Ist das die neue Waffe gegen den Fachkräftemangel?

Chemnitz - Gut gemeint oder schlecht gemacht? Weil es immer schwerer ist, Fachkräfte zu finden, will die Stadt nun einige Studenten finanzieren, wenn sie sich in sozialen Bereichen ausbilden lassen. Ein cleverer Schritt. Trotzdem kommt von Trägern noch Kritik.

Kita, Schule, Jugendtreff, Seniorenheim: Chemnitz geht neue Wege, um künftige Fachkräfte im sozialen Bereich an sich zu binden.
Kita, Schule, Jugendtreff, Seniorenheim: Chemnitz geht neue Wege, um künftige Fachkräfte im sozialen Bereich an sich zu binden.  © Monika Skolimowska/dpa

Der Stadtrat beschloss in seiner letzten Sitzung die Förderung von Studenten der Berufsakademie (BA) in Erlabrunn. In Frage kommen Bewerber aus den Bereichen Erziehung, Gesundheit, Sozialarbeit und Pflege. Immerhin bis zu zehn Studenten können pro Studienjahr gefördert werden, bekommen also Gehalt von der Stadt, lassen sich an der BA ausbilden und arbeiten bei einem freien Träger.

"Wir begrüßen dieses Konzept! BA-Studenten auszubilden, war uns bislang finanziell nämlich nicht möglich", sagt Sebastian Schmidt (48), Geschäftsführer der "Heim gGmbH". Sein 800 Mitarbeiter starkes Unternehmen betreibt Kindergärten und Seniorenheime. Auch die AWO mit ihren etwa 750 Beschäftigten, darunter 2 Studentinnen in Erlabrunn, freut sich, allerdings etwas zurückhaltender.

"Die tatsächlich tariflich entstehenden Kosten für BA-Studenten liegen leider etwas über der geförderten Summe der öffentlichen Hand", so Kay Herrmann (35), AWO-Bereichsleiter.

Die Förderung der Stadt deckt die Kosten nicht ganz, so Kay Herrmann (35) von der AWO.
Die Förderung der Stadt deckt die Kosten nicht ganz, so Kay Herrmann (35) von der AWO.  © Uwe Meinhold

Mathias Hofmann (51), Vorstand der Kindervereinigung Chemnitz, kennt den Betrag. Er erläutert: "Ich muss rund 6 000 Euro pro Jahr für einen BA-Studenten einplanen."

Die Stadt fördert nur die Mindestvergütung, also 5280 Euro, sowie gesetzliche Leistungen und Sozialversicherungsbeiträge. Bei Studienabbruch muss zurückgezahlt werden. Herr Hofmann sieht aber noch ein anderes Problem:

"Bis zum 15. April muss man so eine Förderung beantragen. So früh weiß ich doch aber noch gar nicht, ob ich als kleiner Träger einen passenden Bewerber habe. Der bewirbt sich ja mit dem Abitur-Abschlusszeugnis, und das gibt es erst viel später", sagt er.

Ob jeder, der will, an einen geförderten BA-Studium bekommt, ist ohnehin unklar. Allein im Bereich der Jugendhilfe gibt es 113 freie Träger in Chemnitz. Bei zu vielen Förderanträgen entscheidet das Los, so die Stadt.

Stadtgeld für Studenten - ein gutes Konzept, findet Sebastian Schmidt (48), Geschäftsführer der "Heim gGmbH".
Stadtgeld für Studenten - ein gutes Konzept, findet Sebastian Schmidt (48), Geschäftsführer der "Heim gGmbH".
Begehrte Fachkräfte: Selina Friebe (20) und Josephine Enge (21,v.l.) arbeiten bei der AWO, studieren in Breitenbrunn. Die Stadt fördert nun auch freie Träger, bezahlt einen Teil der Ausbildung.
Begehrte Fachkräfte: Selina Friebe (20) und Josephine Enge (21,v.l.) arbeiten bei der AWO, studieren in Breitenbrunn. Die Stadt fördert nun auch freie Träger, bezahlt einen Teil der Ausbildung.  © Uwe Meinhold