Hilferuf! Keiner will mehr in der Gastronomie arbeiten

Bernd Winkler (61) vom "Zwickauer Brauhaus" wirbt mit einem Aufsteller vor seiner Gaststätte um neue Mitarbeiter.
Bernd Winkler (61) vom "Zwickauer Brauhaus" wirbt mit einem Aufsteller vor seiner Gaststätte um neue Mitarbeiter.  © Uwe Meinhold

Chemnitz - Wer im Gastro-Jobportal (www.jobsterne.de) sucht, findet rund um Chemnitz mehr als 600 freie Stellen - statistisch fast eine Stelle pro Restaurant. Bundesweit sind es sogar rund 60.000. Chemnitzer Gastronomen verzweifeln: Keiner will mehr hinterm Tresen arbeiten.

"City Pub"-Chef Mark Bauer (35) sucht derzeit Aushilfen: "Arbeit am Wochenende und abends ist eben unattraktiv für junge Leute. Dabei ist es sehr spannend, man lernt neue Menschen kennen, man arbeitet im Team.“ Danny Szillat (36) betreibt die Musik-Kneipe "Flowpo": "Es gibt zu wenig Fachpersonal auf dem Markt. Wir arbeiten fast nur mit Quereinsteigern."

"Turmbrauhaus"-Chef André Donath (52) kennt einen weiteren Grund: "Man merkt den demografischen Wandel, Chemnitz wird nicht jünger. Wir haben deutlich weniger Jobanfragen. Das zieht sich durch viele Handwerks- und Dienstleistungsberufe."

Daniel Meyer (39) vom "Mr. Meyers Diner" lockt Fachkräfte mit Handyverträgen.
Daniel Meyer (39) vom "Mr. Meyers Diner" lockt Fachkräfte mit Handyverträgen.  © Sven Gleisberg

Auch Daniel Meyer (39), Chef des "Mr. Meyers Diner", sucht nach Fachkräften.

Er ist kreativ: "Wer bei uns die Probezeit besteht, bekommt ein Smartphone nach Wahl samt Vertragsgrundgebühr geschenkt. Wer gute Leute will, muss sich als Chef von der Masse abheben."

Bernd Winkler (62) ist Chef des Chemnitzer Regionalverbands "Dehoga". Der Branchenverband kümmert sich um die Sorgen und Nöte der Gastronomen.

Winkler kennt die Gründe: "Wenn ich ein teures Auto kaufe, finanziere ich einen attraktiven Lohn des Monteurs. So sollte es auch in der Gastronomie sein. Uns würde schon helfen, wenn die Mehrwertsteuer wie im Hotelgewerbe von 19 auf sieben Prozent gesenkt würde.

Da hätten wir mehr Luft. Außerdem ist die Bürokratie unerträglich geworden."

Mark Bauer (35) vom "City Pub" sucht dringend Aushilfen.
Mark Bauer (35) vom "City Pub" sucht dringend Aushilfen.  © Uwe Meinhold
Rotieren an Feiertagen, abends und am Wochenende: Gastro-Jobs werden immer unattraktiver.
Rotieren an Feiertagen, abends und am Wochenende: Gastro-Jobs werden immer unattraktiver.

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