Politiker streiten zu lange über Kröten, jetzt werden sie überfahren

Naturschützer fordern Amphibientunnel bei der Erneuerung der Eibenberger Straße. Ortsvorsteher Falk Ulbrich (48, CDU, l.) und Grünen- Stadtrat Bernhard Herrmann (49) diskutieren auf der neuen Straße.
Naturschützer fordern Amphibientunnel bei der Erneuerung der Eibenberger Straße. Ortsvorsteher Falk Ulbrich (48, CDU, l.) und Grünen- Stadtrat Bernhard Herrmann (49) diskutieren auf der neuen Straße.

Von Martin Friedemann

Chemnitz - Streit um Kröten: Der Neubau der Eibenberger Straße ist fast fertig. Naturschützer fordern aber noch Amphibientunnel am Straßenrand - bislang vergeblich.

Bis zu 160 Tiere am Tag - meist Kröten, aber auch artgeschützte Kammmolche - überqueren die Straße zur Laichzeit. Bislang sammelten ehrenamtliche Helfer sie in Eimern und brachten sie sicher über die "Eibenberger".

Vor Ort lieferten sich jetzt Einsiedels Ortsvorsteher Falk Ulbrich (48, CDU) und Grünen-Stadtrat Bernhard Herrmann (49) ein heftiges Wortgefecht.

Ulbrich legte los: "Die Grünen-Stadträte haben geschlafen." Die Bauplanungen begannen vor fünf Jahren, begleitet von Infoveranstaltungen.

Grünen-Stadtrat Herrmann konterte: "Wir sind keine Umweltpolizei, wir behandeln ja auch noch tausend andere Themen."

Symbolbild für ein Erdkrötenpärchen.
Symbolbild für ein Erdkrötenpärchen.

Hauptgrund des Straßenbaus: Grundstücke an der Eibenberger wurden ans Abwassernetz angeschlossen.

Ulbrich: "Die Kosten dafür trugen die Anwohner selbst." Bisher kommt die Straßenerneuerung auf 1,9 Millionen Euro.

Die Amphibientunnel setzen eine weitere Straßenverbreiterung voraus - dabei ist die neue Eibenberger bereits um zwei Meter gewachsen.

Teile des Tunnels würden dann auf Anwohnergrundstücken stehen. Herrmann: "Wir möchten mit Anwohnern ins Gespräch kommen." Orts-Chef Ulbrich drückt aber auf die Tube: "Man sollte das Verfahren nicht ins Endlose ausweiten."

Gegen einen Amphibientunnel ist er nicht: "Es müssen nur alle mitspielen." Die Stadt hält die Tunnel "grundsätzlich möglich", so ein Sprecher.

Mit der Natur planen

Kommentar von Martin Friedemann

Eigentlich ist es doch etwas Schönes: Die äußersten Chemnitzer Stadtteile - hier Einsiedel - profitieren von der Infrastruktur der Stadt. Verpackt in einem Rundum-Sorglos-Paket mit einer neuen Straße.

Eine Mogelpackung, meinen Naturschützer. Warum fehlen Amphibientunnel, wenn eine so vorbildliche Straße gebaut wird? Sie würden nicht nur zahlreiche Tiere retten, sondern auch Ehrenamtliche entlasten.

Denn es gibt einige engagierte Einsiedler, die während der Laichzeit kübelweise Kröten, Frösche und Molche über die Eibenberger Straße zu den nahe gelegenen Teichen bringen.

Deswegen ist es komisch, dass die Naturschützer sich erst meldeten, nachdem der Straßenbau Ende August 2014 begann. Drei Bürgerinformationsrunden gab es im Vorfeld, die Straßenbau-Planungen liefen seit 2010.

Naturschutz läuft weder mit verspäteten Aufmerksamkeitskampagnen noch mit kommandoartigen Forderungen.

Wer sich wirklich um die Natur sorgt, hat diese auch vor Ort im Blick und auch Kontakt zu den Anwohnern. Dann ist vielleicht sogar ein besserer Naturschutz möglich.

Fotos: Peter Zschage, dpa


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