Wurde der CFC von Teilen der Fanszene genötigt? Nächster Sponsor distanziert sich

Chemnitz - Nach dem Nazi-Eklat beim CFC-Heimspiel gegen die VSG Altglienicke erstattet der Chemnitzer FC Strafanzeige gegen Unbekannt wegen aller in Betracht kommenden Delikte!

Insolvenzverwalter Klaus Siemon will Aufklärung zu den Vorgängen am Samstag.
Insolvenzverwalter Klaus Siemon will Aufklärung zu den Vorgängen am Samstag.  © Picture Point

"Der Ablauf zum Heimspiel gegen VSG Altglienicke weicht soweit von unserem Sicherheitskonzept und den Vorfestlegungen und Absprachen zur Durchführung eines Spiels in der Regionalliga ab, dass es zu klären gilt, wie dies geschehen konnte", erklärte Klaus Siemon, Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC e.V.

"Nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter ´drohten massive Ausschreitungen´. Dieser Umstand begründet zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist. In der Sache ist damit ein schwerer Landfriedensbruch gemäß Paragraph 125 StGB angedroht worden, was für die Verantwortlichen des CFC nicht hinnehmbar ist", so Siemon weiter.

Dabei soll geklärt werden, wie es geschehen konnte, dass auf der Südtribüne die Verwendung der sonst üblichen Fahnen von bis zu 99 Fanclubs unterbunden wurde, diese Fahnen zum Teil offenbar abgehängt wurden und eine sonst nicht übliche Choreografie durchgeführt wurde, an der sich eine solche Vielzahl von Personen beteiligt hat.

Dem CFC lägen inzwischen Erkenntnisse darüber vor, dass einschlägig bekannte Personen aus der rechtsextremen Szene für diesen Tag aus anderen Städten nach Chemnitz und Sachsen gereist sind.

In der am Montagmorgen verschickten Pressemitteilung heißt es weiter: "Die CFC Fußball GmbH, ihre Gesellschafter und Sponsoren sowie der Insolvenzverwalter als Vertreter des Chemnitzer FC e.V. distanzieren sich in entschiedenster Form von den Ereignissen. Diese wenden sich gegen jede Form von Rechtsradikalismus und sind nicht bereit, vor diesen Ideologien zurück zu weichen und den Fußball in Chemnitz aufzugeben."

Der CFC reichte die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz am Montagmorgen ein und sagte den Ermittlungsbehörden die vollständige Unterstützung zu.

Update, 12.35 Uhr: CFC zieht personelle Konsequenzen

Der CFC zieht nach den Vorfällen am Sonnabend weitere personelle Konsequenzen! Einen Tag nach dem Rücktritt von Thomas Uhlig, Vorstandsmitglied und kaufmännischer Geschäftsführer, trennt sich der Verein mit sofortiger Wirkung von drei weiteren Personen.

"Die CFC-Fanbeauftragte und SPD-Stadträtin Peggy Schellenberger wird von ihren Aufgaben entbunden", teilten die Himmelblauen am Montagmittag mit. Darüber hinaus wurde Maximilian Glös, bisher Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung und bis Mitte Februar Pressesprecher des Regionalligisten, freigestellt. Gehen muss auch der langjährige Stadionsprecher Olaf Kadner. "Er wird fortan vom CFC nicht mehr eingesetzt", informierte die Vereinsführung.

Update, 12.25 Uhr: Weiterer Sponsor zieht sich zurück

Der Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC) distanziert sich vom CFC und zieht sich als Sponsor zurück. Der Sponsoringvertrag läuft nach Angaben des Unternehmens zum Juni 2019 aus, er wurde bereits Ende 2018 gekündigt. "Wir prüfen aber aktuell juristisch, unsere Leistungen mit sofortiger Wirkung einzustellen", so Jörg Engelmann, Geschäftsführer und Sprecher CAC. Die Ereignisse dieses Wochenendes bestärken die Entscheidung.

Bereits am Sonntag gab die Sparkasse bekannt, dass sie sich als Sponsor zurückzieht (TAG24 berichtete).

Vor Spielbeginn am Samstag gedachte die Südkurve den am Freitag verstorbenen, langjährigen Fan Thomas ("Tommy") Haller.
Vor Spielbeginn am Samstag gedachte die Südkurve den am Freitag verstorbenen, langjährigen Fan Thomas ("Tommy") Haller.  © Harry Härtel/Haertelpress

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