Rebellion gegen Rathaus! Stadt will CFC-Fans austrocknen

Fanbeauftragte Peggy Schellenberger (40) kämpft für die Interessen der CFC-Anhänger.
Fanbeauftragte Peggy Schellenberger (40) kämpft für die Interessen der CFC-Anhänger.

Von Torsten Schilling

Chemnitz - Kurz vor der Fertigstellung des neuen Stadions gehen die CFC-Fans auf die Barrikaden. Grund: die neue Polizeiverordnung für das Stadion an der Gellertstraße. Denn Alkohol vor der „Fischerwiese“ soll verboten, die Fahnen im Stadion kürzer werden!

Die Polizeiverordnung wird am 15. Juni im Stadtrat beschlossen. Das neue Papier ist nötig, weil der Vorplatz des Stadions neu gestaltet worden ist. Und dort beginnen die Probleme: So soll der Genuss von Alkohol auf der Heinrich-Schütz-Straße verboten werden - direkt vor der Fankurve.

Peggy Schellenberger (40), Fanbeauftragte des CFC, will nachjustieren: „Auch an der Zietenstraße gibt es einen Getränkeverkauf. Da sind meist so viele Fans, dass sie auf der Straße stehen.“

Die CFC-Fans sind sauer! Müssen sie bald auf Bier und Fahnen verzichten?
Die CFC-Fans sind sauer! Müssen sie bald auf Bier und Fahnen verzichten?

Ebenso gebe es weitere Plätze, an denen Fans vor Anpfiff noch ein Bierchen trinken. „Das kann man nicht alles verbieten.“

Der Zoff ums Bier ist nicht die einzige Baustelle rund um den Neubau. Fahnenstangen, die länger als einen Meter sind, sollen im neuen und rund 27 Millionen Euro teuren Areal zukünftig verboten sein.

Bislang dürfen Fahnen 1,50 Meter lang sein.

Fans schimpfen, die Polizeiverordnung sei ein Disziplinierungsinstrument zur Umerziehung des Publikums.

„Das geht so nicht“, sagte Peggy Schellenberger. „Selbst der Deutsche Fußballbund empfiehlt eine Fahnenlänge von 1,50 Metern.“

Meine Meinung: Steril statt agil

MOPO24-Redakteur Torsten Schilling steht hinter den Fans.
MOPO24-Redakteur Torsten Schilling steht hinter den Fans.

Von Torsten Schilling

König Fußball droht für viele an Glanz zu verlieren. In Chemnitz schlägt die Polizeiverordnung ein neues Kapitel der Gängelei auf. Lieb gewonnene Rituale vor und im Stadion sollen weg. Die Flaggenstocklänge wird reglementiert. Der Umtrunk vorm Anpfiff - oft aus dem Kofferraum heraus - soll der Vergangenheit angehören.

Fußballvereine sehen ihre Fans als zahlungskräftige Kunden, die zwei, drei Euro für den Bierbecher im Stadion berappen, um so die Vereinskassen zu füllen.

Die High Society vergnügt sich beim Businesstalk in VIP-Logen, weit weg von den Fans. Beim Drittligisten CFC hat die Zweiklassengesellschaft Einzug gehalten.

Dabei wollen Fans ihren Verein überschwänglich feiern, wenn er siegt. Wollen Schmählieder singen, wollen sich ärgern, die Haare raufen, wenn der Club verliert. Wollen Flaggen schwenken, ohne Polizeiverordnungen lesen zu müssen. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt.

Aber wenn Ökonomen und Paragrafenreiter sich des Spiels annehmen, bleibt der Charakter auf der Strecke. Schick und steril statt leidenschaftlich und agil.

Fotos: Picture Point/Kerstin Kummer, Uwe Meinhold


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