Hund irrte 388 Tage durchs Erzgebirge, bis er seine Familie wiederfindet

Schwarzenberg – 388 Tage lang war Hündin Laiza (10) ausgebüxt und auf sich alleine gestellt – besonders für ihr Frauchen Kerstin Gräßler eine bange und zermürbende Zeit der Ungewissheit.

Glückliches Wiedersehen nach mehr als einem Jahr: Kerstin Gräßler (51) kann ihre Hündin Laiza (10) wieder in die Arme schließen.
Glückliches Wiedersehen nach mehr als einem Jahr: Kerstin Gräßler (51) kann ihre Hündin Laiza (10) wieder in die Arme schließen.  © Uwe Meinhold

Es bedurfte einiger glücklicher Umstände und einer erfahrenen Pet-Trailerin, damit die Besitzerin und das Menschen gegenüber besonders scheue Tier wieder zueinanderfanden. Das Glück war auf beiden Seiten unbeschreiblich.

Bei einem der allabendlichen Spaziergänge im Sommer vorigen Jahres war Laiza plötzlich verschwunden. Kerstin Gräßler: „Fast die ganze Nacht ging ich umher und rief ihren Namen – vergebens. Dann hoffte ich, dass sie vielleicht allein den Weg nach Hause findet.“ Am nächsten Abend suchte sie erneut. Dann wieder. Wochen vergingen.

Eigentlich hört Laiza auf die Rufe ihres Frauchens. Sie war ein Jahr alt, als sie aus dem Tierheim geholt wurde. Sie kam aus Moskau, war eher scheu und schüchtern. Lebte sich aber vorzüglich in die Familie ein, war glücklich und folgsam. Dann dieses plötzliche Verschwinden.

Und doch war Laiza immer noch da. Kerstin Gräßler hatte über Facebook um Mithilfe gebeten: „Die Leute haben mitgefiebert und riefen mich an, wenn sie Laiza gesehen haben. Sie irrte offensichtlich herum, etwa in einem Radius von 15 Kilometern von daheim entfernt.“ Doch anlocken oder gar einfangen konnte sie niemand.

Vermisste Laiza ihre Familie?

Laiza irrte 388 Tage durch das Erzgebirge. Bereits nach wenigen Stunden setzt bei Hunden der Überlebensmodus ein – antrainierte Verhaltensweisen treten in den Hintergrund.
Laiza irrte 388 Tage durch das Erzgebirge. Bereits nach wenigen Stunden setzt bei Hunden der Überlebensmodus ein – antrainierte Verhaltensweisen treten in den Hintergrund.  © Uwe Meinhold

Das liegt sicher auch an der Rasse der Hündin: russisch-europäische Laika (hat nichts mit der ersten Hündin im Weltraum zu tun). Deren Vertreter sind sehr selbständige Jäger und kommen auch allein ganz gut zurecht. Menschen gehen sie aus dem Weg. Und so kam sie auch im Erzgebirgswald über den Winter.

Doch hatte nicht auch Laiza Sehnsucht nach ihrer Familie? Gräßler: „Ein Hunde-Experte hat mir erklärt, dass sich ausgerissene Tiere sehr schnell von Haus- auf Wildhund umstellen können – und umgekehrt. Als würden sie nur einen Schalter umlegen.“

Die Nachrichten über Sichtungen von Laiza wurden seltener. Mit der Zeit versuchte auch Kerstin, sich mit den Gegebenheiten abzufinden – auch aus Selbstschutzgründen.

Doch plötzlich meldete ein Herr aus der Nachbarstadt, dass Laiza seit einigen Nächten regelmäßig in der Nähe seines Gartens auftaucht.

So lief das Wiedersehen

Bei den ausgiebigen Spaziergängen bleibt Laiza jetzt länger an der Leine als zuvor.
Bei den ausgiebigen Spaziergängen bleibt Laiza jetzt länger an der Leine als zuvor.  © Uwe Meinhold

Es war ihm sogar gelungen, das Tier mit einer Futterspur zu locken und ein Foto mit der Wildtierkamera zu machen. Aber nähern konnte er sich dem scheuen Tier nicht.

So kam Katja Culbertson aus Gera ins Spiel. Die Pet-Trailerin ist eine Spezialistin für das Aufspüren und Einfangen entlaufener Haustiere. Sie stellte eine große Lebendfalle, die mit Leckerlies ausstattet und gut getarnt wurde. Bereits in der zweiten Nacht tappte Laiza hinein.

Und dann gab es das überglückliche Wiedersehen. „Laiza hat uns als Familie sofort wiedererkannt und angenommen“, freut sich Kerstin Gräßler. „Es ist alles wie vorher. Laiza benimmt sich so, als sei sie gerade einmal eine halbe Stunde weg gewesen.“ Da hat sie wohl diesen ominösen Schalter wieder umgelegt...

Kerstin Gräßler ist auch klar, dass es dieses Happy End ohne die vielen Helfer nie gegeben hätte: „Ich möchte mich bei allen bedanken. Und ganz besonders bei Frau Culbertson, die die Lebendfalle sogar kostenlos zur Verfügung stellte.“

In vielen Situationen darf der Suchhund nicht von der Leine, um das gesuchte Tier nicht zu verjagen.
In vielen Situationen darf der Suchhund nicht von der Leine, um das gesuchte Tier nicht zu verjagen.  © privat

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