CFC-Trainer Bergner gesteht: "Der Druck war groß!"

Chemnitz - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer war zum CFC-Heimspiel gegen den Berliner AK 07 gekommen. Das ZDF und die "Deutsche Welle" reisten mit TV-Teams an. Die türkische Tageszeitung "Hürriyet", die französische Sport-Tageszeitung "L’Équipe" und die "taz" schickten am Sonnabend Reporter nach Chemnitz.

Co-Trainer Sreto Ristic (l.), Dennis Grote nach gelber Karte und Trainer David Bergner (r.).
Co-Trainer Sreto Ristic (l.), Dennis Grote nach gelber Karte und Trainer David Bergner (r.).  © Picture Point/K. Dölitzsch

Das erste Heimspiel der Chemnitzer nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen am Rande des Stadtfestes stand unter besonderer Beobachtung. Derjenige, der mit seinen Aussagen tagelang Öl ins Feuer gegossen hatte, war nicht im Stadion: BAK-Präsident Ali Han blieb in Berlin, besuchte die Hochzeitsfeier seines Sohnes. Hieß es aus dem Gäste-Lager.

Der BAK-Kapitän bezog klar Stellung. "Da wurde viel gequatscht und erzählt. Wir hatten weder Angst, noch sind wir mit Demut nach Chemnitz gereist. Das war ein ganz friedlicher Fußball-Nachmittag. Habe ich auch nicht anders erwartet", erklärte Marcus Mlynikowski, der im Vorjahr noch das Trikot der Chemnitzer trug.

2:0-Torschütze Rafael Garcia, bester Mann auf dem Platz, verriet nach dem Abpfiff: "Uns haben die Aussagen aus Berlin nicht tangiert, eher zusätzlich motiviert. Wir sind mit Wut im Bauch raus gegangen, wollten unbedingt gewinnen."

Das gelang dem CFC, der souverän an der Tabellenspitze bleibt. "Ich bin froh, dass dieses Spiel vorbei ist, dass wir gewonnen haben", sagte Trainer David Bergner: "Der Druck war sehr groß. Das war keine einfache Woche."

Han hat genervt!

Kommentar von Olaf Morgenstern

Als die Chemnitzer am Mittwoch Richtung Jahn-Sportpark fuhren, hielt an der Ampel ein weißer Porsche neben ihrem Bus. Kennzeichen B-AK 1907. Der Fahrer: Präsident Ali Han. Er zückte sein Handy, machte ein Foto, fuhr weiter.

Hans Interesse am CFC war seit dem 28. August riesengroß. Seitdem verging kaum ein Tag, an dem er sich nicht zu Wort meldete. Bis zuletzt ließ Han offen, ob der BAK antreten wird.

Natürlich trat er an. Wer verzichtet freiwillig auf Punkte? Dass Han nicht nach Chemnitz kam, passte ins Bild. Was hätte er auch sagen sollen? Dass keine Hooligans durch die Straßen zogen? Dass die Spieler freundlich empfangen wurden. Dass die Berliner Multi-Kulti-Truppe nicht um ihr Leben fürchten musste?

Han hat einfach nur genervt! Dass am Sonnabend ein Spitzenspiel ausgetragen wurde, geriet zur Nebensache. Traurig.

Um so größer ist mein Respekt vor den Spielern des CFC. Sie blenden seit Wochen alle Störgeräusche aus, konzentrieren sich auf den Sport, liefern erfolgreiche Spiele ab.

Das zeugt von Charakter, Mentalität, Qualität. Über Han wird ab morgen keiner mehr reden. Über den CFC schon.


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