patzelt wurde in der Vergangenheit häufig vorgeworfen, ein "Pegida-Versteher" zu sein, da er die rechte teils hetzerische und fremdenfeindliche Bewegung nie so verurteilte oder als "Rechte" einstufte.

Patzelt schrieb zuletzt selbst dazu: "Dass ich anschließend auch noch dafür eintrat, die AfD wie jede andere politische Partei zu behandeln, schien diesen Leuten ihre Einschätzung zu bestätigen."

Sachsens CDU-Generalsekretär: "Als Gutachter schon immer sehr gefragt"

Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks sagt auf Anfrage von TAG24 zu der Arbeit des Wissenschaftlers für die AfD im Jahr 2015: "Professor Patzelt war als Experte und Gutachter schon immer sehr gefragt. Er hat nie verheimlicht, auch bei anderen Parteien Vorträge gehalten und im Auftrag Gutachten erstellt zu haben. Ganz im Gegenteil: In seinem privaten Blog sind seine Tätigkeiten und Arbeiten der vergangenen Jahre für jedermann transparent einsehbar."

Der CDU-Mann spricht dem profilierten Wissenschaftler sein Vertrauen aus, holte er ihn doch selbst in die Programmkommission. Dierks weiter: "Werner Patzelt ist seit 25 Jahren CDU-Mitglied. Er hat sich klar dazu bekannt, die Sächsische Union bei der Erarbeitung des Regierungsprogramms ehrenamtlich zu unterstützen und in dieser Zeit weder Aufträge, noch Einladungen anderer Parteien anzunehmen."

Laut Dierks werde man auch weiterhin gut und vertrauensvoll mit Patzelt zusammenarbeiten. Patzelt bleibt also zumindest ein Gesicht der sächsischen CDU.

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