Eins Energie sagt Stadträten: So bauen wir das Holzkraftwerk

Chemnitz - Eins Energie will in Siegmar ab 2021 ein Holzheizkraftwerk bauen. Am Mittwoch schwor das Unternehmen Politiker aus fünf Stadtratsfraktionen in einer geheimen Runde auf das Projekt ein. Eine Anwohner-Information ist nicht vorgesehen.

Biomassekraftwerk Ramingdorf in Österreich: Eins Energie will auch in Chemnitz Holz verbrennen.
Biomassekraftwerk Ramingdorf in Österreich: Eins Energie will auch in Chemnitz Holz verbrennen.  © Wikipedia/Sensenschmied

Eins-Vorstand Roland Warner (55) stellte das Projekt vor, mit dem das Unternehmen die Energieverluste langer Wärmeleitungen verringern und aus der Braunkohle aussteigen möchte. Eins will jährlich 80.000 Tonnen Holz aus regionalen Wäldern verbrennen (als Hackschnitzel) und Wärme produzieren. Kraftwerksleistung: 10 bis 15 Megawatt.

SPD-Ratsfrau Wilma Meyer (46) war nach dem Vortrag beruhigt: "Ich hatte Sorge wegen der Holztransporte. Aber die Anwohner werden nicht belästigt. Aus Umweltsicht kann ich das Projekt nicht beurteilen. Ich vertraue der Landesdirektion."

Ähnlich sieht das Andreas Marschner (39, CDU). Jens Kieselstein (39, FDP) findet es positiv, "dass Eins bis 2024 aus der Braunkohle aussteigen will", möchte sich aber noch über die möglichen Schadstoffe informieren. Er fragt: "Warum wird das Kraftwerk nicht mit Gas und später mit Wasserstoff betrieben?"

Susann Mäder (35, Grüne) sieht das Vorgehen von Eins kritisch: "Mir fehlt die Einbindung der Bevölkerung. Wir können nicht von Bürgerbeteiligung reden und dann einfach ein Kraftwerk in einen Stadtteil setzen." Sorgen bereite ihr auch der Holznachschub. "Aber der Vortrag wirkte so, als sei das Projekt fix."

Nicht eingeladen zur Eins-Runde war Susanne Schaper (42, Linke). Sie will mit Bürgern über das Holzheizkraftwerk diskutieren - am 4. März um 16 Uhr im Café "Emils" in der Mauersbergerstraße.

300.000 Bäume sollen jährlich in den Ofen

Eins-Energie-Chef Roland Warner (55) stellte die Pläne vor. Etwa 300.000 Bäume sollen künftig in Chemnitz verbannt werden.
Eins-Energie-Chef Roland Warner (55) stellte die Pläne vor. Etwa 300.000 Bäume sollen künftig in Chemnitz verbannt werden.  © Uwe Meinhold

80.000 Tonnen Holz will Eins Energie jedes Jahr im neuen Holzheizkraftwerk in der Mauersbergerstraße verbrennen.

Das entspricht rund 300.000 Bäumen. Für Revierförster Ullrich Göthel (50) aus Grüna kein Problem: "Dieses Holz steht in der Region zur Verfügung. Aber die große Nachfrage wird ein Problem mit dem Markt und die Holzpreise steigen lassen - Hersteller von Papier oder Spanplatten kaufen auch Holz."

Eins Energie schätzt den Feinstaub-Ausstoß im neuen Kraftwerk auf 7,5 Milligramm pro Megajoule Energie, 275 mg/MJ sollen es an Stickoxiden sein und bei Kohlenmonoxid gibt das Unternehmen einen Ausstoß von 290 mg/MJ an.

Alles in allem mehrere Tonnen Abgas im Jahr.

Das Holzheizkraftwerk soll in der Mauersbergerstraße entstehen.
Das Holzheizkraftwerk soll in der Mauersbergerstraße entstehen.  © Sven Gleisberg
Jens Kieselstein (39, FDP)
Jens Kieselstein (39, FDP)  © Kristin Schmidt
Wilma Meyer (46, SPD)
Wilma Meyer (46, SPD)  © Kristin Schmidt
Susann Mäder (35, Grüne)
Susann Mäder (35, Grüne)  © Kristin Schmidt

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