Ist die Platte plötzlich wieder 'in' ?

An der Max-Opitz-Straße sind Elfgeschosser schicken Stadtvillen gewichen. Die Platte wurde zurückgebaut, aber an dieser Stelle nicht abgerissen.
An der Max-Opitz-Straße sind Elfgeschosser schicken Stadtvillen gewichen. Die Platte wurde zurückgebaut, aber an dieser Stelle nicht abgerissen.

Von Torsten Schilling

Chemnitz - Schafft das Heckert ein Vierteljahrhundert nach der Wende die Wende? Es sieht ganz so aus! Die Einwohnerzahl in dem einstigen Plattenbaugebiet am Rande der Stadt ist das erste Mal seit der Wende wieder gestiegen.

37.259 Menschen lebten 2015 im Heckertgebiet. "Immerhin 139 mehr als 2014", so Ulrich Weiser (35), Chef des FOG-Instituts für Markt- und Sozialforschung, das soeben den "Wohnungsmarkt-Report Chemnitz 2016" veröffentlichte.

Dass das "Heckert" in den Stadtteilen Markersdorf, Kappel, Helbersdorf, Hutholz und Morgenleite besser ist als sein Ruf, weiß Linken-Stadtrat Hubert Gintschel (66) schon lange. Er zog 1982 in die Platte. "Ärzte, Läden, ÖPNV-Anbindung stimmen. Und das Heckertgebiet ist ein grünes Wohngebiet geworden."

Nancy Meier (25, r.) und Sohn Romeo (1) fühlen sich wohl im Heckert. Freundin Bianca Müller (24, l.) wohnt auch in der Nähe.
Nancy Meier (25, r.) und Sohn Romeo (1) fühlen sich wohl im Heckert. Freundin Bianca Müller (24, l.) wohnt auch in der Nähe.

Dem stimmt CDU-Stadtrat Michael Walter (44) zu: "Es ist eine gute Nachricht, dass wir mehr Einwohner haben. Die Lebensqualität stimmt. Viele Wohnungen sind in den vergangenen Jahren saniert worden. Es gibt barrierefreie Wohnungen für Ältere, aber auch Familien fühlen sich wohl."

An "alte Zeiten" reichen die Einwohnerzahlen jedoch nicht heran. 1991 wohnten noch knapp 84.000 Menschen im Heckertgebiet.

Nancy Meier (25) hat die Entscheidung, an die Wolgograder Allee zu ziehen, vor zwei Jahren bewusst getroffen: "Ich habe für meinen Sohn die Kita vor der Nase. Auch Grund- und Oberschulen gibt es. Ich finde es schön hier."

Vergleichsweise günstige Mieten sind ein weiterer Grund für den Zuzug:

"Der Trend geht aber auch zu Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen", hat Quartiermanagerin Peggy Teucher (34) beobachtet. "Hoher Leerstand gehört der Vergangenheit an."

Von wegen Plattensiedlung: Eigenheime an der Wolgograder Allee gehören im Heckertgebiet mittlerweile auch dazu.
Von wegen Plattensiedlung: Eigenheime an der Wolgograder Allee gehören im Heckertgebiet mittlerweile auch dazu.

So entstand das Heckert

In der DDR galt das Heckert-Viertel zeitweise als zweitgrößtes Neubaugebiet.
In der DDR galt das Heckert-Viertel zeitweise als zweitgrößtes Neubaugebiet.

Ab 1974 wurden in den Stadtteilen Helbersdorf, Markersdorf und Kappel Wohnungen in Großtafelbauweise errichtet, in denen Anfang der 1990er-Jahre fast 90.000 Menschen lebten.

Das Heckertgebiet war das drittgrößte, zeitweise das zweitgrößte Neubaugebiet in der DDR.

Zwischen 2000 und Ende 2009 wurden in Chemnitz rund 16.000 Wohnungen abgerissen. Grund war der hohe Leerstand.

Schwerpunkt bildete das Heckertgebiet, in dem knapp 10.000 Wohnungen verschwanden.

Fotos: Uwe Meinhold, dpa


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