Immer mehr Polizeieinsätze: Wenn Reizgas zur Waffe wird

Der Chemnitzer Händler Tobias Schneider (54) hat bereits 20 Sorten Pfefferspray im Sortiment.
Der Chemnitzer Händler Tobias Schneider (54) hat bereits 20 Sorten Pfefferspray im Sortiment.  © Peter Zschage

Chemnitz - Sprüh-Attacke in der Disco: Ein Mann (18) griff im Atomino-Club mit Reizgas an, verletzte mehrere Besucher. Bei einem Streit mit Gas-Einsatz in Brand-E. wurden vier Menschen verletzt, drei bei einem Angriff in Plauen. Alles an diesem Wochenende. Immer mehr Menschen besitzen Reizgas - und setzen es als Waffe ein.

In Chemnitz soll jeder dritte Bürger ein Fläschchen besitzen, sagen Experten. Polizeisprecherin Jana Kindt warnt vor dem Spray-Kauf: "Wer es hat, kommt leicht in Versuchung, es zu benutzen."

Der Chemnitzer Händler Tobias Schneider (54) vom Waffen-Army-Shop in der Theaterstraße weiß: "Der Verkauf von Mitteln zur Selbstverteidigung steigt steil an. Früher hatte ich drei Sorten Pfefferspray im Sortiment, heute 20."

Erlaubt ist der Einsatz nur im Notfall, zur Selbstverteidigung. Alles andere ist Körperverletzung. Darauf weist Tobias Schneider beim Verkauf deutlich hin. Mancher schlägt die Warnung in den Wind. Mit fatalen Folgen für Opfer wie Täter, sagt Jana Kindt. "Der Schuss kann bei Gegenwind schnell nach hinten losgehen."

Die "massenhafte Bewaffnung der Bürger" stößt Hagen Husgen (53) auf. Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei: "Für Sicherheit hat der Freistaat zu sorgen, indem er viel mehr Polizisten einstellt. Den Bürgern sage ich: Hände weg von Reizgas und anderen Waffen."


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