Chemie-Leipzig-Fan am Zaun aufgespießt? Das geschah wirklich in Fürstenwalde!

Fürstenwalde/Leipzig - Beim Regionalliga-Punktspiel der Union Fürstenwalde gegen die BSG Chemie Leipzig am letzten Wochenende wurde ein Fan der Leipziger schwer verletzt. Nun kursiert ein Video des Vorfalls im Internet.

Der Unbekannte blieb mit dem Bein am Zaun hängen.
Der Unbekannte blieb mit dem Bein am Zaun hängen.  © Screenshot YouTube/ Rechtshilfekollektiv Chemie Le

Am Sonntagabend hieß es laut der BSG Chemie Leipzig noch, der Fan sei im Vorfeld der Begegnung "in einer undurchsichtigen Situation unter Beteiligung der anwesenden Polizei" schwer verletzt worden.

Der junge Mann wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht und dort noch am selben Abend operiert.

Das Video eines Augenzeugen bringt jedoch mehr Klarheit in die Angelegenheit.

Die Aufnahmen wurden vom Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig e.V. zur Verfügung gestellt und sind auf etwa 13.15 Uhr datiert - also kurz bevor das Match zwischen Fürstenwalde und Chemie Leipzig begann.

Darauf zu sehen ist ein kleinerer Tumult im Gästeblock der Leipziger, die wetterbedingt unter der örtlichen Tribüne der "Bonava-Arena" Schutz vor Regen suchen wollten.

Ein junger Mann in Kapuze nähert sich dem Zaun, der die Zuschauer vom Spielfeld trennt. Unerlaubterweise klettert er bis auf die Spitze des Zaunes, als ein Polizist von der Seite dazu kommt und ohne erkennbare Vorwarnung versucht, den Mann wieder nach unten zu ziehen. Der Kletterer bleibt jedoch am Oberschenkel hängen und verletzt sich durch die Zacken des Zaunes schwer, wird dort regelrecht am Bein "aufgespießt".

Während ein Zuschauer auf der anderen Seite versucht, das Bein von der Zaunspitze zu lösen, zieht der Polizist den Mann weiter nach unten.

Schließlich ist der Mann am Boden, weitere Chemie-Anhänger umringen ihn.

"Berichterstattung schwer nachvollziehbar"

Das Rechtskollektiv der BSG fordert eine Richtigstellung der Polizei in Brandenburg.
Das Rechtskollektiv der BSG fordert eine Richtigstellung der Polizei in Brandenburg.  © Picture Point/Gabor Krieg

"Wir kritisieren nicht nur die Einsatztaktik und das grobe Fehlverhalten einzelner Beamter. Auch die nachträgliche offizielle Berichterstattung ist für den verletzten Fan, seine Freunde und Angehörigen nur schwer nachvollziehbar", heißt es in einer Pressemitteilung des Rechtshilfekollektivs.

Die Brandenburger Polizei begründete den Vorfall nämlich folgendermaßen: "Er (der Fan) versuchte unerlaubt eine Absperrung zu überwinden & wurde mehrfach aufgefordert, dies zu unterlassen. Nachdem er dem nicht nachkam, wurde er am Überklettern gehindert & verletzte sich", hieß es zunächst auf Twitter.

In einer späteren Mitteilung beharrt die Polizei darauf, dass das harte Eingreifen gegen den Fan gerechtfertigt war, räumt aber auch Fehler in der internen Kommunikation zu dem Fall ein.

Aktuell liege der verletzte Fan immer noch im Krankenhaus.

"Er hat über seinen Anwalt bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder Strafanzeige wegen Körperverletzung im Amt und unterlassener Hilfeleistung gestellt. Außerdem wurde die Polizei in Fürstenwalde und deren Pressesprecher dazu aufgefordert, im Rahmen einer öffentlichen Stellungnahme ihre belegbar falschen Aussagen zu widerrufen", so Miriam Feldmann, die Pressesprecherin des Rechtshilfekollektivs.

Dem verletzten Anhänger ist weiterhin eine schnelle Genesung zu wünschen.

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