Flüchtling vor Gericht: Suchte er in Deutschland nach Attentätern für den IS?

Celle – Als Flüchtling kommt ein junger Mann aus Syrien nach Niedersachsen. Erst verläuft sein Leben unauffällig. Wegen islamistischer Posts im Internet fällt er dann jedoch dem Verfassungsschutz auf.

Bewaffnete Polizeibeamte sichern einen Eingang zum Oberlandesgericht.
Bewaffnete Polizeibeamte sichern einen Eingang zum Oberlandesgericht.  © dpa/Holger Hollemann

Wegen des Werbens für die Terrormiliz Islamischer Staat muss sich ein Flüchtling aus Syrien seit Montag vor dem Oberlandesgericht Celle verantworten.

Der Angeklagte, der zuletzt in Stelle im Kreis Harburg lebte, soll zwischen März und Juni 2018 Propagandamaterial des IS im Internet veröffentlicht haben.

Damit soll der 33-Jährige Mitglieder und Unterstützer für die Terrororganisation geworben und zu Anschlägen und Terrorakten aufgerufen haben.

Zu Prozessauftakt weigerte sich der Mann zunächst, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Der staatenlose Palästinenser, der in einem Flüchtlingslager bei Damaskus geboren wurde, kam als Flüchtling über Ägypten, das Mittelmeer und Italien nach Deutschland.

Irgendwann sei das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz auf seine Internetaktivitäten aufmerksam geworden, die an Radikalität und Intensität zugenommen hätten, sodass die Justiz sich eingeschaltet habe, erklärte ein Gerichtssprecher.

Enthauptungs-Video auf Handy gefunden

Ein Fahrzeug der Polizei steht vor dem Amtsgericht.
Ein Fahrzeug der Polizei steht vor dem Amtsgericht.  © dpa/Julian Stratenschulte

Während der Verlesung der Anklage lächelte der 33-Jährige mit gepflegtem Bart und kurzen Haaren mehrfach und blätterte in seinen Unterlagen.

Unter dem Nutzername "Abu Omar" soll er auf seinem Internetprofil unter anderem einen Terroranschlag mit drei Toten in Belgien begrüßt haben.

Auf dem Handy des Mannes fanden Ermittler Bilder extremer Gewalt, so etwa eine Enthauptung und eine verbrannte Leiche. Bildcollagen zeigten die Flaggen der USA und Russlands mit Aufrufen zu Terroranschlägen.

Für das Verfahren sind zunächst zwölf weitere Verhandlungstermine angesetzt. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Titelfoto: dpa/Holger Hollemann

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