Wohnung durchsucht: Polizist soll Chemnitzer Haftbefehl veröffentlicht haben

Bremen - Nach der tödlichen Attacke am Wochenende in Chemnitz ist der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Messerstecher im Internet gelandet (TAG24 berichtete). Der Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Jan Timke könnte als erstes den Haftbefehl auf Facebook veröffentlicht haben, dachten Ermittler. (Achtung UPDATE siehe unten)

"Wir haben einen Hinweis bekommen", sagte Oberstaatsanwalt Frank Passade am Donnerstag. Die Ermittler durchsuchten nach einem Bericht von Radio Bremen am Mittwoch die Wohnung des Abgeordneten in Bremerhaven.

Timke habe den Haftbefehl inzwischen von seiner Facebook-Seite entfernt, sagte Passade.

Timke ist Bundespolizist, Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) sowie Mitglied der rechten Wählervereinigung Bürger in Wut. Sein Dienstverhältnis ruht, solange er in der Bremer Bürgerschaft sitzt.

Die Veröffentlichung des Haftbefehls ist strafbar. Timke könnte eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr drohen. Timke kündigte auf seiner Facebook-Seite an, sich am Donnerstag zu den Vorwürfen äußern zu wollen.

Wie der Haftbefehl ins Internet gelangt ist, ist bislang unklar.

Das teilweise geschwärzte Dokument wurde unter anderem auf Internetseiten der rechtspopulistischen Gruppe Pro Chemnitz, einem Kreisverband der AfD sowie des Pegida-Gründers Lutz Bachmann verbreitet.

Update, 17.50 Uhr:

Wie das sächsische Justizministerium bekannt gab, wurde ein Dresdner Justizbeamter ermittelt, der den Haftbefehl abfotografierte und öffentlich machte. Er wurde umgehend suspendiert. Zum Artikel geht es hier.

Update, 18.06 Uhr:

Der Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Jan Timke hat die Vorwürfe zurückgewiesen, er sei Urheber der rechtswidrigen Veröffentlichung eines Haftbefehls im Fall der Chemnitzer Messerattacke.

Der Post auf der Facebook-Seite ist mittlerweile wieder gelöscht. (Bilder wurden von der Redaktion unkenntlich gemacht).
Der Post auf der Facebook-Seite ist mittlerweile wieder gelöscht. (Bilder wurden von der Redaktion unkenntlich gemacht).  © Screenshot Facebook/ Radio Bremen

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