Grünen-Stadtrat schlägt Alarm: So marode ist das Chemnitzer Abwassernetz

Chemnitz - Bröckelnde Kanäle, zu wenige Investitionen, Finanznot beim Entsorgungsbetrieb - das Abwassersystem von Chemnitz droht in den nächsten Jahren zum Riesenproblem zu werden.

Stadtrat Bernhard Herrmann (53) an der Georgstraße, wo bei starkem Regen verdünntes Abwasser in die Chemnitz fließt.
Stadtrat Bernhard Herrmann (53) an der Georgstraße, wo bei starkem Regen verdünntes Abwasser in die Chemnitz fließt.  © Kristin Schmidt

Ein Drittel des etwa 1000 Kilometer langen Kanalnetzes der Stadt befindet sich in desolatem Zustand, wird vom Entsorgungsbetrieb Chemnitz (ESC) mit den Kategorien "starker Mangel" oder "sehr starker Mangel" beschrieben.

Der Investitionsbedarf wurde vom ESC schon 2015 auf 400 bis 600 Millionen Euro geschätzt.

Getan hat sich seitdem so wenig, dass Bernhard Herrmann (53, Grüne) im Stadtrat Alarm schlug: "Im Jahresabschluss 2018 des ESC steht ein realisiertes Investitionsvolumen von 21 Millionen. Es hätten laut Wirtschaftsplan 38 Millionen sein sollen. Wir müssen uns ehrlich vergegenwärtigen, wo wir stehen."

Der Prüfbericht zum Jahresabschluss weist zudem auf eine finanzielle Schieflage des ESC hin. Zu tätigenden Investitionen sollen nicht mehr ausreichend Abschreibungswerte gegenüberstehen.

Herrmann mahnt dennoch die Notwendigkeit der Kanal-Sanierung an: "Aus Sicherheitsgründen - erste Kanäle brechen ein - und aus Umweltgründen, weil Abwasser dauerhaft in den Boden austritt."

Ein weiteres Problem: Weil Überlaufbecken fehlen, läuft bei starkem Regen verdünntes Abwasser nach wie vor in die Chemnitz. Die Planung eines Flutbeckens in der Brückenstraße war 2018 gestoppt worden.

Den neuen ESC-Planungen wirft Wasserbau-Ingenieur Herrmann "mangelnde Transparenz" vor: "Es ist nicht nachvollziehbar, ob es eine im Sinne der Umwelt- und Kostenbelange optimierte Gesamtlösung gibt." Der ESC äußerte sich auf TAG24-Nachfragen bis gestern nicht.

Kanalbauarbeiten zur Erneuerung alter Abwasserrohre müsste es in Chemnitz in deutlich größerem Umfang geben.
Kanalbauarbeiten zur Erneuerung alter Abwasserrohre müsste es in Chemnitz in deutlich größerem Umfang geben.  © Uwe Meinhold
Auch im Klärwerk Heinersdorf muss in den nächsten Jahren wegen strengerer Vorschriften viel investiert werden.
Auch im Klärwerk Heinersdorf muss in den nächsten Jahren wegen strengerer Vorschriften viel investiert werden.  © Kristin Schmidt
Voluminöse Betonrohre ersetzen alte Abwasserkanäle, von denen ein Drittel älter als 85 Jahre ist.
Voluminöse Betonrohre ersetzen alte Abwasserkanäle, von denen ein Drittel älter als 85 Jahre ist.  © Sven Gleisberg

Mehr zum Thema Chemnitz Politik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0