Kripo fährt jetzt in allen Chemnitzer Stadtteilen Dauerstreife

Sie koordinieren die Streifen: (v.l.) Lars Kapcsàndi (35), Thomas Niemand (59) und Kripochef Michael Ruschitschka (54).
Sie koordinieren die Streifen: (v.l.) Lars Kapcsàndi (35), Thomas Niemand (59) und Kripochef Michael Ruschitschka (54).  © Uwe Meinhold

Chemnitz - 60 Einbrüche und entsprechende Versuche seit September lassen Chemnitzer Hausbesitzer wie Mieter zittern. Gegen dieses Zittern hilft keine Heizung, sondern die Polizei.

Die Kripo will die Einbruchswelle mit einer Großaktion stoppen. Alle verfügbaren Beamten fahren seit Mittwoch Streife durch alle Wohngebiete. Meist abends, wenn die Täter kommen.

20 bis 30 Beamte sind jeden Abend unterwegs, zusätzlich zu normalen Streifen. Ein Kraftakt. "Wir müssen neben den verstärkten Ermittlungen Präsenz zeigen, Kontakt zum Bürger suchen und Hinweise finden", sagt Kripochef Michael Ruschitschka (54). So fühlen sich Bürger sicherer. Und Ganoven unsicher. Hoffentlich.

Am Freitag gingen Obermeisterin Julia N. (27) und Polizeimeister Peter E. (31) auf Streife. Sie gehören sonst zu einer Festnahme-Spezialeinheit, dürfen ihre vollen Namen nicht nennen. Einsatz-Ort: Borna-Heinersdorf.

So weit die Taschenlampen reichen: Julia N. und Peter E. leuchten einen Weg in Borna aus.
So weit die Taschenlampen reichen: Julia N. und Peter E. leuchten einen Weg in Borna aus.  © Uwe Meinhold

Ein ungemütlicher Abend. Nebel verdeckt den leuchtenden Lulatsch-Schornstein, die Temperatur sinkt auf minus 2 Grad. Am Glücksberg heben sich schwarze Hausdächer gegen den noch dunkelblauen Himmel ab.

Peter E. fährt im Schritttempo durch die enge Straße, Julia N. leuchtet vom Beifahrersitz mit der taghellen Taschenlampe Marke Lenser P 7.2 in die Vorgärten.

Der Lichtkegel streift Fenster, Garagen, Zäune. Keine Einbrecher. Die einzigen dunklen Gestalten vor den Häusern haben rote Zipfelmützen und sind harmlos.

Eine Frau in roter Jacke taucht im Dunkel auf. Julia N. spricht sie durch das Wagenfenster an. Die 52-Jährige hat Angst vor Einbrechern.

Erst vorige Woche gab es zwei Fälle in der Nachbarschaft. Sie sagt, dass am Glücksberg öfter fremde Männer herumlaufen. "Die schauen sich die Häuser an."

Halt, Polizei: Peter E. (31) stoppte einen Peugeot aus Rostock.
Halt, Polizei: Peter E. (31) stoppte einen Peugeot aus Rostock.  © Uwe Meinhold

Julia N. notiert das im Laptop, dazu Namen und Telefonnummer der Frau. "Das sind wichtige Hinweise", erklärt sie.

"Wir sammeln das, erstellen Lagebilder, geben Personenbeschreibungen und verdächtige Fahrzeuge an alle Kollegen weiter." Der Kampf gegen Einbrecher ist ein Puzzle.

Der Polizei-Mercedes fährt langsam weiter. Bornaer Straße, Wittgensdorfer. Plötzlich reißt Peter E. das Lenkrad herum. Die Reifen quietschen, zurück in die Bornaer Straße. Er verfolgt einen blauen Peugeot 106 aus Rostock. Der Polizist schaltet das blaue Licht an, stoppt den Kleinwagen.

Torsten F. (54) und sein Sohn Malte (16) schauen erschrocken in das taghelle Licht von zwei Lenser P 7.2. Sie wollen nicht einbrechen, sondern essen gehen. Sohn-Besuch des Vaters, der von seiner Familie getrennt lebt.

Polizeikontrolle in der Blankenburger Straße: Ein tschechischer Autofahrer muss sich ausweisen.
Polizeikontrolle in der Blankenburger Straße: Ein tschechischer Autofahrer muss sich ausweisen.  © Uwe Meinhold

Peter E. wünscht einen schönen Abend. Als der Peugeot weg ist, sagt er: "Im Scheinwerferlicht sahen sie der Beschreibung verdächtiger Männer ähnlich. Das sind solche Informationen, die jeder Polizist im Kopf hat."

19 Uhr. Die Polizisten sind seit sechs Stunden im Dienst. Blondschopf Julia N. würde jetzt lieber auf einer Party sein, Peter E. freut sich auf sein Feierabendbier, ein Astra Pils.

Doch sie müssen bis 23 Uhr weiterfahren. Straße um Straße, Vorgarten um Vorgarten. Die Taschenlampen kreisen.

Einbrechersuche ist ein mühsames Geschäft. Und an diesem Abend erfolglos. Reine Präsens hilft aber auch abschreckend. Morgen geht es weiter. Peter E. lässt sich nicht entmutigen: "Ich weiß nicht, wann wir diese schlimme Serie stoppen. Aber wenn wir es nicht können, wer dann?"

Der blau-silberne Mercedes rollt davon in die Hölderlinstraße. Die Rücklichter verschwimmen im eiskalten Nebel.

Seit Freitag gab es in Chemnitz nur einen Einbruch.


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