Hitlergruß bei Chemnitz-Demo: Gärtner muss in den Knast

Chemnitz - Knallhart-Urteil im Amtsgericht: Weil Marcel W. (34) auf einer "Pro Chemnitz"-Demo den Hitlergruß zeigte, wandert er jetzt für fünf Monate hinter Gitter.

Bei einer Demo am 27.8. in Chemnitz wurde mehrfach der Hitlergruß gezeigt.
Bei einer Demo am 27.8. in Chemnitz wurde mehrfach der Hitlergruß gezeigt.  © Sven Gleisberg

Laut Anklage geschah die Tat am 27. August. Einen Tag vorher war der Chemnitzer Daniel H. († 35) in der Innenstadt erstochen worden, tatverdächtig sind drei Asylbewerber (TAG24 berichtete).

Noch am Tattag kam es zu Spontan-Demonstrationen, teilweise wurden auch Ausländer in der City attackiert. Einen Tag später meldete die rechtspopulistische Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" einen "Trauermarsch" an rund 2000 Linke Gegendemonstranten reisten ebenfalls nach Chemnitz. Unter den mehr als 6000 Demonstranten, die durch die Stadt zogen, waren auch dutzende gewaltbereite Rechte. Hitlergrüße, Sprechchöre wie "Frei, sozial und national" prägten das Bild - Chemnitz stand weltweit in den Schlagzeilen.

Einer der Neonazis: Marcel W., ein Gärtner. "Ich hatte zehn Bier und eine Flasche Wodka getrunken. Ich weiß nur noch, dass ich in die Stadt gelaufen bin. Danach fehlt mir alles", erzählte er am Freitag im Amtsgericht.

Der Polizeibeamte Daniel P. (28) nahm den Demonstranten nach mehreren Hitlergrüßen am Falkeplatz vorläufig fest: "Er war ruhig, wehrte sich nicht. Die Geste habe ich mehrfach gesehen." Fast wäre der Angeklagte davongekommen. "Das war ein grenzwertiger Tag, wir hatten 6000 Leute im Rücken. Wir konnten nur den Ausweis schnell fotografieren, für einen Alkoholtest hatten wir keine Zeit und keine Leute. Das war dem Kräftemangel geschuldet", erklärte der Beamte seine Erlebnisse beim Einsatz.

Der Chemnitzer Marcel W. (34) hatte am 27. August am Falkeplatz bei einer Demonstration am Falkeplatz mehrfach den Hitlergruß gezeigt.
Der Chemnitzer Marcel W. (34) hatte am 27. August am Falkeplatz bei einer Demonstration am Falkeplatz mehrfach den Hitlergruß gezeigt.

Gutachter Karl-Heinz Thiele (58) errechnete den Promillewert des Angeklagten, legte sich auf rund 1,8 Promille fest. Aber: Da der Mann Gewohnheitstrinker ist, konnte keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit festgestellt werden.

Richterin Julia Maling (25) ging sogar über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus: Die Anklage hatte vier Monate Haft, ebenfalls ohne Bewährung, gefordert. Das harte Urteil ist aber weniger der Tat geschuldet - Marcel W. hatte aber bisher schon mehrere Bewährungsstrafen.

Das schien ihn aber nicht zu beeindrucken, er wurde trotzdem immer wieder straffällig. 22 Eintragungen gibt es in seinem Register, die Spanne reicht von Schwarzfahren über gefährliche Körperverletzung bis hin zur räuberischen Erpressung und illegalen Waffenbesitz.

Marcel W. kommentierte das Urteil nicht, er hat jetzt eine Woche Zeit, Berufung einzulegen. Tut er das, wird der Fall vorm Landgericht Chemnitz neu verhandelt.

Am Donnerstag war bereits ein anderer Demo-Teilnehmer verurteilt worden, weil auch er den Hitlergruß zeigte Der 33-jährige Mann bekam eine Bewährungsstrafe von acht Monaten. Außerdem muss er eine Geldstrafe von 2.000 Euro zahlen.


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