Wieso hängen überall in Chemnitz solche merkwürdigen "Wahlplakate"?

Chemnitz - Nein, in Chemnitz wird am Sonntag nicht gewählt. Trotzdem bietet sich der dort geborene Schriftsteller Stefan Heym ab Samstag als wählbare Alternative. Mit Plakaten, die wie Wahlwerbung daherkommen, wirbt das Festival "Aufstand der Geschichten" unter anderem am "Nischel" um Publikum.

Ist schon wieder Wahl? Mit fiktiven Wahlplakaten wird in Chemnitz für den "Aufstand der Geschichte geworben.
Ist schon wieder Wahl? Mit fiktiven Wahlplakaten wird in Chemnitz für den "Aufstand der Geschichte geworben.  © DPA

Zuletzt brannten sich hier, vor dem Karl-Marx-Denkmal, ganz andere Szenen ins Gedächtnis, als es beispielsweise zu fremdenfeindlichen Protesten kam. Nun wollen engagierte Chemnitzer bis Mitte November mit Theaterstücken, Filmen, Lesungen, Ausstellungen und vielfältigen Kunstaktionen ein anderes Bild ihrer Stadt zeigen.

Eröffnet wird das Festival gemeinsam mit einer neuen, multimedialen Kunstbiennale am Samstag von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) im Staatlichen Museum für Archäologie (smac).

In Zusammenarbeit mit dem Theater Chemnitz kommen am Eröffnungstag mit dem "Aufstand der Dinge" Chemnitzer Maschinen und Alltagsgeräte zu Wort, die ihre Sicht auf die Umbrüche nach 1989 schildern. Es sind unter anderem jene unausgesprochenen Erfahrungen, die bis in die aktuelle Debatte hinein reichen, sagte Projektleiter Franz Knoppe im Vorfeld.

"Unsere Idee ist es, Umbruchgeschichten jenseits der Rechts-Links-Debatte zu erzählen und auf diese Weise vielleicht Antworten auf heutige Fragen zu finden." Mit einer Vorlaufzeit von mehr als einem Jahr könne der "Aufstand der Geschichten" vom 3. bis 10. November als Nachlese der Ereignisse von August zeitlich nicht passender sein, bemerkte Knoppe.

Um miteinander statt übereinander zu reden, rückt das Aufstand-Festival zudem Menschen mit Migrationshintergrund in den Vordergrund - unter anderem in einem Pop-up-Store im Gewand eines Schönheitssalons. Beim Haare-schön-machen sollen im durchmischten Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg Alteingesessene und Geflüchtete ins Gespräch kommen, hoffen die Festivalmacher um Franz Knoppe.

Und nicht zuletzt kommt Stefan Heym persönlich zu Wort. Der 1913 in Chemnitz geborene Schriftsteller kehrt als junger und alter Heym in Gestalt zweier lebensecht gestalteter Puppen in seine Geburtsstadt zurück. Am 7. und 9. November geht er dann der Frage nach, was er und Chemnitz sich heute zu sagen hätten.

Titelfoto: DPA

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