Kretschmer bleibt der Boss der CDU in Sachsen!

Markneukirchen - Die sächsische Union hat ihren Parteichef Michael Kretschmer im Amt bestätigt.

Michael Kretchmer sprach auf dem Parteitag viele wichtige Themen an.
Michael Kretchmer sprach auf dem Parteitag viele wichtige Themen an.  © dpa/Michael Reichel

Auf einem Parteitag in Markneukirchen (Vogtland) erhielt der 44 Jahre alte Ministerpräsident am Samstag bei seiner ersten Wiederwahl als Parteivorsitzender 95,5 Prozent der Stimmen.

Vor zwei Jahren war er mit 90 Prozent Nachfolger von Stanislaw Tillich geworden. Danach führte Kretschmer die Christdemokraten im Freistaat in einer schwierigen Phase zum Erfolg bei der Landtagswahl am 1. September dieses Jahres.

Auf dem Parteitag äußerte er sich zuversichtlich, dass die derzeitigen Koalitionsverhandlungen mit den Grünen und der SPD zum Erfolg führen.

Vor seiner Wiederwahl warnte Kretschmer in einer Rede vor Hass und Extremismus in Deutschland.

SEr mahnte ein entschiedenes Handeln gegen Hass und Extremismus an. Er sei extrem erschrocken über das Klima und die Reden, die inzwischen gehalten werden, sagte er am Samstag.

AfD-Funktionäre würden wie Neonazis sprechen, mit Demagogie und Bösartigkeit andere abschätzig beurteilen, die Geschichte verdrehen und in ihren Reden einen furchtbaren Geist verbreiten: "Denen müssen wir entgegentreten."

Kretschmer fordert Zivilcourage: "Dürfen keine Schlafwandler sein!"

"Die Bundesrepublik Deutschland ist deswegen wieder in der internationalen Weltgemeinschaft anerkannt worden, weil sie sich nach 1945 zu diesen dunklen, schwierigen, furchtbaren Zeiten und Seiten ihrer Geschichte bekannt hat", sagte Kretschmer.

Deutsche Politiker müssten immer verantwortlich damit umgehen und versuchen, alles dafür zu tun, "dass diese Welt eine gute ist und Deutschland dazu einen Beitrag leisten kann".

Kretschmer forderte zu Zivilcourage auf. Jeder müsse bei abschätzigen Bemerkungen über Ausländer, über die Demokratie oder über Politiker widersprechen - ob im Bekanntenkreis, auf Arbeit oder im Sportverein: "Wir Deutschen dürfen keine Schlafwandler sein, wenn es um unsere Freiheit, um unsere Demokratie geht."

Man habe sehen können, wie aus Gedanken Worte und aus Worten Taten werden. Es gebe eine Linie vom Nationalsozialistischen Untergrund über Oslo und Christchurch bis nach Halle.

Kretschmer mit Kritik am Bund: "Was nutzt Klimaschutz, wenn er zu Stellenabbau führt?"

Kretschmer machte klar, dass Sachsen womöglich nicht allem zustimmt, was derzeit als Klimaschutzpolitik auf dem Tisch des Bundes liegt.
Kretschmer machte klar, dass Sachsen womöglich nicht allem zustimmt, was derzeit als Klimaschutzpolitik auf dem Tisch des Bundes liegt.  © dpa/Michael Reichel

Kretschmer sprach ein weiteres wichtiges Thema am Samstag an. Er warnte erneut vor deutschen Alleingängen beim Klimaschutz.

"Auch in dieser Frage darf es nicht heißen 'am deutschen Wesen wird die Welt genesen' und der deutsche Tellerrand ist einfach nicht der Referenzraum", sagte er.

"Dieses Thema muss global angegangen werden. Wir brauchen eine internationale Lösung." Als kleinste Einheit eines Regelungsrahmens habe man dafür die EU. Der deutsche Alleingang sei am Ende ganz oft eine "Inländer- Diskriminierung", wiederholte er eine umstrittene Formulierung.

Er könne nicht versprechen, dass Sachsen allem zustimmt, was derzeit als Klimaschutzpolitik auf dem Tisch liegt, sagte Kretschmer.

"Wir wollen einen anständigen Klimaschutz, einen ambitionierten Klimaschutz, wir stehen zu dem Pariser Klimaschutzabkommen, das ist überhaupt keine Frage", betonte der 44 Jahre alte Politiker: "Aber das, was wir hier tun, muss so sein, dass dieses Land wettbewerbsfähig ist (...) Was nutzt uns ein Klimaschutz, wenn er hier in Deutschland dazu führt, dass Arbeitsplätze abgebaut werden?"

Kretschmer äußerte sich auch zur Koalition im Bund: "Mir ist auch klar, dass wir in dieser Koalition mit der SPD derzeit in Berlin nicht alle Dinge klären werden. Aber sie zu benennen und klar zu sagen, 'das wäre CDU-Politik, das würden wir machen' ist dringend notwendig im Vorfeld einer Bundestagswahl, die in einem ganz schwierigen Umfeld stattfindet."

Michael Kretschmer: Vom Hoffnungsträger der CDU zum Erfolgsgaranten

Michael Kretschmer (44, CDU) nach seiner Wiederwahl.
Michael Kretschmer (44, CDU) nach seiner Wiederwahl.  © dpa/Michael Reichel

Vom Hoffnungsträger zum Erfolgsgaranten: Michael Kretschmer hat die CDU in Sachsen in schwierigen Zeiten zum Sieg bei der Landtagswahl geführt.

Obwohl sie im Vergleich zur letzten Wahl 7,3 Prozentpunkte verlor, kann das Resultat als Erfolg verbucht werden. Denn zeitweise sah es so aus, als könnte die AfD der Union im Freistaat den Rang als stärkste Kraft ablaufen. Bei der Bundestagswahl 2017 und der Europawahl 2019 lag die AfD noch vorn.

Kretschmer (44) hatte das Amt des sächsischen Regierungschefs im Dezember 2017 übernommen, nachdem sein Vorgänger Stanislaw Tillich nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl im Freistaat die Konsequenzen zog. Zuvor hatte die CDU ihren bisherigen Generalsekretär mit 90 Prozent der Stimmen überraschend deutlich zum Parteivorsitzenden gemacht. Wenige Tage später wurde Kretschmer im Sächsischen Landtag zu einem der jüngsten Ministerpräsidenten in der Geschichte Deutschlands gewählt.

Dabei war die politische Karriere des gebürtigen Görlitzers schon ins Stocken geraten. Zur Bundestagswahl verlor er in seiner Heimatstadt das Direktmandat an einen bis dato namenlosen AfD-Mann. Bis dahin war er genauso erfolgsverwöhnt gewesen wie die Sachsen-CDU, die in den 1990-er Jahren dreimal die absolute Mehrheit bei Landtagswahlen errang und erst ab 2004 die Macht mit anderen teilen musste.

Politisch gesehen ist Kretschmer so etwas wie ein "Wendekind". "Für Politik begeisterten mich Freunde aus der Jungen Gemeinde, mit denen ich im Wendeherbst 1989 die Friedensgebete in Görlitz besuchte", beschrieb er einmal seine politischen Anfänge. Tatsächlich stieg er schon mit 19 Jahren in den Politikbetrieb ein - als Stadtrat in Görlitz. Der gelernte Informationselektroniker studierte später an der Dresdner Fachhochschule Wirtschaftsingenieurwesen. Als er 2005 Generalsekretär der CDU wurde, nahm die Karriere Fahrt auf.

Bereits drei Jahre zuvor hatte er erstmals ein Bundestagsmandat erhalten, das er bis 2017 verteidigte. Schon in dieser Zeit wurde er gelegentlich als Kronprinz in Sachsen gehandelt.

Dass der Wechsel so zeitig erfolgte, war eine Überraschung - auch für ihn selbst. Nun hat ihn die Partei mit 95,5 Prozent Zustimmung im Amt des Parteichefs bestätigt.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0