Ein Jahr nach tödlicher Messerattacke: So liefen die Demos am Sonntag in Chemnitz

Chemnitz - Ein Jahr nach dem Tod von Daniel H. (†35) - der am Rande des Stadtfestes 2018 erstochen worden war - und den danach folgenden Demonstrationen, steht Chemnitz nun wieder im Fokus deutschlandweiter Aufmerksamkeit. Neben Festen und Veranstaltungen war die Innenstadt auch am Sonntag wieder Schauplatz für Demos.

Die Po­li­zei zeig­te auch am Rand der Ge­gen­de­mo des Bünd­nis­ses Chem­nitz na­zifrei Prä­senz..
Die Po­li­zei zeig­te auch am Rand der Ge­gen­de­mo des Bünd­nis­ses Chem­nitz na­zifrei Prä­senz..  © Kristin Schmidt

Die Bitte der Familie des Opfers, die nicht wollte, dass es weitere Demonstrationen im Namen von Daniel H. gibt, wurde nicht respektiert.

Die rechtextremistische Bewegung Pro Chemnitz hatte zu einer Demo "Für Sicherheit in Chemnitz" aufgerufen und 1 000 Teilnehmer angemeldet.

Gefolgt waren dem Aufruf auf den Parkplatz neben dem Tietz aber weit weniger Demonstranten. An der Galerie Roter Turm formierte sich die Gegendemo "Herz statt Hetze".

Die Polizei reagierte mit Präsenz: Die Veranstaltungen und Demos wurden von einem Polizei-Großaufgebot flankiert.

Schon tagsüber standen in der Innenstadt Dutzende Einsatzfahrzeuge, zahlreiche Sicherheitskräfte liefen Streife. Die Polizeipräsidentin Sonja Penzel (48) besuchte demonstrativ das Bürgerfest. Wasserwerfer standen bereit.

Auch der Tatort in der Brückenstraße wurde bewacht. Eine Polizeisprecherin: "Es ist bekannt, dass es hier einen Aufruf für eine nicht genehmigte Demo am späten Abend geben soll. Wir haben das im Blick." Die Demonstrationen verliefen bislang ruhig.

Update 26.08.2019, 6.30 Uhr:

Die Polizei hat die nicht genehmigte Demo am Tatort verhindert:

"Gegen 21 Uhr näherten sich sieben Personen dem Gedenkort in der Brückenstraße, um dort Kerzen aufzustellen. Um zu unterbinden, dass Versammlungen den Tatort für ihre Zwecke instrumentalisieren, wurde dies durch die Versammlungsbehörde untersagt. Den Personen wurde ein Platzverweis ausgesprochen", teilten Sprecherinnen der Polizeidirektion Chemnitz am späten Abend mit.

Die Familie von Daniel H. (†35) ließ am Donnerstagnachmittag über die Stadtverwaltung mitteilen, dass bitte keine erneute Instrumentalisierung seines Todes stattfinden soll und nicht in seinem Namen demonstriert wird.

Demos und Kundgebungen am Sonntagabend verliefen weitesgehend störungsfrei. Erwähnt wurde im Polizeibericht ein 19-jähriger Mann: "Dieser hatte am Versammlungsort von PRO Chemnitz den Hitlergruß gezeigt. Er wurde mit dem Ziel der Durchführung des beschleunigten Verfahrens vorläufig festgenommen", so die Beamten.

Außerdem ermittelt die Polizei wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und gegen zwei Männer (31, 47), die sich wohl gegenseitig beleidigten.

Der Demozug von Pro Chemnitz begann am Tietz und führte über die Route Reitbahnstraße - Bernsdorfer Straße - Lutherstraße - Hans-Sachs-Straße - Augustusburger Straße - Bahnhofstraße, um danach gegen 21.15 Uhr wieder beim Tietz anzukommen.

Laut Polizei nahmen rund 450 Menschen am rechten Aufmarsch teil. Die linke Gegendemonstration "Nie wieder!" auf dem nahen Johanniskirchen-Parkplatz kam auf etwa 300 Teilnehmer. Bei der Grünen-Kundgebung "Herz statt Hetze" auf der Kreuzung Straße der Nationen/Brückenstraße fanden sich um die 100 Personen zusammen.

Rund 600 Polizisten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sicherten die Kundgebungen. Sie wurden von 90 Bundespolizisten unterstützt, welche das An- und Abreisen von Demo-Teilnehmern an Bahnhöfen und in Zügen absicherten.

Auf dem Parkplatz an der Johanniskirche standen Wasserwerfer bereit.
Auf dem Parkplatz an der Johanniskirche standen Wasserwerfer bereit.  © Harry Härtel / Härtelpress
Der Aufmarsch von Pro Chemnitz kam auf rund 450 Teilnehmer.
Der Aufmarsch von Pro Chemnitz kam auf rund 450 Teilnehmer.  © Kristin Schmidt
Etwa 300 Menschen demonstrierten auf dem Parkplatz der Johanniskirche gegen Pro Chemnitz.
Etwa 300 Menschen demonstrierten auf dem Parkplatz der Johanniskirche gegen Pro Chemnitz.  © Harry Härtel/Haertelpress
Der rechte Demozug kurz vor dem Ende seiner Runde auf der Kreuzung Brückenstraße/Bahnhofstraße.
Der rechte Demozug kurz vor dem Ende seiner Runde auf der Kreuzung Brückenstraße/Bahnhofstraße.  © Harry Härtel/Haertelpress

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