Geld reicht nicht: Chemnitzer FC droht das Aus

Chemnitz - Verschwindet der Chemnitzer FC von der Landkarte? Insolvenzverwalter Klaus Siemon hat gegenüber dem Amtsgericht Chemnitz die Masseunzulänglichkeit für den im Insolvenzverfahren befindlichen eingetragenen Verein angezeigt. Damit droht ihm die Liquidation und Löschung aus dem Vereinsregister - mit Folgen auch für den als CFC GmbH antretenden Drittligisten.

CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon hat im Insolvenzverfahren die Massenunzulänglichkeit des Vereins erklärt.
CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon hat im Insolvenzverfahren die Massenunzulänglichkeit des Vereins erklärt.  © Picture Point

"Der vorhandene Massebestand reicht nicht aus, um sämtliche Kosten gem. §§ 207 InsO sowie weitergehende Masseverbindlichkeiten gem. §§ 208, 209 ff InsO zu decken. Der bestehende Massebestand ist durch bestehende Verpflichtungen bereits aufgezehrt", begründet Siemon sein Vorgehen.

Verantwortlich für diese Entwicklung sei "ein insolvenzrechtlich inkompetenter Notvorstand".

Zudem prangert der Insolvenzverwalter "eine in jeder Hinsicht rechtswidrige Entscheidung des Vereinsregisters beim Amtsgericht Chemnitz" an. Dies hatte den dreiköpfigen Notvorstand um CFC-Vorstandschef Andreas Georgi erst im Mai bestellt.

Am Montag dann hatte das Gremium seinerseits schwere Vorwürfe gegenüber Siemon im Zuge des Neonazi-Eklats im CFC-Stadion erhoben (TAG24 berichtete). Zudem bereitete man die längst überfällige Mitgliederversammlung für das Geschäftsjahr 2017/18 für den 19. August vor. Auf der MV sollte unter anderem auch darüber abgestimmt werden, die Mitgliedsbeiträge künftig zweckgebunden für den Nachwuchs und die Frauenabteilung zu verwenden.

Siemon wiederum wirft dem Notvorstand nun vor, er habe bisher keine geeigneten Schritte unternommen, um das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) kostendeckend zu finanzieren. "Aus der Fortführung werden weitere Verluste – gerechnet ab Juli 2019 –von mindestens 220.000 € entstehen", so der Insolvenzverwalter.

Geht nun der Verein unter, steht auch das NLZ extrem auf der Kippe. Nur einen sieht Siemon auf der sicheren Seite: "Der Insolvenzverwalter weist ausdrücklich daraufhin, dass von der Masseunzulänglichkeit beim CFC e.V. die CFC GmbH nicht betroffen ist. Die Chemnitzer FC Fußball GmbH ist vollständig funktions- und handlungsfähig."

Allerdings gilt diese Versicherung nur bedingt! Denn um in der 3. Liga spielen zu dürfen, braucht der CFC vier Nachwuchsteams, davon eine Großfeld (U15 bis U19) - und die sind aktuell noch alle beim e.V.

Finger am Abzug

Kommentar von Michael Thiele

Vor über einem Jahr hat der CFC die Insolvenz beantragt. Der Schritt war nach jahrelanger Misswirtschaft und einem Schuldenberg von über 2,5 Millionen Euro und weiteren Forderungen in Millionenhöhe unumgänglich.

Man begab sich in die Hände von Insolvenzverwalter Klaus Siemon, der ein tragfähiges Konzept vorlegte und versprach, den Verein bis Dezember 2018 zu sanieren und den Gläubigern eine Insolvenzquote von fünf Prozent in Aussicht stellte. 15 Monate später ist das alles Schall und Rauch!

Mit dem Antrag auf Massunzulänglichkeit steht der CFC vor der Liquidation und die Gläubiger mit leeren Händen da.

Diese Dramatik war zu Beginn nicht absehbar. Mit der Zeit aber schon. Siemons Donald-Trump-haftes Auftreten polarisierte. Er verprellte langjährige Sponsoren und eingefleischte Fans. Gleichzeitig machte die von Siemon durchgeführte Ausgliederung der Profiabteilung und die Einsetzung von Thomas Sobotzik als Sportvorstand die CFC GmbH fit für den Profifußball.

Der e.V. ist da nur ein lästiges Anhängsel. Siemon hat den geladenen Revolver auf den Tisch gelegt. Jetzt braucht es nur noch jemanden der den Finger an den Abzug legt und abdrückt.

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