Unterstützung für "Coffee Art Bar"-Chef: Stadträte kämpfen für Brühl-Belebung

Chemnitz - Politisch regt sich immer mehr Widerstand gegen die aktuelle Lage in Sachen "Brühl-Belebung": Nach dem Aus der "Coffee Art Bar" (TAG24 berichtete) will Inhaber Volker Beyer (42) nun wenigstens bessere Konditionen für Gastronomen in Sachen Genehmigungen für Konzerte und Lärmobergrenze erkämpfen.

Unter anderem CDU-Politikerin und OB-Kandidatin Almut Patt (51) will sich für neue Regeln auf dem Brühl stark machen.
Unter anderem CDU-Politikerin und OB-Kandidatin Almut Patt (51) will sich für neue Regeln auf dem Brühl stark machen.  © Kristin Schmidt

"Die Coffee Art Bar ist eben das Beispiel, bei dem es nicht geklappt hat", so Beyer. "Das soll aber in Zukunft anderen nicht mehr passieren." Deshalb hat er sich nun mit mehreren Politikern der Stadt zusammengesetzt. "Damit sich diesmal wirklich etwas tut und die Sache in den Stadtrat kommt."

"Wenn wir den Brühl beleben und entwickeln wollen, dann müssen wir auch etwas für den Brühl tun. Es gibt Vorschriften, die wir im Sinne der Gemeinschaft einhalten müssen, aber sie müssen immer konkret geprüft werden, gegebenenfalls müssen wir Vorschriften verändern. Wir brauchen auch Versuchsräume, in denen wir Entwicklung zulassen. Den Brühl weiter als Wohngebiet auszuweisen, bremst jede Kreativität und verhindert Entwicklung. Das ist schade, das muss die Verwaltung ändern. Der Brühl soll ja leben", sagt zum Beispiel OB-Kandidatin Almut Patt (51, CDU).

Jens Kieselstein (38, FDP), sieht das ähnlich. "Wenn wir den Brühl wirklich als Kiez beziehungsweise Szeneviertel mit Wohnungen, Kultur, Bars und Kneipen beleben wollen, bedarf es zunächst einer Umwidmung in ein Mischgebiet. Ebenso muss es einen festen Ansprechpartner geben, der eine vermittelnde Rolle zwischen Stadt und Gestaltungswilligen einnimmt und zur eine Lösungsfindung bei ähnlichen Problemen hilft.“

Auch aus anderen politischen Lagern kommt Unterstützung für den Brühl. „Der oft totgesagte Brühl ist in den letzten Jahren zu neuem Lebenerwacht: Frische Fassaden, junge Familien, interessante Läden, neue Bars, Begegnung und Kultur. Die Anziehungskraft des Boulevards besteht darin, mehr als ein ruhiges Wohngebiet zu sein“, findet Volkmar Zschocke (54) von den Grünen.

„Wie lassen sich hier Wohnen, Gewerbe und Kultur zu einem lebendigen, urbanen Quartier verbinden? Die Baunutzungsverordnung bietet dafür Möglichkeiten. Ohne breite Beteiligung funktioniert das nicht. Ich glaube, dass die nötige Offenheit und Dialogbereitschaft dafür im Quartier vorhanden ist.“

Detlef Müller (55, SPD) und Linken-OB-Kandidatin Susanne Schaper (42) wollen Hilfe für den Brühl

OB-Kandidatin Susanne Schaper (42, Linke) kritisiert das Zusammenspiel zwischen Verwaltung, Betreibern und Anwohnern.
OB-Kandidatin Susanne Schaper (42, Linke) kritisiert das Zusammenspiel zwischen Verwaltung, Betreibern und Anwohnern.  © Uwe Meinhold

Detlef Müller (55, SPD) und Linken-OB-Kandidatin Susanne Schaper (42) hatten bereits vergangene Woche über Hilfe für den Brühl gesprochen. „Der Brühl soll ein Quartier sein und werden, wo Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeitaktivitäten und Gastronomie nebeneinander möglich sein muss. Seit Jahren reden wir über diese Ziel. Es geht aber auch um Rechtssicherheit! Deswegen sollte das Brühl- Quartier als ‚Urbanes Gebiet‘ und nicht wie bisher als ‚Allgemeines Wohngebiet‘ in der Flächennutzungsplanung ausgewiesen werden“, bekräftigt Müller nochmals.

Und auch Schaper will sich verstärkt für eine Lösung einsetzen. „Die Schließung der CAB zeigt, dass das Zusammenspiel zwischen Verwaltung, Betreibern und Anwohnern verbessert werden muss. Wenn mehr Leben auf dem Brühl einziehen soll, müssen die verwaltungs- und planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden", so Schaper.

"Wer auf den Brühl zieht, sollte wissen, dass ein belebter, innerstädtischer Kiez eine andere Lärmbelastung hat, als ein Wohngebiet am Stadtrand.“

Ende Februar ist in der "Coffee Art Bar" auf dem Brühl Schluss. Damit es anderen Bars nicht auch so ergeht, will die Politik jetzt handeln.
Ende Februar ist in der "Coffee Art Bar" auf dem Brühl Schluss. Damit es anderen Bars nicht auch so ergeht, will die Politik jetzt handeln.  © Sven Gleisberg

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