So will Chemnitz der Bombennacht gedenken

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (55, SPD) wird bei der Kundgebung auf dem 
Neumarkt sprechen.
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (55, SPD) wird bei der Kundgebung auf dem Neumarkt sprechen.  © Harry Härtel/Haertelpress

Chemnitz - Der 5. März 2017 soll einer der friedlichsten und buntesten Gedenktage der vergangenen Jahre in Chemnitz werden - ohne laute Demonstrationen, Krawalle oder rechte Aufmärsche.

Das Gedenken an die Bombennacht beginnt vormittags mit der Kranzniederlegung am Mahnmal auf dem städtischen Friedhof. Das Bündnis "Chemnitz Nazifrei" hat für 14 Uhr das Musik-Festival "Willkommen am Kopp" angemeldet.

"Während des Konzertes wird die Brückenstraße gesperrt", erklärt Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (56, parteilos). "Sonst wird es keine großen Einschränkungen geben." Ob das Bündnis auf dem Sonnenberg gegen Nazis aufmarschieren darf, ist noch nicht klar. Runkel: "Es soll keine Provokationen geben. Dieser Tag soll einem Friedenstag gerecht werden."

Laut Stadtverwaltung sind aktuell vier öffentliche Versammlungen angemeldet, darunter zwei Aufzüge. Im Stadthallenpark plant "Amnesty International" eine Graffiti-Aktion für Jugendliche zum Thema "Willkommenskultur und Abschiebung".

Auf dem Stadthallenvorplatz gibt’s gemeinsame sportliche und kreative Aktionen für Chemnitzer und Flüchtlinge. Der Kaßberg-Knast ist diesmal nicht als Stasi-Gefängnis im Mittelpunkt, sondern als NS-Knast. Hier hatten die Nazis Tausende Juden eingesperrt, bevor diese in die Todeslager deportiert wurden.

Als Abschluss gibt es um 18 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto "Damals - mein Land vor dem Krieg" mit OB Barbara Ludwig (55, SPD) auf dem Neumarkt. Infos gibt's hier.

"Die tote Stadt"

80 Prozent der Stadt Chemnitz wurden völlig zerstört.
80 Prozent der Stadt Chemnitz wurden völlig zerstört.  © Repro: Peter Zschage

Vom 6. Februar bis zum 11. April 1945 flogen die britischen und amerikanischen Alliierten insgesamt zehn Luftangriffe auf Chemnitz. 2280 Flugzeuge warfen in dieser Zeit mehr als 7700 Tonnen Sprengsätze auf die 337.000-Seelen-Stadt ab.

Damals war Chemnitz eine der 20 größten Städte des Großdeutschen Reiches. 4000 Menschen ließen bei den Angriffen ihr Leben, allein die Hälfte davon in der Nacht zum 6. März. 42.000 der 117.000 Wohnungen und 167 Fabriken wurden in diesem Feuersturm zerstört. 80 Prozent der Innenstadt lag in Schutt und Asche.

Am 11. April 1945 deklarierte die alliierte Luftaufklärung Chemnitz als "weitere tote Stadt".

Provokationen sollen laut Bürgermeister Miko Runkel (56) am Friedenstag vermieden werden.
Provokationen sollen laut Bürgermeister Miko Runkel (56) am Friedenstag vermieden werden.  © Klaus Jedlicka
Friedlich und bunt soll der Friedenstag in Chemnitz werden.
Friedlich und bunt soll der Friedenstag in Chemnitz werden.  © Steffen Füssel

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