Russland adé: Darum muss die Abora-Expedition umgeplant werden

Chemnitz - Kein Start in Russland, keine Überquerung des Schwarzen Meeres und noch kein Rumpf für sein Boot: So hatte sich Dominique Görlitz seine vierte Mission mit einem Steinzeitsegler sicher nicht vorgestellt.

Experimental-Archäologen Dominique Görlitz muss seine nächste Abora-Mission umplanen.
Experimental-Archäologen Dominique Görlitz muss seine nächste Abora-Mission umplanen.  © Klaus Jedlicka

Unvorhergesehene bürokratische Hindernisse in Bolivien haben den Plan des Experimental-Archäologen für seine Expedition "Abora IV" über den Haufen geworfen. "Wir mussten Russland schweren Herzens ade sagen", sagte Görlitz in einem Gespräch mit der DPA.

Über Jahre hatte der 52-jährige Chemnitzer an seinem Vorhaben getüftelt: Von Sotschi aus wollten er und seine Crew mit einem Schilfboot nach prähistorischem Vorbild von Osten aus über das Schwarze Meer segeln.

Über Warna (Bulgarien) sollte es dann südwärts an Istanbul vorbei durch den Bosporus und weiter durch die Ägäis und das Mittelmeer zur griechischen Insel Kreta gehen.

Mit seiner Expedition wollte Görlitz nachweisen, dass mittels Schilfbooten bereits im Altertum auf dem Seeweg Handelsbeziehungen zwischen der heutigen russischen Schwarzmeerküste und Ägypten bestanden haben könnten.

Altertumsforscher hofft auf Stapellauf am 17. Juli

Eigentlich sollte das Schilfboot von Sotchi aus nach Osten fahren, doch nun muss die Route geändert werden.
Eigentlich sollte das Schilfboot von Sotchi aus nach Osten fahren, doch nun muss die Route geändert werden.  © Peter Zschage

Nun aber musste der Altertumsforscher umdisponieren. Statt in Sotschi an der Ostküste startet der Törn in Warna an der Westküste und nimmt dann den vorgesehenen Kurs Richtung Kreta.

Unweit des Badeortes soll das Schilfboot in Beloslaw zusammengesetzt werden. Durch die Verlegung will Görlitz vor allem verloren gegangene Zeit wieder aufholen. "Wir werden trotzdem im Schwarzen Meer starten", sagte er.

Eigentlich wollte er bereits im Mai das Boot in Sotschi zusammenbauen. Nun aber kommen die benötigten Teile und weitere drei Container mit Schilf für den Rumpf aus Bolivien erst Anfang Juni in Warna an. Bürokratische Hürden hätten den Abtransport aus Südamerika derart verzögert, dass sich der Chemnitzer zu den Planänderungen genötigt sah.

Denn durch den Verzug gebe es jetzt Jahreszeit bedingte Windprobleme im östlichen Schwarzen Meer.

Seit vorigem Juli hatten Aymara-Indios in Bolivien Totoraschilf geerntet und zu Bootsteilen verarbeitet. In Warna müssen nun der Schiffsrumpf gebaut werden sowie entgegen der Planungen auch die Aufbauten. Diese waren in Bolivien auf der Strecke geblieben. Anschließend soll das 14 Meter lange Schilfboot zusammengesetzt werden. "Wenn alles gut läuft, ist am 15. Juli der Stapellauf", sagte Görlitz.

Für den Chemnitzer wäre es die vierte derartige Expedition seit 1999. Vor 20 Jahren war er im Mittelmeer mit "Abora I" von Sardinien über Korsika bis Elba gesegelt. 2002 wies er mit "Abora II" nach, dass die frühzeitlichen Segelboote auch Hin- und Rücktouren bewältigen konnten.

Die Atlantik-Überquerung von New York nach Spanien mit "Abora III" musste nach schweren Sturmschäden 900 Kilometer vor den Azoren abgebrochen werden.

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