Experten sagen aus: Grausige Details in Chemnitzer Mordprozess

Chemnitz - Nach dem Mord an einem jungen Mann in einer Chemnitzer Industriebrache hat ein Team von Profilern die Ermittler auf die Spur des möglichen Täters geführt. Wie die verantwortliche Fallanalytikerin im Prozess vor dem Landgericht Chemnitz aussagte, habe der Angeklagte in allen Punkten auf das für einen unbekannten Täter erstellte Profil gepasst. Sie seien einhellig der Meinung gewesen, dass er der Täter sei, sagte die Kriminalistin.

Maik G. (28) am Montag in Chemnitz vor dem Landgericht.
Maik G. (28) am Montag in Chemnitz vor dem Landgericht.  © Harry Härtel/Haertelpress

Seit dem 1. Oktober muss sich der 28-jährige Maik G. wegen Mordes verantworten (TAG24 berichtete).

Er soll im Sommer 2017 im Verwaltungsgebäude der früheren Wanderer Werke seinen Mitbewohner mit einem Zimmermannshammer getötet haben. Die Leiche war am 13. September gefunden worden.

Unklar bleibt auch nach dem siebten Verhandlungstag der genaue Todeszeitpunkt des damals 20 Jahre alten Opfers Gerd S. Der drogenabhängige und wohnungslose Mann war zuletzt am Abend des 27. Juli 2017 gesehen worden.

Weil er dann entgegen seiner Gewohnheiten am 31. Juli nicht sein Arbeitslosengeld vom Konto abgehoben habe, gingen die Analytiker davon aus, dass das Opfer in diesem Zeitraum getötet worden sei.

Laut der Aussage eines Forensikers lag der Todeszeitpunkt wahrscheinlich zwischen dem 1. und 4. August 2017. Dies habe die Auswertung von Insekten und ihrer Entwicklung ergeben.

Angeklagter steht nicht zum ersten Mal vor Gericht

Gerd S. wurde nur 20 Jahre alt.
Gerd S. wurde nur 20 Jahre alt.

Zum Auftakt des Verhandlungstags hatte ein Sachverständiger ausgesagt, dass er als Gutachter in einem früheren Prozess eine Psychose und eine Suchterkrankung bei dem Angeklagten festgestellt habe. Dieser habe 2012 offen von Gewalt- und Amoklauffantasien gesprochen.

In dem damaligen Prozess am Amtsgericht Chemnitz war es um den Tatvorwurf der Leistungserschleichung gegangen. Weil es um ein vergleichsweise geringfügiges Vergehen gegangen sei, habe er gedacht, wow, noch mal gut gegangen, sagte der Sachverständige.

Nach seiner Einschätzung sei von dem Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgegangen. Er habe daher eine ausgiebige Untersuchung empfohlen.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann sollen unter anderem der rechtsmedizinische Gutachter und der psychiatrische Sachverständige aussagen. Die Plädoyers und das Urteil sind dann an einem weiteren Verhandlungstag vorgesehen, für den noch kein Termin feststeht.

Die Leiche von Gerd S. wurde im September 2017 in den ehemaligen Wanderer Werken entdeckt. (Archivbild)
Die Leiche von Gerd S. wurde im September 2017 in den ehemaligen Wanderer Werken entdeckt. (Archivbild)  © Peter Zschage

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