Kein weiteres Geld! Stadträte zeigen CFC-Insolvenzverwalter die rote Karte

Chemnitz - Lässt das Rathaus den CFC jetzt fallen? In einer Erklärung von vier Fraktionen heißt es jetzt: "Aus Sicht der vier Fraktionen lassen sich weitere Forderungen oder Verpflichtungen nicht ableiten."

Die Stadträte zeigen Insolvenzverwalter Klaus Siemon die rote Karte.
Die Stadträte zeigen Insolvenzverwalter Klaus Siemon die rote Karte.  © Picture Point/K. Dölitzsch

Am Wochenende war ein Brief von Insolvenzverwalter Klaus Siemon (59) an die Öffentlichkeit gekommen. In diesem 19-seitigen Schreiben an die Stadträte hatte der Rechtsanwalt von der Stadt eine Zahlung von 750.000 Euro für die laufende Saison gefordert (TAG24 berichtete).

Im Falle eines Aufstiegs in die dritte Liga sollte der Betrag dann auf 1,25 Millionen Euro erhöht werden - pro Jahr (TAG24 berichtete).

Der Bettelbrief war bereits im Finanz- und Verwaltungsausschuss sehr hitzig diskutiert worden. Siemon begründete die Forderung mit der Außenwirkung des Vereins als größten Werbeträger der Stadt, außerdem will er den CFC zu einem "Bollwerk gegen Rechts" umbauen.

Dafür plant er sogar die Festanstellung von zwei Fanbeauftragten, die sich auch dieses Themas annehmen sollen.

Doch jetzt zeigten die Stadträte dem Rechtsanwalt die rote Karte. In der Erklärung der Fraktionen von SPD, Linke, Grüne und CDU/FDP heißt es weiter: "Die Fraktionen begrüßen die ausführliche Darstellung. Zugleich stellen sie fest, dass die Stadt Chemnitz durch mehrere Stadtratsbeschlüsse (auf Grundlage der seinerzeit vorliegenden Informationen) bereits sehr weit reichende Unterstützung geleistet hat.

Diese Aussage bezieht sich sowohl auf den Neubau des Stadions als auch auf dessen Betreibung. Beispielsweise wurden die Kosten für den Spielbetrieb von 1,8 Millionen Euro auf 690.000 Euro gesenkt." Weiter verweisen die Politiker auf die städtische Unterstützung der Nachwuchsabteilung:

"Darüber hinaus unterhält die Stadt Chemnitz für den CFC den Nachwuchskomplex am Neubauernweg, was aus unserer Sicht einmalig in der Chemnitzer Sportszene ist. Hinzu kommt das Engagement der Stadt im Rahmen des "Schulkonzeptes Sport" für die Eliteschule des Fußballs. Damit finanziert die Stadt Chemnitz den größten Teil der professionellen Nachwuchsentwicklung."

Die vier Fraktionen sehen Klärungsbedarf, ob mit der Ausgliederung der Profiabteilung der weiter bestehende Verein vollständig entschuldet ist.
Die vier Fraktionen sehen Klärungsbedarf, ob mit der Ausgliederung der Profiabteilung der weiter bestehende Verein vollständig entschuldet ist.  © Sven Gleisberg

Die Fraktionen kommen zum Fazit: "Klärungsbedarf sehen die vier Fraktionen, ob mit der Ausgliederung der Profiabteilung der weiter bestehende Verein vollständig entschuldet ist. Die Frage zielt vor allem auf den Nachwuchsbereich."

Klar ist nach Meinung der Fraktionen aber auch: "Die Weiterführung des Spiel- und Geschäftsbetriebes untersteht der Entscheidung des Insolvenzverwalters, der Gesellschafter und dem Verein selbst. Es ist nicht die Absicht der Stadträtinnen und Stadträte, von außen Einfluss zu nehmen."

Offenbar ist es dem Insolvenzverwalter, der für den laufenden Viertliga-Etat verantwortlich ist, aber bisher nicht gelungen, einen ausgeglichenen Haushalt herzustellen.

Siemon selber spricht in seinem Bettelbrief von nicht eingehaltenen Sponsoren-Zusagen, fehlenden Einnahmen aus der Vermarktung des Stadionnamens und massiven Einbußen bei der Werbung des Brustsponsors.

Im Hintergrund machte Siemon dann Nägel mit Köpfen: Gemeinsam mit einem - bisher unbekannten - Investor, wurde die "Chemnitzer FC Fußball GmbH" gegründet. Die Gründung war notwendig, da der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) eine Frist zur Vorlage der Unterlagen auf den 26. Oktober gesetzt hatte. Der NOFV will am 2. November über die Zulassung der neuen Kapitalgesellschaft zum Spielbetrieb der Regionalliga Nordost beschließen. Die Zulassung soll dann zum 1. Januar 2019 erfolgen, denn zu diesem Zeitpunkt ist die Übertragung des Spielbetriebs vom Chemnitzer FC e.V. auf die CFC Fußball GmbH vorgesehen.

Wirklich überraschend kommt die Ablehnung auf dem Rathaus aber nicht: Das resolute Vorgehen des Rechtsanwalts sorgt seit vielen Wochen für Skepsis im Umfeld. Traurige Höhepunkte waren Hausverbote für CFC-Präsident Andreas Georgi (50) und Aufsichtsrats-Chef Uwe Bauch, welche juristisch sogar bis vors Oberlandesgericht Dresden durchgefochten wurden. Dort kippten die Hausverbote größtenteils.

Mit Spannung wird auch die Mitgliederversammlung des Chemnitzer FC e.V. erwartet, die satzungsgemäß noch dieses Jahr stattfinden muss. Trotz einer Vorlauf-Frist von vier Wochen warten die rund 2700 Mitglieder aber immer noch auf die Einladung dazu. Sport- und Finanzvorstand Thomas Sobotzik (44) hatte die Durchführung für Ende November oder Anfang Dezember angekündigt.

Update 16.39 Uhr: Jetzt hat sich auch Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (56, SPD) geäußert. Die Stadt-Chefin sagte vor Journalisten im Rathaus: „Die Verwaltungsspitze wird keine Beschlussvorlage in den Stadtrat einreichen, die auf die Forderungen des Insolvenzverwalters eingeht.“ Damit ist endgültig klar: Nach der Ablehnung durch vier Fraktionen gibt es auch von der Stadtspitze eine Absage an die Forderungen von Klaus Siemon (59).

Inzwischen hat die Stadtrats-Fraktion der AfD eine Erklärung herausgegeben. Stadtrat Falk Müller (42): „Unsere Fraktion hat dazu keine einheitliche Meinung. Ich kann die Argumente und Motivation des Insolvenzverwalters insofern nachvollziehen, weil es seine Aufgabe ist, für den CFC das Bestmögliche herauszuholen.

Aber mit seiner Forderung nach einem kommunalen Zuschuss an einen privatwirtschaftlichen Verein macht er es sich meiner Meinung nach zu einfach. Nichtsdestotrotz muss die Frage erlaubt sein, inwiefern es gerecht ist, dass die Stadt jede Theaterkarte der jährlich 200.000 Besucher rein rechnerisch mit 130 Euro subventioniert. Während die Fußballfans, pro Saison rund 100.000 Zuschauer, jedoch 75 Prozent höhere Eintrittsgelder zu befürchten haben, sofern weder die Stadt noch ein Investor einspringt, um das Defizit auszugleichen, was sich aus dem Spielbetrieb heraus notwendigerweise ergibt. Hochkultur und Spitzensport sind beides gleichermaßen wichtige Standortfaktoren, die gesellschaftspolitisch wirken, gern auch als Bollwerk gegen Rechtsradikalismus.

Von den Wertschöpfungsketten profitieren wir alle, insbesondere auch die mittelständischen Unternehmen unserer Wirtschaftsregion Südwestsachsen."

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