Rathaus soll CFC retten: Das sagen die Stadträte

Chemnitz - Das Schreiben von Rechtsanwalt Klaus Siemon (59) ist brisant: Der Insolvenzverwalter des Viertligisten Chemnitzer FC bettelt bei der Stadt um eine Soforthilfe von 750.000 Euro. Sollte die Mannschaft in die dritte Liga aufsteigen, sollen jährlich weitere 1,25 Millionen Euro aus dem Steuersäckel an den Verein fließen.

Lars Fassmann (VOSI/Piraten) will, dass der CFC soll erstmal seine Mitgliederbeiträge eintreibt.
Lars Fassmann (VOSI/Piraten) will, dass der CFC soll erstmal seine Mitgliederbeiträge eintreibt.  © Uwe Meinhold

Auf 19 Seiten rechtfertigte der Insolvenzverwalter seine Forderung in einem Schreiben an die 60 Stadträte im Rathaus.

Die Haupt-Argumente des Rechtsanwalts: Der Chemnitzer FC sei der größte Werbeträger der Stadt. Das Geld solle auch als Gegenleistung dafür kommen, dass der Verein im städtischen Stadion spiele.

Außerdem möchte sich der Verein zu einem "Bollwerk gegen Rechts" entwickeln. Dafür schlägt Siemon die Umbenennung des "Stadions Chemnitz" in "Arena für Weltoffenheit, Toleranz und Fairness" vor.

Das Schreiben von Siemon wurde bereits im letzten Finanz- und Verwaltungsausschuss heftig diskutiert. Zu einer gemeinsamen Fraktions-Erklärung konnten sich die Politiker noch nicht durchringen. Einzelne Vertreter äußerten sich trotzdem.

Stadtrat Lars Faßmann (41, VOSI/Piraten) schimpfte im MDR: "Der Insolvenzverwalter kann sich seine Forderung schenken. Der Verein soll lieber konsequent seine Gelder eintreiben." Faßmann meint damit die freiwilligen Mitgliedsbeiträge: Diese wurden erst von rund 500 der etwa 2700 CFC-Mitglieder bezahlt. "So lange dort nicht bis auf das letzte Mitglied bezahlt hat, braucht sich niemand bei der Stadt melden. Wenn der Verein nicht einmal das auf die Reihe bekommt, wie will man da ernsthaft wirtschaften?"

Auch Almut Patt (CDU) findet das Siemon-Schreiben daneben.
Auch Almut Patt (CDU) findet das Siemon-Schreiben daneben.  © Uwe Meinhold

Linken-Stadträtin Susanne Schaper (40) blieb am Montag zurückhaltend. "Wir reden erstmal intern in der Fraktion darüber. Ich halte die Forderungen allerdings für sehr bemerkenswert."

Für Stirnrunzeln sorgte das Siemon-Schreiben auch bei der CDU. Stadträtin Almut Patt (50) ist sauer:

"Es ist eine aberwitzige Idee, dem CFC auch noch Geld dafür zu zahlen, damit er in diesem Stadion spielt. Ich befürchte aber, dass die Verwaltungsspitze über das Stöckchen springen wird, welches Herr Siemon hinhält und wir demnächst über weitere Gelder für den CFC im Stadtrat abstimmen sollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dort dann zuzustimmen. Das Schreiben kann keine Argumentations-Ebene sein."

Mit Verwaltungsspitze ist Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (56, SPD) gemeint. Doch die hält sich - wie seit Beginn der CFC-Insolvenz - aus den aktuellen Turbulenzen heraus und gibt "keinen Kommentar", so eine Rathaussprecherin.

Bei der AfD äußert sich niemand, hier wird vor einer Erklärung die Fraktionssitzung am heutigen Montagabend abgewartet.

Übrigens: Die drei Vertreter der rechtspopulistischen Bürgerbewegung „Pro Chemnitz“ rund um Martin Kohlmann (41) erhielten den Brief nicht. Auf ihrer Internetseite kommentierten die Stadträte dieses Vorgehen wie folgt: „Interessant, daß ihm Wurscht ist, was gewählte Volksvertreter zu seinem Anliegen sagen. Für einen Gesprächstermin steht er auch nicht zur Verfügung.“

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