Chemnitz wird elektrisiert: Mehr E-Autos, mehr Stromverbrauch

Unternehmer Torsten Schmidt (49) hat sich einen BMW i3 zugelegt. Für kurze Strecken wie nach Leipzig reicht der Akku. Nach Köln würde die Fahrt aber zwei Tage dauern - wegen des Aufladens.
Unternehmer Torsten Schmidt (49) hat sich einen BMW i3 zugelegt. Für kurze Strecken wie nach Leipzig reicht der Akku. Nach Köln würde die Fahrt aber zwei Tage dauern - wegen des Aufladens.  © Peter Zschage

Chemnitz - Das große Surren: Elektroautos sind zwar noch immer ein Nischenprodukt, aber in Chemnitz wird zunehmend mehr Strom getankt, das Ladestationen-Netz ausgeweitet.

984 zu 2.000.000: Der Bestand an Elektrofahrzeugen in Sachsen ist verschwindend gering. Keine 1.000 Stück surren durch den Freistaat, weiß das Statistische Bundesamt. Dagegen stehen mehr als zwei Millionen benzin- und dieselgetriebene Pkw.

"Da muss sich etwas ändern", sagt Thomas Schmidt (49), Chef von "Let us work". Die Firma mit Sitz in der Schönherrfabrik koordiniert die Gemeinschaft der selbständigen Handwerker. Für reichlich 40.000 Euro tut seit einem Jahr ein BMW i3 seinen Dienst. "Die Betriebskosten sind geringer, dafür kosten E-Autos mehr", sagt Torsten Schmidt. "Aber einer muss den Anfang machen." 15 Euro kostet eine Tankfüllung aus der Steckdose. Damit kommt der BMW etwa 200 Kilometer weit.

Eins Energie baut derweil das Ladestationen-Netz weiter aus. Die jüngste Zapfsäule steht in der Schönherrfabrik. "2016 wurden an allen Ladestationen 11.270 Kilowattstunden Strom getankt", so Unternehmenssprecher Christian Stelzmann (38). Bis Ende Juni waren es bereits 10.789 Kilowattstunden. 2016 gab es 1.382 Ladevorgänge, bis Ende Juni wurden schon 1 095 registriert. "Tendenz weiter steigend", so Stelzmann.

Mehr als 100 E-Autos flitzen aktuell durch Chemnitz. Weil die Bundesregierung bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen bringen will, müsste sich die Anzahl der E-Mobile in unserer Stadt bis dahin verdreißigfachen.

Zeig mir Deine Nummer, und ich kenne Deinen Antrieb! E-Mobile haben ein "E" auf dem Nummernschild.
Zeig mir Deine Nummer, und ich kenne Deinen Antrieb! E-Mobile haben ein "E" auf dem Nummernschild.  © Peter Zschage
Die Eins hat in der Schönherrfabrik eine neue Ladestation errichtet. An der tankt Torsten Schmidt (49) seinen BMW.
Die Eins hat in der Schönherrfabrik eine neue Ladestation errichtet. An der tankt Torsten Schmidt (49) seinen BMW.  © Peter Zschage

Voll auf Strom

Kommentar von Torsten Schilling

Wie die meisten Menschen bin ich noch nie Elektroauto gefahren. Bis gestern. 400 Meter. Einen BMW i3. Das Fahrgefühl ist - Entschuldigung - endgeil. Als passionierter Kleinwagenfahrer sind mir Beschleunigungswerte zwar schnuppe. Aber wie der Elektroflitzer ohne Motorengeheul und Getriebejammer abzischt: Hut ab.

Die schlechte Nachricht: Für viel Geld gibt es wenig Reichweite. Nach 200 Kilometern ist der Akku alle. Eine Urlaubsfahrt an die Ostsee wird so zum Marathon. 40 000 Euro für eine doch recht kleinen BMW - Marke hin, Marke her - sind mir zu viel. Trotzdem sind Elektromobile die Zukunft. Fragt sich nur, wann die für Normalverdiener beginnt.

Dem Verbrennungsmotor weine ich, sollten seine Tage gezählt sein, sicher keine Träne nach. Bis dahin bleiben Benziner und Diesel aber alternativlos. Die Unfähigkeit oder Unwilligkeit der Autoindustrie, E-Mobile zu vernünftigen Preisen anzubieten, macht mich sprachlos. Schade eigentlich. Denn ich fahre seit gestern voll ab auf Strom.

15 Euro kostet eine Tankfüllung aus der Steckdose. Damit kommt der BMW etwa 200 Kilometer weit.
15 Euro kostet eine Tankfüllung aus der Steckdose. Damit kommt der BMW etwa 200 Kilometer weit.  © Peter Zschage

Titelfoto: Peter Zschage


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