FSV und CFC: Die große Analyse zum enttäuschenden Start

Patrick Göbel (l., mit Magdeburgs Dennis Erdmann) wollte mit Würzburg um den Aufstieg kämpfen.Nun kehrt der Flügelflitzer am Sonntag zum Kellerduell nach Zwickau zurück.
Patrick Göbel (l., mit Magdeburgs Dennis Erdmann) wollte mit Würzburg um den Aufstieg kämpfen.Nun kehrt der Flügelflitzer am Sonntag zum Kellerduell nach Zwickau zurück.

Chemnitz/Zwickau - Enttäuschung in Westsachsen! Der FSV trägt nach fünf Spieltagen die Rote Laterne der 3. Liga. Der CFC hat mit neuem Trainer und verändertem Spielsystem fünf Zähler erkämpft - auch das entspricht nicht unbedingt den Erwartungen. TAG24 analysiert den schwachen Start in Zwickau und Chemnitz.

  • Kadersituation

Der FSV Zwickau setzte auf radikale Veränderungen. Die finanzielle Rosskur sah eine Verkleinerung des Kaders von 27 auf 23 Spieler vor. Nur drei der 15 Abgänge waren ungewollt: Jonas Acquistapace, Patrick Göbel, Jonas Nietfeld. Innenverteidiger Acquistapace, ein gebürtiger Westfale, wollte in die Heimat, wechselte nach Lotte. Göbel, aufgrund seiner Flankenläufe und Vorbereiterqualitäten von vielen Zweit- und Drittligisten umworben, wechselte zum Absteiger Würzburger Kickers.

FSV-Kapitän Toni Wachsmuth schlug nach der 0:4-Pleite in Meppen Alarm, 
forderte eine Aussprache innerhalb der Mannschaft. Ob diese Maßnahme fruchtet, 
wird sich am kommenden Sonntag zeigen.
FSV-Kapitän Toni Wachsmuth schlug nach der 0:4-Pleite in Meppen Alarm, forderte eine Aussprache innerhalb der Mannschaft. Ob diese Maßnahme fruchtet, wird sich am kommenden Sonntag zeigen.  © osnapix

Angreifer Nietfeld sprengte das erfolgreiche Sturmduo mit Ronny König, um sich Zweitligaaufsteiger Jahn Regensburg anzuschließen. Keinen dieser drei Abgänge konnte der FSV adäquat ersetzen.

Das ist beim Chemnitzer FC nicht anders. Mit Ach und Krach erteilte der DFB dem Verein die DrittligaLizenz. Um die zahlreichen Abgänge gleichwertig zu ersetzen, fehlten schlichtweg die finanziellen Mittel. Top-Torjäger Anton Fink, der nach fünfeinhalb Jahren zum Karlsruher SC wechselte, hinterließ erwartungsgemäß eine riesige, nicht schließbare Lücke. Kevin Conrad (ging zum Viertligisten Mannheim) wird als Kapitän und resoluter Abwehrchef vermisst.

Philip Türpitz, der bei den Himmelblauen im Vorjahr stagnierte, blüht beim 1. FC Magdeburg regelrecht auf. Tim Danneberg (Osnabrück) fehlt mit seiner Erfahrung, Übersicht und Ruhe am Ball. Mit Björn Jopek und Dennis Mast (beide Würzburg) ging viel Kreativität im Offensivspiel verloren.





CFC-Trainer Horst Steffen (r.) ist unzufrieden. Sein Team kann und muss sich 
steigern!
CFC-Trainer Horst Steffen (r.) ist unzufrieden. Sein Team kann und muss sich steigern!  © Picture Point/Kerstin Kummer
  • Spielphilosophie

FSV-Trainer Torsten Ziegner schätzt die offensiv ausgerichtete Dreierkette. Obwohl er mit dieser bereits Mitte der letzten Hinrunde krachend scheiterte, forcierte der Fußballlehrer in der Sommervorbereitung deren Renaissance. Schlechte Resultate und die augenscheinliche Unzufriedenheit der eigenen Mannschaft ließen ihn wieder zur stabileren Viererkette zurückkehren - mit der man im Vorjahr letztlich noch Drittliga-Fünfter wurde.

In diesem System vertrauten die Westsachsen im Jahr 2016/17 auf konsequentes Spiel über die Außen mit Flanken in den Strafraum - ideal für König. Der mittlerweile 34 Jahre alte Stoßstürmer war Hauptabnehmer der messerscharfen Zuspiele in die Box, erzielte alleine auf Vorlage von Patrick Göbel acht seiner 15 Saisontore.





Anton Fink, im KSC-Trikot vor dem Leverkusener Karim Bellarabi (l.) am Ball, 
hinterließ eine große Lücke. 197 Drittligaspiele bestritt er für den CFC, schoss 
86 Tore.
Anton Fink, im KSC-Trikot vor dem Leverkusener Karim Bellarabi (l.) am Ball, hinterließ eine große Lücke. 197 Drittligaspiele bestritt er für den CFC, schoss 86 Tore.

In der aktuellen Spielzeit fehlt alles: konsequentes Marschieren auf den Bahnen, Flanken in die Spitze und - daraus resultierend - die Abnahme von König. Der FSV ist so der schärfsten Waffe beraubt.

Beim CFC hat Trainer Horst Steffen (Motto: „Ich gewinne lieber 5:4 als 1:0!“) bei seinem Amtsantritt Mitte Juni erfrischenden Offensivfußball versprochen. Der war zuletzt allerdings immer seltener zu sehen. Gegen den VfL Osnabrück erarbeiteten sich die Chemnitzer in 90 Minuten gerade einmal zwei Torchancen!

Dem himmelblauen Spiel fehlt aktuell die Balance. In Paderborn (2:3) und gegen Aalen (2:4) bot der CFC zwar einen hohen Unterhaltungswert, allerdings gingen beide Partien verloren, und es hagelte sieben satte Gegentreffer. Deshalb setzte Steffen zuletzt verstärkt auf eine sichere Defensive. Sein Konzept ging beim 1:1 in Jena und 0:0 gegen Osnabrück auf, auch wenn der Gegner in beiden Partien ein deutliches Chancenplus verzeichnete.

Julius Reinhardt spielt in den Planungen von Trainer Horst Steffen eine tragende 
Rolle. Der 29-Jährige muss im zentralen Mittelfeld Schwerstarbeit verrichten.
Julius Reinhardt spielt in den Planungen von Trainer Horst Steffen eine tragende Rolle. Der 29-Jährige muss im zentralen Mittelfeld Schwerstarbeit verrichten.  © Picture Point/Kerstin Kummer

Steffen hofft, dass die Spieler sein taktisches 3-5-2-System immer besser verinnerlichen und sich in den kommenden Wochen spielerisch steigern. Aber auch der 48-Jährige weiß: Fußball ist Ergebnissport. Allein daran werden Trainer und Spieler gemessen. Dann doch lieber ein biederes 1:0 als ein 2:4.

  • Saisonstart

Mit den Zwickauer Schwänen verhält es sich wie beim Tontaubenschießen - viel zu einfach gelingt der Abschuss. Ob in Chemnitz (0:1), Großaspach (0:2) oder Meppen (0:4): Auswärts war bisher nix zu holen. Dabei stehen die echten Hürden noch bevor! Selbst im heimischen Stadion reichte es gegen Lotte und Erfurt (jeweils 1:1) nicht für drei Punkte. Es krankt in der Defensive und in der Offensive. Und so steht der noch sieglose FSV mit mageren zwei Punkten am Tabellenende.

Der CFC hält mit fünf Zähler zumindest den Anschluss an das untere Mittelfeld der Liga. Bleibt am Sonnabend beim Aufsteiger SpVgg Unterhaching aber ein zählbarer Erfolg aus, könnte sich die Reise in den Tabellenkeller beschleunigen.

Denn mit dem ambitionierten Karlsruher SC, SV Wehen Wiesbaden und Spitzenreiter Fortuna Köln warten nach der Länderspielpause knifflige Aufgaben auf die Steffen-Elf.


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