Rassistische Ausschreitungen 2018: Wissenschaftler arbeiten Ereignisse von Chemnitz auf

Chemnitz - Rassistisches Denken gehört Chemnitzer Wissenschaftlern zufolge zu unserem Alltag. Das ist das Ergebnis ihrer Untersuchung, bei der sie sich mit der Instrumentalisierung des Todes von Daniel H. nach den rassistischen Ausschreitungen vom Sommer 2018 beschäftigt haben.

Eine Demo in Chemnitz im September 2018.
Eine Demo in Chemnitz im September 2018.  © Sven Gleisberg

Aufgeheizt durch rechte Akteure habe dies die Bilder von Chemnitz erst möglich gemacht. "Es sind Blicke, es ist ein blöder Witz, das Gespräch in der Kneipe oder bei einer Familienfeier: Keiner von uns ist frei von Vorurteilen, darauf wollen wir aufmerksam machen", sagte Heidrun Friese, Professorin für Interkulturelle Kommunikation an der TU Chemnitz, der Deutschen Presse-Agentur.

Gemeinsam mit Kollegen aus ganz Deutschland haben die Chemnitzer Sozialwissenschaftler nun einen Sammelband mit dem Titel "Rassismus im Alltag - Theoretische und empirische Perspektiven nach Chemnitz" herausgegeben. Hervorgegangen sind die interdisziplinären Beiträge aus einer Tagung Ende 2018.

"Nach den verstörenden Ausschreitungen wollten wir Stellung beziehen", ergänzt Frieses Kollege Marcus Nolden. Die Untersuchungen der Wissenschaftler zeigten demnach, dass die weiße Mehrheitsgesellschaft das Thema Rassismus nach wie vor gern von sich wegschiebe und die Betroffenen von Rassismus selten zu Wort kommen lasse. So hätten sich etwa bei den Chemnitzer Bürgerdialogen hauptsächlich "Weiße mit Weißen über Andere unterhalten", sagt Nolden, der speziell dieses Dialog-Format untersucht hat.

Zudem stelle er sich die Frage, wo im September vor einem Jahr die 230.000 Chemnitzer gewesen seien, um den rassistischen Umtrieben laut zu widersprechen. Im Nachgang habe sich in Chemnitz zwar viel bewegt und viele Menschen hätten sich engagiert, aber eine wirklich breite Stadtgesellschaft vermissen die Wissenschaftler bis heute.

"Die Gesellschaft steht auch nach diesen Geschehnissen noch immer nicht im Großen auf, das muss man so deutlich sagen", meint Friese.

Titelfoto: Sven Gleisberg

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