Erster Stadtrat fordert Rücktritt von OB Ludwig

Chemnitz - Nach den gewaltsamen Demonstrationen und dem gescheiterten Umzug der Kunstausstellung Ostrale nach Chemnitz wächst der politische Druck auf Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (56, SPD). Piraten-Stadtrat Toni Rotter (30) trat aus Protest von einem Ehrenamt zurück.

Barbara Ludwig stellte sich den Fragen zu den Demos - im Rathaus.
Barbara Ludwig stellte sich den Fragen zu den Demos - im Rathaus.  © Klaus Jedlicka

Rotter vertrat die Stadt im Städtenetzwerk Eurocities. Nach den rechten Demos legte er sein Amt nieder. Der Stadtrat ist von der Stadtchefin enttäuscht: "Die OB müsste sich an die Spitze der Demokraten stellen."

Deutlich wird Alexander Haentjens (49, CDU). Für ihn war der Griff Ludwigs nach der Ostrale "eine Entscheidung nach Gutsfrauenart". Hart kritisiert er "das Abtauchen" der OB bei den Demos: "Die Proteste sind ihr entglitten. Sie hätte durch Präsenz Schaden von Chemnitz abwenden können."

Haentjens fordert indirekt Ludwigs Rücktritt: "Sie muss selbstkritisch überdenken, ob sie ihrer Rolle noch gerecht wird." Weitere Kritik kommt von Dieter Füßlein (78, FDP): "Peinlicher Alleingang bei der Ostrale." Susanne Schaper (40, Linke): "Es wird Zeit, dass sie Führungsstärke zeigt."

Eine Rathaussprecherin wies die Vorwürfe zurück. Die Anwerbung der Ostrale sei mit den Veranstaltern besprochen worden. Auch die Kritik am Verhalten der Oberbürgermeisterin während der Demos sei falsch. Sie habe an vielen Veranstaltungen teilgenommen und setze auf Dialog.

SPD-Ratsmitglied Jörg Vieweg (47) steht zu Barbara Ludwig: "Ein unwürdiges Gescharre der Parteien - vermutlich mit Blick auf die nächsten Wahlen."

Die Amtszeit von Barbara Ludwig endet 2020.

Der Ostrale-Plan war angeblich ein Alleingang.
Der Ostrale-Plan war angeblich ein Alleingang.  © dpa/Jens Kalaene
Gegen Barbara Ludwig gibt es eine erste Rücktrittsforderung.
Gegen Barbara Ludwig gibt es eine erste Rücktrittsforderung.  © Uwe Meinhold
Nach den Protesten gibt es Kritik an der Rathausführung.
Nach den Protesten gibt es Kritik an der Rathausführung.  © dpa/Ralf Hirschberger