Damals in der DDR: In diesen Betrieben wurde Industriegeschichte geschrieben

Chemnitz - Kaum zu glauben, wie sich Arbeitsorte binnen 50 Jahren verändern können. Wolfgang G. Schröter († 2012) hat zu DDR-Zeiten verschiedenste Industriestandorte besucht. Der Reportage- und Industriefotograf war auch in Chemnitz und Umgebung unterwegs, hat über 100 Aufnahmen gemacht. Ihm widmet das Industriemuseum ab 10. Mai die Ausstellung "Untergegangene Arbeitswelten", die derzeit im Detail erarbeitet wird.

Montage einer Tischfräsmaschine im VEB Fritz Heckert.
Montage einer Tischfräsmaschine im VEB Fritz Heckert.  © Wolfgang G. Schröter

"Für DDR-Bürger haben diese Bilder einen hohen Identifikationswert. Unsere jüngeren Besucher erhalten einmalige Einblicke in eine nicht mehr existente Arbeitswelt", so Dr. Oliver Brehm (55), Chef des Industriemuseums. Im Mittelpunkt der Fotografien stehen technische Details vergangener Tage sowie die Angestellten in ihrem Umfeld. Originale Maschinen von damals sollen die Zeitreise verstärken.

VEB Fritz Heckert Werk Karl-Marx-Stadt

Nachdem die Wanderer-Werke aufgelöst wurden, wurde der Betrieb ausgegliedert und später in VEB Fritz Heckert umbenannt. Der Betrieb beschäftigte sich weiterhin mit dem Bau von Fräsmaschinen. Mitte der 1960er wurden jährlich 1 000 Fräsmaschinen produziert - ein Rekordwert.

VEB Spurenmetalle Freiberg

Das Unternehmen existierte von 1957 bis 1990 und produzierte Silizium für die DDR-Mikroelektronik. Bis 1989 war der VEB der größte Lieferant von Silizium- und Germanium-Halbleitern. Später gingen aus einigen Geschäftsfeldern unter anderem SolarWorld Freiberg und Siltronic Freiberg hervor.

Die Schaltwarte eines Elektronenstrahlofens beim VEB Spurenmetalle in Freiberg.
Die Schaltwarte eines Elektronenstrahlofens beim VEB Spurenmetalle in Freiberg.  © Wolfgang G. Schröter

VEB Automobilwerke Sachsenring Zwickau

Der zum Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) der DDR gehörende Pkw-Hersteller AWZ wurde 1958 mit dem VEB Sachsenring Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau zum VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau vereinigt. Hier wurde der "Trabant P 50" und "Zwickau P 70" produziert. Zur täglichen Arbeit der Angestellten gehörte die Montage der Zierleisten am Gehäuse.

Fließbandarbeiterinnen montieren Zierleisten an einem Trabant.
Fließbandarbeiterinnen montieren Zierleisten an einem Trabant.  © Wolfgang G. Schröter

VEB Steinkohlenwerk Deutschland, Oelsnitz

1955 fotografierte Wolfgang Schröter diese beiden Hauer, die mit einem Drucklufthammer den Ausbau im Steinkohlenwerk voranbringen. Ab den 1960ern gingen die Reserven in Oelsnitz zur Neige, sodass das Werk am 11. März 1971 schließen musste.

Das Steinkohlewerk in Oelsnitz.
Das Steinkohlewerk in Oelsnitz.  © Wolfgang G. Schröter

Industriemuseum will 2019 mit neuen Ausstellungen punkten

Museumsleiter Dr. Oliver Brehm (55) hat dieses Jahr drei Sonderausstellungen in petto.
Museumsleiter Dr. Oliver Brehm (55) hat dieses Jahr drei Sonderausstellungen in petto.  © Maik Börner

Das Industriemuseum Chemnitz hatte 2018 45.000 Besucher - so viele wie auch 2017. Damit blieb man unter den Erwartungen. "Ich muss gestehen, dass ich mir mehr erhofft hatte", sagte Museums-Chef Dr. Oliver Brehm (55).

Wegen des heißen Sommers hätten viele Besucher das Industriemuseum gemieden. Die Sonderausstellung "Das Herz von Chemnitz - 220 Jahre Industriekultur" habe die Zahlen aber noch nach oben geschraubt.

2019 will Brehm 50.000 Besucher begrüßen. Den Auftakt machen 27 Preisträger und Nominierte des "Sächsischen Staatspreises für Design 2018". Sie stellen ab 15. Februar innovative Designentwürfe aus den Bereichen Produkt, Kommunikation, Handwerk und Sound vor. Vom 10. Mai bis 4. August folgt die Ausstellung "Untergegangene Arbeitswelten".

In Kooperation mit Villa Arte e. V. widmet sich das Museum auch dem Bauhaus-Jubiläum: Vom 29. September bis 1. Dezember werden 60 Arbeiten gezeigt, die im Rahmen des 7. Internationalen Marianne-Brandt-Wettbewerbes ausgewählt werden.

Sammlungsleiter Achim Dresler (60) gibt einen ersten Einblick in die Sonderausstellung "Untergegangene Arbeitswelten" mit Bildern von Wolfgang G. Schröter.
Sammlungsleiter Achim Dresler (60) gibt einen ersten Einblick in die Sonderausstellung "Untergegangene Arbeitswelten" mit Bildern von Wolfgang G. Schröter.  © Maik Börner

Titelfoto: Maik Börner

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