Versuchter Mord im Stadtpark? Sextäter vor Gericht

Opfer Verena B. (52) am Montag im Landgericht.
Opfer Verena B. (52) am Montag im Landgericht.  © Harry Härtel/Haertelpress

Chemnitz - Es sind keine zwei Meter, die Laura G. (22) und Kashif M. (31) im Saal 327 des Chemnitzer Landgerichts trennen.

Das erste Mal seit der Attacke trifft die Studentin auf ihren Peiniger - den Mann, der sie mit neun Messerstichen umbringen wollte. Davon ist die Staatsanwaltschaft Chemnitz, die den 31-Jährigen unter anderem wegen versuchten Mordes anklagte, überzeugt.

"Es war sehr warm, deswegen bin ich erst abends joggen gegangen", erzählt die 22-Jährige anfangs mit fester Stimme. Es ist der 11. Juli 2016, ein Montag. Laura läuft ihre übliche Strecke durch den Stadtpark. An der Chemnitz entlang, vorbei am bekannten Rosengarten. "Die Blumen dufteten besonders stark an diesem Tag", erinnert sie sich.

Welches Martyrium nur 200 Meter weiter auf sie wartet, weiß die Studentin noch nicht. Dort läuft Kashif M. den Weg entlang. Laura G. hat zu dem Zeitpunkt das Joggen abgebrochen - sie hat Seitenstechen, läuft nur noch langsam in Richtung ihrer Wohnung.

"Ich lief an dem Mann vorbei. Plötzlich hob er mich an, warf mich auf den Boden und stürzte sich auf mich", erzählt das Opfer am Montag. "Er sagte kein Wort. Ich sah seine Hand, ein Messer. Er stach mir zwei Mal in die Brust." Todesangst, der Kampf um ihr Leben - schluchzend erzählt die junge Frau weiter: "Er drehte mich auf die Seite, stach mir in den Rücken. Ich sah nichts Menschliches. Ich schrie um Hilfe, wehrte mich mit Händen und Füßen."

Ein Radfahrer rettet der 22-Jährigen offenbar das Leben - weil der Angeklagte den Biker sieht, flüchtet er in Richtung Altchemnitz.

"Der Mann rief die Polizei. Ich versuchte, meine Wunden abzudrücken. Das Blut sprudelte heraus, lief überall herunter. Ich hatte Todesangst." Laura G. wird in ein künstliches Koma versetzt, kann die Klinik erst nach fünf Wochen verlassen. Neun Messerstiche zählen die Mediziner, die Klinge drang in Leber, Lunge und Milz ein.

Am 4. August 2016 klicken bei Kashif M. die Handschellen - DNA-Spuren hatten ihn eindeutig als Angreifer entlarvt. Die Kopfhörer des MP3-Players, die Laura G. gehörten, werden auch bei dem Mann gefunden. Und: Ein weiterer Übergriff konnte auch noch geklärt werden. Am 9. Juni 2016 wurde die Zeitungsausträgerin Verena B. (52) auf der Neefestraße überfallen. "Ich wurde ins Gebüsch geworfen, der Mann versuchte, mich zu vergewaltigen." Die Frau wehrte sich. Auch hier half der Zufall: Weil sich ein Auto näherte, flüchtete der Mann. Verena B., die ebenso wie die Studentin Nebenklägerin ist, erkannte ihren Peiniger gestern wieder: "Diese eiskalten Augen vergesse ich nie."

Beide Frauen kämpfen sich jetzt ins Leben zurück. Verena B. arbeitet in der Tag-Schicht. Studentin Laura G. ist noch in psychologischer Behandlung, hat sich aber vorgenommen: "Ich will mir von dem Vorfall nicht mein Leben diktieren lassen."

Kashif M. entschuldigte sich am Montag über seinen Anwalt Uwe Lang (61) für die Taten. Er wäre betrunken gewesen, habe teilweise zwei Liter Wodka getrunken. Der Prozess wird fortgesetzt, ein Urteil soll im März fallen. Dem zweifachen Familienvater aus Pakistan droht lebenslange Haft.

Der 31-jährige Pakistaner steht nun wegen versuchten Mordes vor Gericht.
Der 31-jährige Pakistaner steht nun wegen versuchten Mordes vor Gericht.  © Harry Härtel/Haertelpress
Auf diesem Weg im Stadtpark wurde die Joggerin Mitte Juli überfallen.
Auf diesem Weg im Stadtpark wurde die Joggerin Mitte Juli überfallen.  © Sven Gleisberg

Titelfoto: Harry Härtel/Haertelpress


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