Müllfahrer betrog mit Schrott-Münzen: Bewährung

Marcel B. (31) kam am Montag noch einmal mit Bewährung davon.
Marcel B. (31) kam am Montag noch einmal mit Bewährung davon.  © Harry Härtel/Haertelpress

Chemnitz - Cindy T. (28) hält es nicht mehr aus: Weinend sackt sie im Gang des Landgerichts Chemnitz zusammen. Nur wenige Meter von ihr entfernt, vorm Saal 232: Marcel B. (31). Der Mann, der sie um 27.600 Euro betrogen hat - ihr ganzes Erspartes, ihr Geld für eine sorgenfreie Zukunft.

Fünf Jahre lang hatte die junge Frau in Österreich in der Gastronomie gearbeitet. Wochenenddienste, 12-Stunden-Schichten. Und dabei eisern ihr hart verdientes Geld gespart. Zurück in Deutschland lernte sie Marcel B. kennen. "Er war der Freund meiner Tante", erzählte die Zwickauerin leise.

Hinter der freundlichen Fassade des damaligen Müllfahrers verbarg sich aber laut Anklage ein mieser Betrüger. 2012 kam das Angebot: 21 sogenannte "Krügerrand"-Goldmünzen für 27.600 Euro. Es sollte eine Anlage für die Zukunft sein - die gutgläubige Cindy griff zu. Sie zahlte bar.

Original "Krügerrand"-Münzen gelten als beliebte Sammelobjekte, kosten ab 
1000 Euro aufwärts.
Original "Krügerrand"-Münzen gelten als beliebte Sammelobjekte, kosten ab 1000 Euro aufwärts.

Zwei Jahre später kam der Tipp - mit den Münzen stimme was nicht. Zwei Gutachter stellten unabhängig voneinander fest: Pro Stück waren die angeblichen Goldmünzen gerade mal zwölf Euro wert, bestanden lediglich aus billigem Kupfer. Inzwischen wurden weitere Opfer bekannt - Marcel B. hatte im Internet-Auktionshaus "Ebay" sechs Silberbarren angeboten, dafür rund 5000 Euro kassiert. Geliefert wurden die begehrten Edelmetalle nie - das Geld war futsch. Die Opfer zeigten den Mann wegen Betrugs an.

"Das war eine schlimme Zeit. Meine damalige Freundin und ich hatten beide Schulden", gestand der einschlägig vorbestrafte Betrüger kleinlaut. Er entschuldigte sich bei seinem Opfer, das blass und zitternd im Gerichtssaal die Verhandlung verfolgte. Eigentlich sollte Marcel B. für dreieinhalb Jahre hinter Gitter - so lautete im Herbst 2015 das knallharte Urteil am Amtsgericht in Aue.

Doch das Chemnitzer Landgericht kniff gestern in der Berufungsverhandlung beide Augen zu. Marcel B., der mit seiner neuen Freundin zusammenlebt und nächste Woche eine neue Arbeitsstelle antritt, kam mit zwei Jahren davon, ausgesetzt auf drei Jahren zur Bewährung - der Knast bleibt ihm erspart. Er muss außerdem 2400 Euro Geldstrafe zahlen.

Schwacher Trost für das Opfer: Cindy T. bekommt laut Urteil jetzt monatlich 70 Euro von Marcel B. zurück. Bleiben die Zahlungen aus, wandert der 31-Jährige in den Knast.

Titelfoto: Harry Härtel/Haertelpress


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