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Abstimmung überraschend klar: Der CFC ist gerettet!

Heute entscheidet sich die Zukunft des #CFC. TAG24 berichtet im Live-Ticker von der Entscheidung im Stadtrat. #Chemnitz

Von Ronny Licht, Torsten Schilling

Der Stadtrat entscheidet am Freitag über die Zukunft der Himmelblauen.
Der Stadtrat entscheidet am Freitag über die Zukunft der Himmelblauen.

Chemnitz - Die finanzielle Schieflage des Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC scheint abgewendet zu sein.

Der Chemnitzer Stadtrat hat am Freitagabend in einer Sondersitzung die Auszahlung von 1,26 Millionen Euro an den CFC beschlossen. Das teilte die Stadt Chemnitz mit.

Mit dem Stadionumbau war der Erbbaupachtvertrag zwischen der Stadt und dem CFC für das alte Stadion vorzeitig beendet worden. Dadurch entstand seitens des CFC ein Anspruch auf Entschädigung für den Wegfall sogenannter grundstücksgleicher Rechte in Höhe von 1,26 Millionen Euro.

Mit dem am Freitag gefallenen Beschluss kann die Entschädigung in dieser Höhe nun ausgezahlt werden. Diese werden aus der Liquiditätsreserve der Stadt finanziert.

TAG24 berichtete im Liveticker:

18:42 Uhr: Rund 4.000 verschiedene Nutzer konnten zeitweise auf den Livestream zugreifen. Das Angebot der Stadt Chemnitz brach zeitweise zusammen.

18:40 Uhr: Das Ergebnis der Abstimmung war überraschend klar. Viele hatten mit einer knapperen Entscheidung gerechnet. Jetzt äußern sich noch einige Stadträte. Erleichterung im Saal bei den CFC-Verantwortlichen. Die Zuschauer verlassen ihre Sitze.

18:36 Uhr: Der CFC ist gerettet!!!

18:35 Uhr: 42 Ja-Stimmen, 13 Nein-Stimmen bedeuten das vorläufige Überleben für den Verein.

18:34 Uhr: Seit zweieinhalb Stunden drückt die SPD-Stadträtin Fanbeauftragte Peggy Schellenberger (38) auf der Zuschauertribüne die Daumen. Sie stimmt heute nicht mit ab - Befangenheit. Sie sagte TAG24: "Ich finde es beeindruckend wieviele Stadträte sich mit den Meinungen der Fans und Mitglieder auseinandergesetzt haben. Dieser Optimismus der Anhänger und besonders die Signale waren offensichtlich ansteckend. Mein Gefühl ist deutlich besser als um 16.00 Uhr."

18:33 Uhr: Die Stadträte stimmen geschlossen dafür, namentlich abzustimmen. In wenigen Minuten hat sich die Zukunft des CFC entschieden.

18:32 Uhr: Es geht los. Die Debatte ist beendet, die Abstimmung beginnt in wenigen Minuten.

18:22 Uhr: Immer wieder fällt die Rede-Wendung, "die CFC-Fans nicht im Regen stehen zu lassen." Das war beim Kampf um das neue, komplett überdachte Stadion eins der Hauptargumente. Erinnerungen an die emotionale Abstimmung vom 5. Oktober 2011 werden wach. Damals demonstrierten mehr als 1.000 Fans vorm Rathaus. Heute hat der Weihnachtsmarkt die Oberhand vorm ehrwürdigen Rathaus.

18:21 Uhr: Grünen-Stadtrat Bernhard Herrmann (50) wird für den Antrag stimmen: "Die vielen Mitglieder des CFC haben es nicht verdient, für die Fehler der Vereinsführung büßen zu müssen."

18:13 Uhr: Der Energieversorger "eins" hat heute Nägel mit Köpfen gemacht. Roland Warner (52), Vorsitzender der Geschäftsführung: "Wir haben heute mit dem CFC einen Dienstleistervertrag abgeschlossen. Ab heute übernimmt die 'eins' die kaufmännische Geschäftsführung beim CFC. Nächste Woche fließt ein Eigenkapital von 1,5 Millionen Euro an den Verein. Weiterhin setzen wir eigene Wirtschaftsprüfer ein."

18:11 Uhr: Finanzbürgermeister Sven Schulze (44, SPD) erteilt den rechtlichen Bedenken eine Abfuhr. Zu den drohenden Kosten eines leerstehenden Stadions sagt er: "Das Stadion würde uns als Stadt weiterhin rund 400.000, 500.000 Euro kosten, wenn niemand drin spielt."

18:06 Uhr: Kall verweist auf die Dringlichkeit: "Wir müssen das heute entschieden bekommen." Bis zur nächsten Stadtrats-Sitzung Ende Januar 2017 habe der Verein keine Zeit mehr.

Dr. Dirk Kall (49), kaufmännischer Geschäftsführer des CFC
Dr. Dirk Kall (49), kaufmännischer Geschäftsführer des CFC

18:03 Uhr: Schinkitz sagt aber klar: "Das ist meine letzte Entscheidung mit finanziellem Hintergrund für den CFC. Eine zweite Entscheidung wird es mit mir und meiner Fraktion nicht geben." Schinkitz war der letzte Redner, jetzt muss der neue kaufmännische Geschäftsführer Dr. Dirk Kall (49) in den Ring. Er beantwortet die Fragen der Stadträte.

18:01 Uhr: Heiko Schinkitz (60, Linke) wirbt für den größten Verein der Stadt - den CFC. Er verweist auf das Umfeld im Nachwuchsleistungszentrum, den sozialen Aspekt des Vereins. Aber - auch er kritisiert die alte Vereinsführung: "Der CFC wirbt national für unsere Stadt. Damit hatten die Verantwortliche im Verein eine große Verantwortung. Dieser sind sie aber nicht gerecht geworden. In andere Vereinen in der Stadt gibt es großes Unverständnis. Wenn wir heute eine Entscheidung treffen, verbinden wir diese mit klaren strukturellen Veränderungen beim CFC."

17:56 Uhr: OB Ludwig und die Stadträte gratulieren jetzt Lars Faßmann (Piraten/VOSI) zu seinem 40. Geburtstag, den er am Donnerstag feierte. Auch er war bei der Mitgliederversammlung am Montag dabei: "Die Lösung muss maßgeblich aus dem Verein selber kommen. Sehr positiv ist zu bewerten, dass das alles sehr respektvoll abgelaufen ist." Jetzt kritisiert er aber, dass beim CFC nur lückenhaft die Mitgliederbeiträge abgebucht wurden, dass Klein-Sponsoren verprellt wurden und aus der Führungsspitze des Vereins keine eigenen Ideen kamen. Er spricht sogar von Ignoranz gegenüber Angeboten von CFC-Mitgliedern, die dem Verein ihre Hilfe angeboten haben. "Ich frage mich: Soll das so weitergehen? Der Verein muss sich mit neuen Leuten neu aufstellen."

17:50 Uhr: Haentjens weiter: "Das Vertrauen ist komplett zerstört. Ich werde die Vorlagen alle ablehnen."

17:48 Uhr: CDU-Stadtrat Alexander Haentjens (47) wird dagegen stimmen. Er fordert einen kommunalen Untersuchungsausschuss, der aufarbeitet, wie es zu dieser Situation kommen konnte.

Das Thema beschäftigt auch andere Fans und führt zu skurrilen Vermischungen: Vorm Rathaus diskutieren CFC-Fans, unter ihnen auch einer in Eintracht-Frankfurt-Jacke. Auf den Rathaus-Fluren fragt sich ein Mann in Dynamo-Dresden-Jacke zu den Toiletten durch.

17:31 Uhr: CDU-Stadträtin Almut Patt (45): "Ich stehe hier nicht für die Fraktion gesamt, ich stehe hier für mich. Es ist ein sehr schmerzhaftes Thema. Sport schafft viel Miteinander, Solidarität. Es gibt Vorbilder. Das möchte ich auch unterstützen." Die Rechtsanwältin, die schon massiv gegen den Stadionbau geschimpft hatte, war ebenfalls bei der Mitgliederversammlung des CFC. "Dort waren Sorgen und Schmerz unter den Fans zu spüren. Aber irgendwann ist auch der Punkt gekommen, wo es zuviel ist. Wir dürfen die Gelder nicht freigeben. Ich verlange, dass die Fakten schonungslos auf den Tisch kommen. Das Prinzip Hoffnung dürfen wir nicht ungeprüft übernehmen." Die Juristin erklärt ihre Bedenken, wendet sich dabei auch an OB Ludwig: "Können wir mit Stand 16. Dezember 2016 die drohende Insolvenz des CFC ausschließen? Kann uns jemand garantieren, dass keine fundamentalen Forderungen von Gläubigern offen sind? Können wir garantieren, dass die EU-Beihilfe-Richtlinien uns diese 1,26 Millionen Euro nicht in ein paar Wochen um die Ohren hauen werden? Wir können doch keine ungedeckten Schecks ausreichen."

CDU-Stadträtin Almut Patt (45)
CDU-Stadträtin Almut Patt (45)

17:25 Uhr: Mit Spannung wird die Rede von CDU-Stadträtin Almut Patt (45) erwartet. Die Rechtsanwältin wird vermutlich ihre heftigen rechtlichen Vorwürfe wiederholen, dass die Zahlung der Stadt an den Verein gegen geltendes Recht verstoße.

17:17 Uhr: AFD-Chef Roland Katzer (65) erinnert an ein weiteres Problem der Chemnitzer Sportlandschaft: "Wir stimmen zwar zu. Aber wir weisen nochmal daraufhin, dass gleichzeitig das Chemnitzer Sportforum zerfällt."

17:15 Uhr: Das Interesse ist zumindest im Internet zu spüren - der Livestream der Stadt Chemnitz ist schon zusammengebrochen. Aus rechtlichen Gründen dürfen aber nur 499 Leute darauf zugreifen.

17:10 Uhr: Die Grünen-Chefin ist in Fahrt: "Andere Vereine in dieser Stadt verzichten aus finanziellen Gründen auf höhere Spielklassen. Das Ausgliedern von Aufgaben ist ein Armutszeugnis. Da wird der CFC doch zum 1. FC Markt 1". Markt 1 ist die Adresse des Rathauses...

Grünen-Chefin Petra Zais (59)
Grünen-Chefin Petra Zais (59)

17:07 Uhr: Zais erklärt ihr Nein weiter: "Ich bin mir sicher, dass der CFC nicht aus seinen Fehlern lernen wird." Sie greift heftig CFC-Chef Hänel an, weil dieser sich weigerte, über einen Plan B zu reden (TAG24 berichtete). "Sich heute hinzustellen, und zu sagen, dass Frauen- und Blindenfußball gefährdet sind, wenn wir nicht zustimmen, ist außerordentlich erstaunlich. Das einzigste, was diese Sportarten gefährdet, ist das Missmanagement des Vereins."

17:03 Uhr: Grünen-Chefin Petra Zais (59) steht jetzt am Rednerpult. "Sie wissen alle, dass ich mit Nein stimmen werde. Es ist nicht die Aufgabe einer Kommune, wirtschaftlich agierende Profivereine zu finanzieren. Nichts, was ich bisher gehört habe, kann mich von der Position abbringen."

16:59 Uhr: Sportfan Müller galt bisher als scharfer Kritiker. Aber: "Ich werde zustimmen unter Schmerzen. Aber mit einer scheiß Wut im Bauch."

16:55 Uhr: Müller kritisiert heftig, dass bei den Besprechungen nie der vollständige Aufsichtsrat und Vorstand anwesend waren. Vom Finanzvorstand Rico Weiße habe man bisher rein gar nichts gehört oder gesehen. Der Bundestagsabgeordnete wettert weiter gegen die Mentalität in den Führungsgremien des Vereins: "Es ist nicht abwegig, dass sich jetzige Teile des Vorstands am 16. Januar als Retter zur Wiederwahl stellen."

SPD-Fraktions-Chef Detlef Müller (52)
SPD-Fraktions-Chef Detlef Müller (52)

16:52 Uhr: Unter den Zuschauern befindet sich der Sprecher der CVAG, Stefan Tschök (60) und Reinhard Walther vom Chemnitzer Polizeisportverein. Am Pult spricht jetzt SPD-Fraktions-Chef Detlef Müller (52). "Vielleicht waren wir damals bei Bau des Stadions zu blauäugig. Die Entscheidung heute ist eine reine Risiko-Abwägung. Es kann sein, dass wir in ein oder zwei Jahren vor einer ähnlichen Entscheidung stehen. Es ist eine Entscheidung ins himmelblaue hinein. Es zeugt von der Dramatik, dass nur noch die Stadt und deren Töchter in der Lage sind, hier zu helfen. Wobei es für die Sponsoren natürlich schwierig ist, helfend einzugreifen, wenn sie von der Lage erst aus der Presse erfahren."

16:48 Uhr: Schaper rechnet vor: "Ein leeres Stadion würde die Stadt jährlich zwischen 400.000 und 700.000 Euro kosten. Heute muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er dem CFC eine zweite Chance gibt."

Susanne Schaper (38), Fraktionsvorsitzende der Linken
Susanne Schaper (38), Fraktionsvorsitzende der Linken

16:40 Uhr: Susanne Schaper (38), Fraktionsvorsitzende der Linken, "Entsetzen und Fassungslosigkeit bezeichnen es am besten, was wir verspürten, als wir von den Problemen erfuhren. Es sollte eine Erfolgsgeschichte sein. Durch mangelndes Management und Versagen kam es nicht dazu." Schaper war bereits am Montagabend Gast auf der Mitgliederversammlung des Vereins in der Messe-Halle 1. Sie weißt aber auch: "Ohne unser Ja steht der Verein vor dem Aus. Leidtragende wäre die ganze Jugend. In meiner Brust schlagen heute zwei Herzen. Einerseits die Sozialpolitikerin, die das Geld lieber für soziale Projekte ausgeben würde. Aber auch ich bin Fußballfan und wurde vom Fußballfieber gepackt. Eins hatte ich immer unterschätzt: Fußball verbindet Menschen. Sie singen und feiern gemeinsam. Dieser Sport hat eine Kraft, die seinesgleichen sucht."

SPD-Vertreter Axel Brückom (44)
SPD-Vertreter Axel Brückom (44)
Fanbeauftragte und SPD Stadträtin Peggy Schellenberger auf der Zuschauertribüne.
Fanbeauftragte und SPD Stadträtin Peggy Schellenberger auf der Zuschauertribüne.

16:35 Uhr: Tino Fritzsche (CDU) spricht als erster Stadtrat: "Vieles, was wir in den letzten Tagen gehört haben, spricht eindeutig gegen ein Ja. Es spricht aber auch viel für ein Ja. Der Verein ist nicht nur Profifußball, sondern auch Kinder- und Jugendarbeit. Fußball hat einen enormen öffentlichen Wert. Der Verein bekommt die Chance für einen Neuanfang, an dessen Ende ein Platz in der zweiten Liga stehen muss. Langfristig kann der Verein nicht in der dritten Bundesliga spielen."

Tino Fritzsche (CDU)
Tino Fritzsche (CDU)

16:34 Uhr: CFC-Chef Dr. Mathias Hänel hat zehn Minuten um das Verständnis der Stadträte geworben. Erstmals deutet er an, bei einer Neuwahl am 16. Januar 2017 nicht mehr für das Amt des Vorstandsvorsitzenden beim CFC zur Verfügung zu stehen. Hänel entschuldigt sich bei allen, die er persönlich enttäuscht habe. Der Chefarzt des Chemnitzer Klinikums war zehn Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Vereins.

16:27 Uhr: Dr. Hänel nennt noch einmal die bekannten Gründe: mangelndes Controlling, zu geringe Einnahmen, für den Verein ungünstig verhandelte Verträge unter anderem mit dem Catering-Anbieter.

16:24 Uhr: Jetzt spricht Dr. Mathias Hänel (52), Vorstandsvorsitzender des Chemnitzer FC. "Ich bedanke mich, vor der für den CFC existenziell wichtigen Entscheidung noch einmal vor Ihnen sprechen zu dürfen. Es gehört zu meinen Pflichten, alles dafür zu tun, damit der CFC noch einmal eine Chance bekommt. Dazu gehört auch, zu beweisen, dass sich die aktuelle Situation nie mehr wiederholen wird."

Dr. Mathias Hänel (52), Vorstandsvorsitzender des Chemnitzer FC.
Dr. Mathias Hänel (52), Vorstandsvorsitzender des Chemnitzer FC.

16:22 Uhr: OB Barbara Ludwig: "Ich werbe um Ihre Zustimmung. Ja, die Rettung des CFC hat einen hohen Preis. Und ich weiß, dass nicht nur ich, sondern auch Sie als Stadträte, sich für Ihre Entscheidung rechtfertigen müssen. Wir müssen alles Mögliche tun, damit das Geld der Chemnitzer Bürger nicht in einem himmelblauen Fass ohne Boden verschwindet. Wir haben die finanzielle Hilfe an Bedingungen geknüpft, um Risiken zu minimieren.

OB Barbara Ludwig hält die Eröffnungsrede.
OB Barbara Ludwig hält die Eröffnungsrede.

16:20 Uhr: Als Redner sind auch Simone Kalew (52), Chefin des städtischen Vermieters GGG, sowie Roland Warner (52), Vorsitzender der Geschäftsführer beim Energieversorger "Eins", vorgesehen. Letzterer war schon einmal im Aufsichtsrat des Chemnitzer FC vertreten, hatte sich aber zurückgezogen. Er soll in den nächsten Wochen und Monaten auch in diesem Gremium aufräumen. Beide Unternehmen sollen professionelle Buchhaltungs- und Planungs-Strukturen im Verein entwickeln.

16:16 Uhr: OB Barbara Ludwig hält die Eröffnungsrede. Sie erinnert an die Zeit vor fünf Jahren, als im gleichen Saal der Bau des neuen Stadions für 27 Millionen Euro diskutiert und beschlossen wurde.

16:12 Uhr: OB Barbara Ludwig kündigt an, dass es unter Umständen zum Ausschluss der Öffentlichkeit kommen könnte. Mitentscheidend ist die Meinung der CFC-Vertreter, ob sie Nichtöffentlichkeit wünschen. Sollten die Zuschauer und die Presse einmal ausgeschlossen sein, dürfen sie bis zum Ende der Sitzung auch nicht wieder hinein. Das sieht die Gemeindeordnung so vor. Noch dürfen alle bleiben.

Die Besucher werden jetzt gebeten, die Debatte ohne Klatschen oder Bekundungen zu verfolgen. Das sollte klappen - dort sitzen 18 eher ruhige Zeitgenossen.

16:08 Uhr: Es sind 52 von 60 Stadträten anwesend.

16:05 Uhr: OB Barbara Ludwig läutet zur Sitzung. 380 User verfolgen die Sitzung aktuell im Livestream der Stadt Chemnitz - bei 499 ist Schluss.

16:03 Uhr: Eine Stadträtin fehlt heute im Saal - Peggy Schellenberger (SPD). Da sie auch Fanbeauftragte des Chemnitzer FC ist, hat sie von sich aus aus Befangenheitsgründen auf der Zuschauertribüne Platz genommen. Sie hatte bereits nach dem Bekanntwerden des Finanzdesasters klar Stellung bezogen und eine schonungslose Aufklärung und grundlegende Änderungen im Verein und dessen Strukturen gefordert.

Dr. Mathias Hänel (l.) begrüßt CDU-Stadtrat Wolfgang Höhnel (r.)
Dr. Mathias Hänel (l.) begrüßt CDU-Stadtrat Wolfgang Höhnel (r.)

15:59 Uhr: Jetzt ist auch die Abteilung des Chemnitzer FC eingetroffen. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Mathias Hänel (52) und der neue kaufmännische Geschäftsführer Dr. Dirk Kall (49) haben hinter den Stadträten Platz genommen. Letzterer gilt als Hoffnung, das Chaos im Verein aufzuräumen und in professionelle Bahnen zu lenken. Es machen erste Gerüchte die Runde, dass die Sitzung nichtöffentlich stattfinden wird, weil interne Zahlen des CFC diskutiert werden sollen.

Dr. Dirk Kall (l., 49), kaufmännischer Geschäftsführer des CFC und Vorstandsvorsitzender Dr. Mathias Hänel (r.,52)
Dr. Dirk Kall (l., 49), kaufmännischer Geschäftsführer des CFC und Vorstandsvorsitzender Dr. Mathias Hänel (r.,52)
Rechts: Dr. Dirk Kall (49), kaufmännischer Geschäftsführer des CFC.
Rechts: Dr. Dirk Kall (49), kaufmännischer Geschäftsführer des CFC.

15:51 Uhr: So langsam füllt sich der Rats-Saal. SPD-Fraktions-Chef Detlef Müller (52) ist auch eingetroffen, er war am Vormittag noch in seinem Bundestags-Büro gewesen. Auf dem Rathausbalkon gibt es letzte Gespräche mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (54, SPD). Erstaunlich: Bisher sind erst 15 Besucher auf der Zuschauertribüne.

15:35 Uhr: Noch herrscht im Rathaus die Ruhe vor dem Sturm. Auf der Zuschauertribüne haben sich erst fünf Besucher eingefunden. Die Stadträte sitzen noch zu letzten Beratungen in ihren Fraktionen. Im Hintergrund Weihnachtslieder vom Glühweinmarkt - das einzig Entspannte hier an diesem Nachmittag.

Zuvor:

Im Vorfeld hatte unter anderem CDU-Stadträtin Almut Patt (45) rechtliche Bedenken geäußert. Sie sieht keine rechtliche Grundlage, dem Verein die benötigten 1,26 Millionen Euro auszuzahlen. Die Summe stammt aus einer Pacht-Verrechnung für den vorzeitig aufgelösten Erbbaupacht-Vertrag beim Stadion-Neubau.

Vor drei Wochen war bekannt geworden, dass der CFC ohne fremde Hilfe Ende des Jahres zahlungsunfähig wäre. Insgesamt werden mehr als zwei Millionen Euro benötigt. Zusätzlich zum Geld der Stadt käme bei einem "Ja" der Stadträte ein Kredit durch den städtischen Energieversorger "eins" in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Wie unsicher die Stadträte sind, zeigen auch die Bedenken von SPD-Vertreter Axel Brückom (44). Er diskutierte im Internet mit CFC-Fans. Er hatte auch Einsicht in ein vom CFC in Auftrag gegebenes Gutachten und meinte: "Ich habe das Sanierungskonzept der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer gelesen und musste eine ellenlange Erklärung unterschreiben, dass ich nichts öffentlich machen darf. Nur so viel sollte erlaubt sein: So richtig überzeugend war das nicht für mich... Und auch Dinge gelesen, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann."

Wie schwierig die Entscheidung heute werden wird, zeigen seine Bedenken: "Mir ist schon klar, dass wir den Club und die Fans - auch im Sinne der Stadt - nicht hängen lassen können. Aber wird sich danach wirklich was ändern? Oder geht es danach irgendwie einfach genau so schlimm weiter? Werden die Mitglieder konsequent sein und bei den nächsten Vorstandswahlen dafür sorgen, dass dann die richtigen Leute den Verein führen? Aber wer sind die Richtigen? Gibt es die im Verein? Oder wird die jetzige Spitze dann vielleicht sogar noch als Retter gefeiert? So nach dem Motto: Seht her, das haben wir doch noch mal gut hinbekommen..."

Positive Signale gibt es aus der Fanszene. Die himmelblauen Anhänger haben unter Organisation des "Fanszene Chemnitz e.V." die beeindruckende Summe von 46.152,26 Euro gesammelt. Auf ihrer Facebook-Seite liest man das Statement der Initiatoren: "Man kann den Stadträten nur zurufen: Lasst die Fans nicht im Stich. Mehr Bekenntnis zum größten Verein dieser Stadt geht nicht! Lasst die tausenden himmelblauen Anhänger nicht das ausbaden, was einige wenige Amateure kaputt gemacht haben. Zieht Konsequenzen, räumt den Laden auf – aber schließt ihn nicht zu."

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