Vor 30 Jahren wurde Helmut Kohl in Karl-Marx-Stadt gefeiert

Chemnitz - Tausende Menschen waren gekommen um ihn zu sehen: Helmut Kohl. Vor genau 30 Jahren besuchte der damalige Bundeskanzler Karl-Marx-Stadt. Ein Tag, der in die Geschichte einging.

Helmut Kohl am 1. März 1990 vor der Chemnitzer Stadthalle.
Helmut Kohl am 1. März 1990 vor der Chemnitzer Stadthalle.  © Harry Härtel/Haertelpress

Es sind bewegende Bilder - etwa 200.000 Menschen versammelten sich am 1. März 1990 in der Innenstadt. In der Hand hielten sie Schilder mit den Sprüchen "Helmut Danke", "Helmut Super" oder "Hurra Deutschland".

Die Freude war groß: Denn wenige Tage später durften die DDR-Bürger zum ersten Mal demokratisch wählen. Zum Anlass dessen reiste Helmut Kohl durch die ehemalige DDR - hielt Wahlkampfreden. So auch in Karl-Marx-Stadt.

Auf der Kundgebung sollte für die "Allianz für Deutschland" geworben werden, ein Zusammenschluss der CDU und CDU-nahen DDR-Parteien.

Kohl selbst bezeichnete in seiner Rede die deutsche Einheit als gemeinsames Ziel. "Wir sind ein Volk, wir haben eine Geschichte und eine große Zukunft", so Kohl.

Die große Chance müsse genutzt werden, um in Frieden und Freiheit zu leben, sagte er laut einem Bericht der Freien Presse.

Chemnitzer Zeitzeuge: "Helmut Kohl wurde als "Retter" gesehen"

Etwa 200.000 Menschen waren gekommen um den Bundeskanzler in Karl-Marx-Stadt zu empfangen.
Etwa 200.000 Menschen waren gekommen um den Bundeskanzler in Karl-Marx-Stadt zu empfangen.  © Andreas Kretschel

Ein Chemnitzer Zeitzeuge erinnert sich: "Es war eine Aufbruchsstimmung. Alle waren begeistert und hofften auf Geld und Wohlstand." Die ganze Stadt sei in Aufregung gewesen - eine neue Zeit sollte beginnen.

"Helmut Kohl wurde als 'Retter' gesehen", so der Chemnitzer Zeitzeuge. Ein Retter aus dem Sozialismus. "Die CDU war damals die Partei, denen die meisten DDR-Bürger vertraut haben."

Das spiegelte sich auch in den Wahlergebnissen wieder. Zur Wahl am 18. März 1990 gewinnt die "Allianz für Deutschland" mit 47,8 Prozent der Stimmen die Volkskammer-Wahl. Mehr als 12,2 Millionen ehemalige DDR-Bürger konnten unter 24 Parteien, politischen Vereinigungen und Listenvereinigungen wählen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 93,39 Prozent. Die SPD erhielt 21,8 Prozent und die PDS 16,3 Prozent. Die Wahlplattform "Bündnis 90" gehörte mit nur 2,9 Prozent der Stimmen zu den Wahlverlierern.

Doch so schön die Veränderung war - wohl kaum jemand hatte mit der Kehrseite gerechnet: "Dass viele ihre Arbeitsstelle durch die Wende verlieren, hatte damals keiner gedacht", erzählt der Zeitzeuge. "Ich selber verlor ein Jahr später meinen Job, das war definitiv eine Auswirkung der Einheit".

BRD-Bundeskanzler Helmut Kohl wird von Karl-Marx-Städtern stürmisch begrüsst.
BRD-Bundeskanzler Helmut Kohl wird von Karl-Marx-Städtern stürmisch begrüsst.  © Harry Härtel/Haertelpress

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