Der Brühl als Kneipenmeile? "Das ist nicht möglich!"

Chemnitz - Wird sich der Chemnitzer Brühl zu einer Kneipenmeile oder einem reinen Wohngebiet entwickeln? Diese Frage ist gerade Dauerthema und sorgt für ordentlich Zoff.

Bürgermeister Miko Runkel sieht die Brühl-Belebung kritisch: Wegen des Lärmes sei das schwer umzusetzen.
Bürgermeister Miko Runkel sieht die Brühl-Belebung kritisch: Wegen des Lärmes sei das schwer umzusetzen.  © Uwe Meinhold

Dass sich der Brühl zu einer Kneipenmeile entwickelt, sieht Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (58, parteilos) kritisch: "Die etwa 100 Jahre alten Häuser machen es schlichtweg nicht möglich."

Außerdem müsse man Rücksicht auf die Mieter nehmen.

Aus seiner Sicht seien Restaurants kein Problem, bei Kneipen, Discos oder Livemusik sehe das anders aus: "Dafür gibt es Lärmschutzgrenzen und diese dürfen nicht überschritten werden", argumentiert Runkel.

Allerdings haben sich bisher keine Anwohner über Lautstärke auf dem Brühl beschwert. Der letzte große Streit liegt sieben Jahre zurück. Damals musste der Club Atomino vom Brühl verschwinden, da es dem Wohnungseigentümer zu laut war.

Aber warum klappt es beispielsweise in der Dresdner Neustadt oder der Leipziger Kneipenmeile "Karli"?

Dort sind auch Wohnräume, Kneipen, Cafés und Restaurants bunt gemischt. Liegt das Problem einfach an Chemnitz? "Nein", sagt Runkel: "Auf der "Karli" in Leipzig gibt es zwar viele Restaurants, allerdings wird da auf laute Musik verzichtet." Und genau das sei das Problem: Laute Musik.

"Veranstaltungsorte, auf denen laut Musik abgespielt wird, sind sogenannte Vergnügungsstätten. Und laut Baunutzungsverordnung ist es schwierig, diese in ein Wohngebiet zu setzten"

Ex-Stadtrat Lars Fassmann sauer: "Herr Runkel will einfach nicht!"

Ex-Stadtrat Lars Fassmann (41) will den Brühl beleben. Er sieht den Fehler bei der Stadt.
Ex-Stadtrat Lars Fassmann (41) will den Brühl beleben. Er sieht den Fehler bei der Stadt.  © Kristin Schmidt

Die Aussagen von Runkel sorgen bei Ex-Stadtrat Lars Fassmann (41, Vosi/Piraten) für kräftiges Kopfschütteln: "Das, was Herr Runkel sagt, ist quatsch! Er will einfach nicht!"

Sein Vorschlag: Bars und Kneipen ins Erdgeschoss der Altbauten einziehen lassen, in der ersten Etage Büroräume und darüber Wohnungen vermieten. "Das haben wir bereits auf dem Sonnenberg probiert und es klappt", so Fassmann.

Durch die Büroräume würde ein Puffer entstehen: "Wir müssen verhindern, dass Wohnräume direkt an Bars oder anderen Veranstaltungsorten angrenzen".

Es bleibt also weiterhin spannend, wie sich der Brühl in Zukunft entwickeln wird. Vor allem wenn die neue Universitätsbibliothek nahe des Brühls eröffnet.

Diese soll die Studenten zum Brühl "locken" und ihn beleben. Der Brühl soll mit Hilfe der neuen Bibliothek zum "lebendigen Zentrum" werden, heißt es auf der Homepage der Stadt.

Ob ein lebendiges Zentrum auch ohne viele Cafés oder Kneifen lebendig (genug) ist, wird sich in naher Zukunft zeigen.

Wird der Chemnitzer Brühl zum Kneipenviertel oder zum reinen Wohngebiet? Diese Frage sorgt in Chemnitz für ordentlich Zoff.
Wird der Chemnitzer Brühl zum Kneipenviertel oder zum reinen Wohngebiet? Diese Frage sorgt in Chemnitz für ordentlich Zoff.  © Maik Börner

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