Anti-Terror-Sperren mit Lücken: "Chemnitz ist nicht ganz dicht"

Rosemarie Neumann (77) und Gabi Vorwerk (62) zeigen, dass die Sperre am Wall nicht wirklich den Weg versperrt.
Rosemarie Neumann (77) und Gabi Vorwerk (62) zeigen, dass die Sperre am Wall nicht wirklich den Weg versperrt.  © Bernd Rippert

Chemnitz - Weihnachtsmarkt in Zeiten des Terrors. Die Stadtverwaltung stellte an allen Zufahrten zum Markt Container als Anti-Terror-Sperren auf. An fast allen Zufahrten. Und dort, wo sie stehen, bleibt genug Platz für Lastwagen auf Amokfahrt.

Am Wall/Richard-Möbius-Straße. Ein oranger Großcontainer steht auf der breiten Fahrbahn schön weit rechts. Links bleibt Platz, um mit einem 40-Tonner viel Anlauf zu nehmen. Gabi Vorwerk (62) aus Berlin schüttelt den Kopf: "Bei uns am Breitscheidplatz stehen Betonpoller. Da ist alles dicht. Chemnitz ist nicht ganz dicht."

Auch Anna Franke (29) findet: "An dieser Sperre kommt jeder Terrorist mit seinem Fahrzeug locker vorbei. Solche Aktionen schüren doch mehr die Angst, als dass sie schützen."

Detlef Pretschner (58) und Maria Pretschner (54) halten die Sperren auch für wenig sinnvoll.
Detlef Pretschner (58) und Maria Pretschner (54) halten die Sperren auch für wenig sinnvoll.  © Bernd Rippert

"Nicht sehr sinnvoll" findet Marika Pretschner (54) den Container eine Querstraße weiter, in der Webergasse. Auch hier hat die Verwaltung den Container platzsparend an die Seite gesetzt. „Da fahre ich ja sogar nach drei Glühwein noch vorbei“, scherzt Detlef Pretschner (58).

Der Chemnitzer findet die seltsamen Sperren nach kurzem Nachdenken dennoch sinnvoll: "Vielleicht sollen sich die Terroristen totlachen."

Auch an der Bretgasse und am Getreidemarkt sind die Sperren zum Weihnachtsmarkt entweder gar nicht oder sehr lückenhaft vorhanden. Eine Passantin schimpft: "Das ist doch sinnfrei, reiner Aktionismus."

Wie es heißt, hatte die Verwaltung die Container absichtlich jeweils an die Seite gestellt, um die Rettungswege freizuhalten. Ob Terroristen den Unterschied zwischen Rettungsgasse und Anschlagszufahrt kennen, ist unbekannt.

Update 14.50 Uhr:

Bürgermeister Miko Runkel (56, parteilos) nimmt die Kritik ganz locker: "Wir mauern uns in Chemnitz bewusst nicht ein. Wir wollen nicht absperren, sondern mögliche Anschlagsfahrzeuge nur verlangsamen."

Die Zufahrten zum Getreidemarkt sind nicht extra geschützt.
Die Zufahrten zum Getreidemarkt sind nicht extra geschützt.  © Bernd Rippert
Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt ist seit Freitag geöffnet.
Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt ist seit Freitag geöffnet.  © Klaus Jedlicka

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