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So erlebten wir die Chaos-Nacht in Dresden!

Dresden - Es war ein Chaos mit Ansage! Ausgelöst durch rechte und linke Kawallos, die zum Pegida-Jubiläum in Dresden Randale machen wollten. Vier MOPO24-Reporter waren dabei. Hier berichten sie, wie sie die Nacht erlebten.

Dresden - Es war ein Chaos mit Ansage! Ausgelöst durch rechte und linke Krawallos, die zum PEGIDA-Jubiläum in Dresden Randale machen wollten. 16 MOPO24-Reporter waren im Einsatz. Vier davon berichten hier, wie sie die Nacht erlebten.

Dominik Brüggemann
Dominik Brüggemann

Von Dominik Brüggemann

Zehntausende Menschen auf den Straßen, Hundertschaften der Polizei im Einsatz: Der Sternlauf und die PEGIDA-Demo haben Dresdens Altstadt am Montag lahmgelegt.

Solche Großdemos samt Ausschreitungen gibt’s im beschaulichen Schwarzwald nicht. „Wenn sich bei uns 200 Leute versammeln, ist das eine Besonderheit“, sagte Hartmut L. zu mir.

Staunend stand der Tourist am Montag mit seiner Reisegruppe vor dem Holiday Inn an der Ostra-Allee, beobachtete angespannt eine Antifa-Blockade vor dem Haus der Presse.

Wenig später wurde seine Reisegruppe mit der Horde Antifas von einem Polizeitrupp eingekesselt. Als Steine fliegen, Polizeihunde bellen und Reizgas in der Luft liegt, ziehen sich die Touristen endgültig ins Hotel zurück.

Aus ihrer Neugierde wurde Angst, weil Gewalttäter (PEGIDA-Hooligans und linke Antifas) sich offen auf Dresdens Straßen duellierten.

Ganz anders, friedlicher, die Situation zunächst am Postplatz: Der Demozug mit Integrationsministerin Petra Köpping (57, SPD) warb für Offenheit und Toleranz. Die bewegendste Rede hielt Khaldun Al-Saadi vom Islamische Zentrum Dresden.

Dienstagmorgen traf ich die Schwarzwälder Reisegruppe wieder am Hotel, kurz vor der Abreise in die Heimat. „Dresden ist so eine schöne Stadt, aber diese Gewalt macht uns fassungslos“, so der Reiseleiter zu mir. Er wolle trotzdem wieder kommen, sagt er.

Hoffentlich kommen auch die friedlichen Dresdner wieder und zeigen ihr Gesicht für Toleranz.

Hermann Tydecks.
Hermann Tydecks.

Von Hermann Tydecks

Der Tag nach dem Großdemo-Abend mit über 30.000 Menschen in Dresden: Der Rauch auf den Straßen hat sich verzogen, doch der Kampf zwischen den Lagern tobt erbittert weiter - im Internet!

„IHR ANDEREN SEID SCHULD AN DER GEWALT UND ESKALATION!“ Nur darin sind sich beide Seiten einig. Ganz egal, wo man sich informiert: In den Kommentaren giften PEGIDA-Anhänger gegen PEGIDA-Gegner, Asylfreunde gegen Asylfeinde, linke Antifa gegen rechte Hooligans. Und genauso umgekehrt ...

Ich habe es am Montag auf der Straße mit eigenen Augen erlebt: Steine, Böller, Flaschen, Faustschläge flogen von beiden Seiten! Auch auf Polizisten in Kampfanzügen. Die hatten Mühe, beide Lager voneinander abzuschotten.

Auffällig, wie viele Vermummte - aus beiden Lagern - vor den Augen der Bereitschaftspolizei unbehelligt agieren konnten! Auffällig, wie wenige Festnahmen es gab!

Dabei griffen sich die mit martialischem Gebrüll losgestürmten Beamten gewaltbereite Randalierer von beiden Seiten. Doch die allermeisten ließen sie nach Sekunden im Polizeigriff wieder flüchten. Warum eigentlich?

Ich geriet über den Abend mehrmals in und zwischen die Fronten: Hools, Antifa, Staatsmacht. Ich sah Linksextremisten, die manchen Kollegen die Handys aus der Hand schlugen. „Verpiss dich!“ brüllte mich eine Vermummte neben dem Haus der Presse (meinem Arbeitsplatz!!!) an, stieß mich einen Abhang hinunter.

Gefilmt hatte ich sie nicht. Kurze Zeit später explodierte ein Böller direkt neben mir. Ich sah rechte Hools, die Steine auf Polizisten vor der Altmarkt-Galerie schmissen, unbeteiligte Passanten standen direkt daneben.

Ich kann diese gegenseitigen Schuldzuweisungen nicht mehr hören und lesen: Gewalt und Eskalation wurde von beiden Seiten ausgelöst. Wie kann es denn Leute geben, die das nicht glauben wollen?

Eric Hofmann.
Eric Hofmann.

Von Eric Hofmann

„Schlagstock frei!“, schrie ein heiserer Zugführer seinem Polizeitrupp in der Straße am Zwingerteich zu. Und dann rannten die Beamten los. Eigentlich waren sie mit Wasserwerfern an den Zwingerteich gekommen, um die Straße von linken Demonstranten zu räumen.

Doch plötzlich stürmten vermummte Hooligans aus dem Gebüsch, auch hinter den Wasserwerfern flogen plötzlich Böller. Die Polizei war machtlos. Eingekesselt.

Nicht die einzige Situation, wo die Beamten überfordert waren: Als Linksautonome in der Devrientstraße Barrikaden bauten, standen lediglich zwei Verkehrspolizisten ohne Schutzausrüstung machtlos daneben. Ein Reitertrupp wäre nur 200 Meter entfernt gewesen. Doch die Kommunikation fehlte.

An anderer Stelle standen sich plötzlich rechte Hooligans und linke Antifas völlig ohne Polizei gegenüber. Und begannen zu kämpfen. Immer wieder zogen Hunderte Vermummte beider Seiten wild durch die Stadt, kaum ein Polizist griff ein.

Doch wie sollten sie auch? Fast immer waren sie im Vergleich zu ihren Gegnern von Links und Rechts in der klaren Minderheit. 1900 Beamte waren laut Mitteilung der Polizeidirektion Dresden im Einsatz. Polizeiintern erfuhren wir, dass es sogar nur 1140 gewesen sein sollen.

Viel zu wenig bei wohl über 30.000 Demonstranten, unter die sich viele Militante beider Seiten gemischt hatten - und das mit Ankündigung.

So sah man immer wieder rennende Polizeitruppen, die von einem Brennpunkt zum anderen hasteten: Erst Krawalle am Zwinger, dann am Bahnhof-Mitte, dann wieder am Postplatz. Und immer wieder gab es gestern rechtsfreie Räume, in denen sich Gewaltäter auslassen konnten.

Meine Meinung: So etwas darf sich ein Rechtsstaat einfach nicht leisten!

Stefan Ulmen.
Stefan Ulmen.

Von Stefan Ulmen

Beginnen wir mit dem, was mich nach dieser Nacht am meisten beschäftigt: Und das ist die fast blinde, offenbar bedingungslose Gefolgschaft der Anhänger von PEGIDA-Anführer Lutz Bachmann (42).

Er kann ihnen erzählen und auch schreiben (z. B. bei Facebook), was er will – es wird geglaubt. Die Widersprüche bleiben komplett auf der Strecke. Er will aus dem Rundfunkstaatsvertrag raus – zitiert aber, wenn es ihm passt, aus Online-Berichten des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und des Bayerischen Rundfunks (BR).

Er verdammt die Lügenpresse, postet aber, wenn es ihm passt, Artikel von „welt.de".

Er wirft am Montagabend eine Teilnehmerzahl von der Bühne, die mit 39.000 fast doppelt so hoch ist wie die der TU-Studenten. Und die er (sinngemäß) wie folgt begründet: „Das Ordnungsamt hat mir gesagt, dass ein voller Theaterplatz 39.000 Menschen fasst.

Ich sehe von der Bühne einen vollen Platz. Also sag‘ ich mal: Hier sind 39.000 Leute!“ Ich als Reporter bin aber über den Platz und zwischen den Menschen durchgelaufen, und das war zum Zwinger hin relativ leicht möglich.

Dort war der Platz nämlich nur relativ locker gefüllt. Als dann die TU-Zahlen aus einem Liveticker der „Sächsischen Zeitung“ verkündet wurden, gab es die zu erwartende Reaktion: „Lügenpresse!“ So schnell geht also Wahrheit bei Lutz Bachmann …

Und seine Anhänger, einige trunken von Bier, andere von Sekt (vorher und während der Demo), viele vom Zusammengehörigkeitsgefühl des „Opfer“-Seins, feiern ihn mit den immer gleichen, stereotypen Sprechgesängen.

Ich hätte mir neben den Hetzreden von der Bühne und seiner (Bachmanns) kurzen Rede auch eine gehaltvolle Bilanz mit einer Rechenschaft gewünscht.

Zum Beispiel Antwort auf diese Fragen:

# Wie viele Mitglieder hat denn nun der Förderverein und wie viel Geld haben diese gespendet?

# Was passiert mit dem ganzen Geld? Wird es, und wenn ja in welchem Maße, für das PEGIDA-Orga-Team verwendet?

# Wie ist der Stand der Parteigründung?

Doch wirkliche Inhalte spielen bei PEGIDA - nach meiner Wahrnehmung - schon lange keine Rolle mehr. Sie nehmen alle Grundrechte in Anspruch, die ihnen passen, wie Versammlungs- und Demonstrationsrecht. Auch die Meinungsfreiheit okkupieren sie für sich, soweit sie sie brauchen – und alles andere ist Lügenpresse.

Ich frage mich, wohin diese blinde Gefolgschaft noch führen soll? Und da habe ich noch nicht angefangen, über Akif Pirinçci und seine KZ-Rede zu philosophieren ...

Fotos: imago, Münch, Türpe, dpa

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